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6 Schritte zur erfolgreichen Forschungsarbeit

Aufbau, Methoden, Auswertung: Mit dem Rezept für Forschungsprojekte des Dozenten für Empirische Methoden und SPSS Claus Braunecker forscht du wie ein Pro

Der Gedanke daran, ein eigenes Forschungsprojekt durchführen zu müssen, bringt dich ins Schwitzen? Du kannst durchatmen, Empirie ist viel einfacher, als ihr Ruf es ankündigt. Denn: Forschen ist wie ein Vier-Gänge-Menü kochen: Es kommt auf das Beimengen der richtigen Zutaten zum richtigen Zeitpunkt an. Und genau wie beim Essen kannst du ja auch nicht wissen, wie es geschmeckt hat, bevor du es nicht zubereitet und gegessen hast.

Struktur ist alles: Forschungsprojekte brauchen rote Fäden

Für jedes Forschungsvorhaben ist ein roter Faden wirklich wichtig: An ihm hängen der Reihe nach alle Phasen der empirischen Erhebung – von der ersten Forschungsidee bis hin zu Ergebnispräsentation und Summary. Das gilt für Umfragen genauso wie für Fokusgruppen, Inhaltsanalysen, Experteninterviews oder wissenschaftliche Beobachtungen. Also, schön der Reihe nach und schon gehört jedes Forschungs- und Statistik-Kuddelmuddel der Vergangenheit an.

Step 1: Das Erkenntnisinteresse

Forschen kannst du erst, wenn du genau weißt, was du erforschen willst. Das gilt es zu klären. Jedes Forschungsvorhaben besitzt zunächst ein generelles Erkenntnisinteresse. Aus diesem werden dann Forschungsfragen beziehungsweise Hypothesen abgeleitet. Das erfolgt in der Wirtschaft aus sachlichen Zusammenhängen, in der Wissenschaft im Zuge eingehender Literaturrecherchen. Die Forschungsfragen formulieren dabei die genauen Details, die untersucht werden sollen.

Kleiner Tipp: Besser ist es, zu fragen: »Welchen Einfluss haben die Zutaten eines Gerichts auf den Geschmack?« anstelle von: »Haben die Zutaten einen Einfluss?« – sonst kannst du deine Forschungsfrage nur mit Ja oder Nein beantworten.

Der Unterschied zwischen Forschungsfrage und Hypothese

Hypothesen wiederum benutzen Erkenntnisse aus der Literatur, aus Vorstudien oder parallelen Erhebungen und stellen darauf basierend eine Vermutung auf. Dort formulierst du dann: »Je mehr Sahne dazukommt, desto besser schmeckt’s« oder: »Wenn Sahne dazukommt, dann verändert sich der Geschmack«. Erst wenn du deine Forschungsfragen beziehungsweise Hypothesen genau erarbeitet hast, kannst du dir im Einklang damit überlegen, wie du am effizientesten zu Ergebnissen gelangst.

Merke: Forschungsfragen beantwortest du, Hypothesen werden geprüft.

Step 2: Das Setting

Wie du deine Untersuchung anlegst, kannst du dir entweder nachdem du die Forschungsfragen oder Hypothesen aufgestellt hast oder parallel dazu überlegen. Sei hier lieber genau: Die Festlegung der passenden Forschungsmethodik lenkt dein gesamtes Vorhaben inklusive Auswertung und Ergebnisdarstellung.

Qualitativ oder quantitativ forschen

Du kannst zum einen qualitativ – auf der Suche nach verbalen Inhalten – oder zum anderen quantitativ – auf der Suche nach Zahlen – vorgehen.

Definition Qualitative Forschung: Bei qualitativen Settings suchst du nach verbalen Antworten auf Fragen wie »Was alles muss ein Gericht beinhalten, damit es besonders gut schmeckt?«.

Definition Quantitavie Forschung: Quantitative Empirie hingegen zielt auf das Erheben von Zahlen in Form von Prozenten, Mittelwerten oder Ähnlichem ab. Hierbei könntest du beispielsweise fragen: »Hat Ihnen dieses Gericht geschmeckt?« oder »Bitte beurteilen Sie dieses Gericht mit einer Schulnote.«

Step 3: Die Grundgesamtheit

Wenn du nicht sorgfältig überlegst, bei wem oder wo du etwas herausfinden willst, klappt’s nicht. In Wechselwirkung mit dem Setting einer Erhebung steht die genaue Definition deiner Grundgesamtheit: Wer – bei einer Befragung – oder wo genau – bei einer Beobachtung oder Inhaltsanalyse – soll überhaupt untersucht werden? Leider machen viele den Fehler, diese Festlegung gar nicht oder nicht ausreichend exakt zu treffen. Das führt zu Ergebnissen, die nicht oder schlecht verwendbar sind, weil nicht festzustellen ist, wofür sie überhaupt gelten. Wenn du in München keine roten Rüben bekommst, kannst du ja auch nicht sagen, dass es in ganz Deutschland keine gibt.

Vollerhebung oder Stichprobe?

Hast du die Grundgesamtheit klar definiert, kannst du überlegen, ob eine Vollerhebung – der gesamten Grundgesamtheit – möglich ist. Ist das nicht der Fall, ziehst du eine Stichprobe und untersuchst nur einen Teil der Grundgesamtheit. Diesen Teil wählst du entweder zufällig, nach bestimmten Merkmalen oder willkürlich aus – je nachdem, wie es dein Setting verlangt.

Step 4: Die Erhebung

Nun geht’s zur eigentlichen Erhebung mittels Fragebogen, Leitfaden, Codierschema oder Protokollbogen. Deine Fragen oder Erhebungsdimensionen müssen hier unbedingt passgenau sein. Das bedeutet, dass hier keine Widersprüche oder Unschärfen zu deinen Forschungsfragen oder Hypothesen entstehen dürfen. Auch das Messniveau ist entscheidend dafür, wie viel du später aus den Daten herauslesen kannst. Wenn du zum Beispiel lediglich fragst: »Hat Ihnen dieses Gericht geschmeckt?«, kannst du weit weniger aus den Ergebnissen ablesen, als wenn du »Bitte beurteilen Sie dieses Gericht mit einer Schulnote« oder »Wie oft im Jahr würden Sie dieses Gericht essen wollen?« formulierst.

Step 5: Pretest und Auswertung

Beim Pretest wird das Erhebungsinstrument auf seine Tauglichkeit hin überprüft. Funktioniert es nicht zufriedenstellend, muss es noch einmal überarbeitet werden. Nach dem Erheben geht’s ans Auswerten.

Merke: Datenanalysen erfolgen zunächst technisch. Erst dann interpretierst du.

Step 6: Daten erfassen, auswerten und interpretieren

Bei der Datenerfassung kontrollierst du, ob du genug Daten sammeln konntest: Hat die Vollerhebung wirklich voll erhoben beziehnungsweise verzeichnet die Stichprobe zufriedenstellenden Rücklauf? – Sonst sind deine Ergebnisse vielleicht nicht repräsentativ. Liegen die Daten dann vor, folgt deren technische Auswertung. Hier verwendest du – vor allem bei quantitativen Erhebungen – am besten ein statistisches Auswertungsprogramm wie SPSS. Auch das ist mit einer Gebrauchsanleitung leicht erlern- und anwendbar.

Ergebnissteil: Erst auswerten, dann diskutieren

Beim Auswerten beschreibst du zuerst deine Ergebnisse in deskriptiven Statistiken, danach schließt du bei Stichproben auf deine Grundgesamtheit – die Signifikanzprüfungen. Jetzt kannst du mit der Ergebnisinterpretation, also der Beantwortung deiner Forschungsfragen oder Prüfung deiner Hypothesen, beginnen. Dazu führst du gegebenenfalls vertiefende Datenanalysen durch. Fertig?

Nun gilt es noch, die Ergebnisse möglichst plakativ aufzubereiten und darzustellen, damit sich alle – auch jene, die zum ersten Mal von deiner Untersuchung hören – rasch damit zurechtfinden. Gar nicht so schwer, oder?


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