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»Aha, so wie der Kerkeling, ne?«

1.111 Kilometer – Phillip Gätz zog längs durchs Land für seine Diplomarbeit

Nein, eben genau so nicht. Denn Phillip Gätz wanderte nicht den Jakobsweg entlang, sondern entschloss sich aus einer Bierlaune im Urlaub heraus dazu, 1.111 Kilometer längs durch Deutschland zu wandern. »Abends im Urlaub auf der Couch kam irgendwie der Blitzgedanke, als ich für die damalige Fußball-WM einen VISA-Werbespot sah, in dem jemand, der relativ korpulent war, aus einem englischen Wohnmobilpark losrennt. Immer weiter, immer weiter, immer dünner werdend, durch die Savanne, über Berge bis er in Kapstadt ins Stadion einrennt und direkt ein Tor schießt. Ich glaube, da hat sich im Hirn bei mir unterschwellig etwas abgespielt und kurz danach griff ich zu Google, um mal die Distanz von Deutschland zu erforschen. Der Rest ist Geschichte«, und zwar eine sehr spannende. Ausgerüstet mit allem, was man zum Überleben in der Wildnis braucht, zwei iPhones und ein paar guten Wanderschuhen lief er für seine Diplomarbeit unter dem Titel ›Die Reise in den Verstand‹ von der dänischen bis zur Grenze Österreichs.

Gesponsert wurde der Fotografiestudent mit Sachgegenständen durch verschiedene Organisationen. Alleine die Planung des Trips allerdings war für ihn ein solcher Akt, dass er in seinem Weblog bereits vor Antritt der Reise postete, dass das Laufen an sich wohl der einfachste Teil werden würde. Der Weblog begleitete den Studenten auch während seiner Tour und bündelte die verschiedensten Eindrücke und Strapazen, die er durchlebte. Zudem ließ er durch zahlreiche Bilder derer, die er auf seinem Weg traf, Freunde, Familie und Facebook-Fans an seiner Reise teilhaben. Um die nun in einer Ausstellung zu bestaunenden Bilder von diesen Menschen zu schießen, bedurfte es keiner großen Überredungskunst, erzählt Phillip: »Da ich sehr oft ländlich unterwegs war bei den Menschen, die ich getroffen habe, wuchs mit jedem Kilometer der Respekt vor der Sache. Über so ein großes Vorhaben kommt man leicht ins Gespräch, man verkauft sich sympathisch und fototechnisch ›bedürftig‹. Das soll nicht arrogant klingen, aber wann kommt schon mal ein Fotograf mit einem solchen Anliegen an der Haustür vorbei und bittet um ein Foto?« 67 Tage war er unterwegs von einer Grenze zur anderen. Phillip selbst sagt über das Mammutprojekt: »Kilometer für Kilometer bekam die ›Reise in den Verstand‹ eine Eigendynamik, die für mich eine völlig neue, teils groteske Erfahrung bildet.« 


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