Bist du anfällig für Plagiate?

Ein Alptraum: Die größte Hürde für den akademischen Titel, die Abschlussarbeit, ist genommen; die politische oder wissenschaftliche Karriere hat begonnen, da kommt durch Zufall ans Tageslicht, dass wesentliche Passagen des eigenen Werkes abgeschrieben sind. Titel und Amt sind weg. Ein Plagiat liegt vor!

Hier handelt es sich um ein Extremszenario – ärgerlich ist es jedoch in jedem Fall, wenn du beschuldigt wirst, wissenschaftlich unsauber gearbeitet zu haben. Wenn du dem Thema von Anfang sensibel gegenüber bist, läufst du weniger Gefahr, dass es soweit kommt.

Was ist ein Plagiat eigentlich genau?

Das lateinische Wort, plagiārius, heißt auf Deutsch so viel wie „Seelenverkäufer“ oder „Menschendieb“. In der Antike verglich man ein abgeschriebenes literarisches Werk mit einem frei gelassenen Sklaven, der von einem anderen gestohlen worden war. Jemanden eines Plagiats zu beschuldigen, heißt also, ihm vorzuwerfen, dass er sich fremde Gedanken und Ideen eines Anderen – sei es auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiet – unrechtmäßig angeeignet, sie „gestohlen“ hat.

Risiko Gedankendiebstahl

Das Plagiat ist somit das Gegenteil eines Zitats, eines der Grundlagen präzisen wissenschaftlichen Arbeitens. Schließlich bauen wissenschaftliche Ergebnisse per se auf fremden Quellen auf und entwickeln sie idealerweise weiter. Dass du diese Quellen kennzeichnen musst, sollte sich von selbst verstehen. Tust du es nicht oder unzureichend, verstößt du gegen Prüfungsordnungen, Arbeitsverträge oder Universitätsrecht, oder weiter gefasst gegen das Urheberrecht. Und das scheint mittlerweile nicht selten der Fall: Laut einer Fairuse-Studie der Universität Bielefeld hat jeder fünfte der dort untersuchten Studierenden schon einmal ein Plagiat abgegeben.

Selbst wenn du einen urheberrechtlich geschützten Text in eigenen Worten wiedergibst oder eine Argumentation an sich übernimmst, ohne ihre Herkunft zu nennen, ist das ein Plagiat. Es lassen sich natürlich auch Fakten, Entdeckungen, Interpretationen oder Inhalts- und Quellenverzeichnisse fremder Arbeiten kopieren. Das Spektrum des Plagiierens ist breit und reicht von der schwer nachweisbaren Übernahme von Ideen bis hin zu offensichtlichem Kopieren ganzer Texte.

Eine Erklärung soll vorbeugen

Als Anhang zu deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit musst du deshalb fast immer eine schriftliche Erklärung zu deiner wissenschaftlichen Arbeit abgeben, dass du deine Seminararbeit selbstständig verfasst und alle verwendeten Quellen ohne Einschränkung angegeben hast. Die Studierenden sollen auf diese Art und Weise, so hofft man, für das Problem sensibilisiert und Täuschungsversuche weniger wahrscheinlich werden. Denn fliegt eine Täuschung auf, so kann dich das tatsächlich den Erfolg der Abschlussarbeit oder gar den akademischen Titel kosten!

Du denkst, das betrifft dich nicht, weil du genug eigene Ideen hast und deine Argumentationen selber stricken kannst? Leider entstehen Plagiate auch unabsichtlich – wenn es dir also nicht an Anstand, sondern an den wissenschaftlichen Skills, an Zeit oder Geduld mangelt. Ist es nicht einfach bequemer, nur jedes zweite indirekte Zitat zu kennzeichnen, schließlich kennen die Leser die Quelle ja schon? Drängt die Zeit, weil bis zur Abgabe nur wenige Stunden verbleiben, wäre es aufwendig, die Herkunft bestimmter unbelegter Passagen noch einmal herauszusuchen. Oder weißt du vielleicht schon gar nicht mehr, wo du den interessanten Gedanken auf dem Schmierzettel gefunden hattest?

Wenn du dir also unsicher über die Herkunft eines übernommenen Zitats bist, gib es Plagiatsprüfungen im Netz.

Was macht eine Plagiatsprüfung?

Aufgrund eines einzigen nicht kenntlich gemachten Zitats wird natürlich kein Abschluss aberkannt. Bei allzu großer Sorge, dass sich zu viele unbelegte Stellen im eigenen Text angesammelt haben könnten, kannst du jedoch bei einigen Anbietern sogenannte Plagiatsprüfungen für Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten durchführen lassen. Spezielle Prüfsoftware durchforstet das Netz nach Übereinstimmungen mit deinem Text. Auch teilweise umgeschriebene Texte können über einzelne kleine übereinstimmende Passagen einer Quelle zugeordnet werden. Du erhältst Auskunft über kritische und potenzielle Plagiatsstellen, die du danach korrigieren kannst.

Die Plagiatsprüfungen sind jedoch meist erschwinglich, in wenigen Stunden erledigt und verständlich in ihren Resultaten, gefundene Quellen werden verlinkt. So verringerst du die Wahrscheinlichkeit, dass du unabsichtlich Plagiate produziert hast.

Die beste Art und Weise, eigenen Plagiaten vorzubeugen, ist natürlich immer noch, sich selbst in korrekter wissenschaftlicher Schreibpraxis zu üben: Im Moment des Zitierens aufmerksam zu sein, Quellen sofort einzufügen sowie direkt auf korrektes, einheitliches Zitieren zu achten, damit der Umgang damit sicherer wird. Ebenso kann es sinnvoll sein, eine Zitiersoftware zu nutzen. Wer das eigene wissenschaftliche Handwerk beherrscht – das zeigt auch die Bielefelder Studie – neigt eben weniger zum Schummeln.


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