Von der Themenfindung bis zur Abgabe – Deine Checkliste für die Bachelorarbeit

Mit dem erfolgreichen Abschluss der letzten Veranstaltungen beginnt oft die große Frage: Wie genau fange ich bloß mit meiner Bachelorarbeit an?

Grundsätzlich gibt es natürlich so einige Meilensteine zwischen Themenfindung und Abgabe zu bewältigen und eine gute Planung ist wie immer das A und O – will man nicht sang und klanglos mit seiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit unter gehen. Aber der Anfang und vielleicht auch der wichtigste Punkt überhaupt liegt immer in der Wahl des richtigen Themas. Und dabei ist der Casus knaxus so trivial wie entscheidend: Das Thema sollte einen wirklich interessieren. Doch wie genau findet man ein Thema, das einen nicht nur interessiert, sondern auch in dem vorgegeben Rahmen zu stemmen ist?

1. Die Themenfindung

Zunächst lohnt sich ein Blick zurück in das bisherige Studium: Gab es da Themen, die einen besonders interessiert haben? Über die man vielleicht schon mal ein Referat gehalten oder sogar schon mal eine Hausarbeit geschrieben hat? Welches dieser Themen könnte man sich vorstellen, noch intensiver zu bearbeiten und in dessen Materie noch tiefer einzusteigen? Vorteil bei diesem Vorgehen ist natürlich, dass man bereits etwas Literatur dazu recherchiert und einen rudimentären Einblick in die Materie hat. Außerdem konnte ein Dozent in der Regel bereits einen Blick auf die eigene Herangehensweise bezüglich des Themas werfen und Feedback geben.

Ein weiterer möglicher Ansatz ist der Blick auf die eigenen Interessen oder Hobbys. Das klappt in den Sozialwissenschaften oft prima, in der Astronomie natürlich nur bedingt. Aber bei dieser Herangehensweise ist auch Vorsicht geboten: Hat man nicht genügend Abstand zum Thema, weil es einem beispielsweise einfach zu sehr am Herzen liegt, besteht die Gefahr, dass man nicht objektiv ist und anfängt, Sachverhalte zu beschönigen oder nicht neutral genug darzustellen. In jedem Fall sollte man, bevor man mit dem Thema zum Prüfer geht, Literatur dazu recherchieren und prüfen, ob es bereits genügend Grundlagen zu dem Thema gibt und auch, ob die Arbeit genau so nicht schon dutzende Male geschrieben wurde.

Zuletzt bleibt einem der für viele zu unrecht so unliebsame Gang zum Prüfer des Vertrauens, um ihn um ein Thema zu bitten. Zu unrecht deswegen, weil ein erfahrener Prüfer natürlich schon viele, viele, viele Fragestellungen über seinen Schreibtisch hat gehen sehen. Erfolgreich bearbeitete und nicht so erfolgreich bearbeitete. Kurz: Ein erfahrener Prüfer weiß, welche Fragen funktionieren und mit welchen man sich hoffnungslos verhebt.

2. Eine Fragestellung entwickeln und die Methodik festlegen

Hat man also ein Thema, das einen interessiert, gilt es eine Fragestellung dazu zu entwickeln, die sich innerhalb des vorgegebenen Zeit- und Seitenrahmen beantworten lässt. Als Faustregel hierfür gilt: Wirklich nur eine Frage stellen, innerhalb des gewählten Themas bleiben und eher nicht versuchen, mehrere Themen in einer Bachelorarbeit zu verbinden. Vor allem aber sollte man auf den Prüfer hören, denn der kennt sich aus und weiß, was man schaffen kann und was nicht.

Mit der bestehenden Fragestellung stellt sich die Frage nach der Methodik anhand derer man sich der Beantwortung der Frage annehmen möchte. Ganz grundsätzlich stehen einem dabei zum einen theoretische Ansätze zur Verfügung, in denen man sich anhand der Recherche, Auswertung und der logischen Verknüpfung von einschlägiger wissenschaftlicher Literatur mit der gewählten Fragestellung auseinandersetzt. Die andere Möglichkeit wäre eine qualitative oder quantitative Studie, bei der man sich der Fragestellung mit empirischen Methoden annimmt. Hier lässt sich pauschal sagen: Wenn kein zwingender Grund für eine empirische Studie besteht, sollte man sich für die Bachelorarbeit immer für einen theoretischen Ansatz entscheiden, weil es in der Regel immer weniger Aufwand ist und sich dieser immer besser und einfacher einschätzen lässt.


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Der Rest ist eigentlich undramatisch: Zunächst sollte man sich die Fragestellung in riesiger Schriftgröße ausdrucken und direkt vor die Nase an den eigenen Arbeitsplatz hängen. Danach gilt es eine realistische, das heißt nicht zu knappe und Puffer enthaltende Zeitplanung mit den wichtigsten Milestones zu machen (Recherche, Strukturierung des Materials, Rohfassung schreiben, Überarbeitung, Korrekturphase, Druck und Abgabe). Und dann muss man sich nur noch so richtig wirklich dran halten. ;-)

3. Recherche und Strukturierung des Materials

Nachdem man nun sein Thema und die Fragestellung kennt, geht es nun an die erste Recherche der aufgegriffenen Themen und die Strukturierung des Materials. Es ist dabei durchaus legitim, am Anfang der Recherche die Themen einfach mal zu googeln oder bei Wikipedia rein zu schauen und sich auf diese Art und Weise einen ersten Überblick zu verschaffen. Aber man kann es nicht oft genug sagen: Wikipedia und Google sind keine wissenschaftlichen Quellen oder Verzeichnisse von wissenschaftlicher Literatur!

Die richtige wissenschaftliche Recherche des Materials für die Bachelor Arbeit macht man am Besten über das Online Bibliotheken System der eigenen Uni. Dabei sollte man auch die Fernleihe nicht aussparen und besonderen Fokus auf das Zeitschriftenmagazin legen, denn hier hat man als Student den unschätzbaren Vorteil des kostenlosen Zugangs zu den in der Regel aktuellsten wissenschaftlichsten Publikationen. Eine weitere Quelle für interessantes wissenschaftliches Material ist zudem Google Scholar, eine Suchmaschine von Google für die allgemeine Literaturrecherche wissenschaftlicher Dokumente.

Hat man nun die wichtigsten und grundlegenden Publikationen zu den in der eigenen Bachelorarbeit angesprochenen Themen einerseits und aktuelle Studien und Zeitschriftenartikel dazu andererseits recherchiert, besorgt und zumindest quer gelesen, geht es an die erste Strukturierung des Materials. Hier bietet sich entweder die herkömmliche Herangehensweise an, bei der man beispielsweise die Zusammenfassungen der wichtigsten Quellen und die Notizen dazu auf Karteikarten oder aber in Textdokumenten auf dem Rechner vermerkt. Oder aber man greift auf speziell dafür entwickelte Software zurück, wie etwa Citavi, für die viele Universitäten ihren Studenten gratis Lizenzen anbieten.

In so einer Software lassen sich zum einen für alle verwendeten Quellen Einträge erstellen, in denen auch Zusammenfassungen, Notizen und verwendete Zitate vermerkt werden (frei zugängliche digitale Quellen können direkt importiert und in der Software bearbeitet werden). Zum anderen lassen sich auch Quellen gruppieren und sortieren und Wissen, Thesen und Gedanken organisieren, vernetzen und entwickeln. Häufig unterstützt zudem ein Publikationsassistent die korrekte Einbindung von Zitaten und Quellen in den Text und bei der Erstellung von Literatur- und Abbildungsverzeichnissen.

3. Eine Gliederung erstellen

Mit Vorliegen der Fragestellung und nach der ersten Recherche ist es nun so weit, eine Gliederung zu entwickeln. Hierbei gilt es einen Blick in die Prüfungsordnung oder die gesonderte Ordnung zum Erstellen der Bachelorarbeit des eigenen Fachbereichs zu werfen, welche Vorgaben dort diesbezüglich gemacht werden. Abseits von den Formalien beginnt aber heute nahezu jede Bachelorarbeit mit einem Abstract, wo für den eiligen Leser so kurz wie möglich die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst werden. Dementsprechend ist das Abstract nach der Einleitung – ja, richtig gehört – das letzte was man schreibt.

Die Einleitung soll den geneigten Leser in die Grundlagen der Thematik einführen und ihn quasi „abholen“. Hier grenzt man das Thema der Bachelorarbeit auf die Fragestellung ein und formuliert das Ziel und die Methode der Arbeit. Die Einleitung ist für den Leser eine Art Leitfaden für das Lesen der vorliegenden Arbeit und verdeutlicht deren Relevanz und Zielsetzung. Da einerseits die an dieser Stelle entworfene Gliederung keinesfalls final ist und während des Schreibprozesses und der Finalisierung der Arbeit durchaus einigen Änderungen und Anpassungen unterworfen ist, und der Autor andererseits die Reichweite und Relevanz der eigenen Arbeit erst nach deren Fertigstellung voll erfassen kann, schreibt man die Einleitung aus dem gleichen Grund wie beim Abstract ganz zum Schluss!

Der Mittelteil der Arbeit und dessen Untergliederung ist das, was der Autor immer individuell und folgerichtig resultierend aus der Fragestellung, der Zielsetzung und der Methodik der Arbeit entwickeln muss. Hier gilt es, die methodische Entwicklung, Erläuterung und Beantwortung der Fragestellung folgerichtig und logisch in Einzelteile zu zerlegen, ohne dabei wichtige Schritte auszulassen oder Redundanzen zu schaffen.

Der Schlussteil einer wissenschaftlichen Arbeit ist dabei im wesentlichen wieder immer gleich aufgebaut: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit nochmals prägnant und vollständig zusammengefasst und dabei deren Validität und Reichweite transparent und kritisch dargestellt. Zudem kann hier noch auf mögliche künftige Anknüpfungspunkte hingewiesen werden.

4. Der Schreibprozess

Nachdem man nun eine Fragestellung und eine Gliederung und bereits die erste Recherche hinter sich hat, kann man sich nun ans Schreiben machen. Dabei macht es Sinn, die einzelnen Kapitel – also alle Quellen, Thesen und Gedanken dazu – zunächst erst mal in Form von Stichpunkten herunter zu schreiben. Aufgrund dieser skizzierten Kapitel betrachtet man nun die sich daraus ergebende Argumentationskette und Struktur und prüft diese und ob man alle aufgestellten Behauptungen auch wissenschaftlich belegen oder begründen kann. Jetzt ist auch der geeignete Zeitpunkt im Zweifelsfall noch mal die Argumentationskette oder die Struktur und daraus resultierend auch unter Umständen die Gliederung zu überarbeiten oder auch gegebenenfalls mehr oder weniger intensiv zu kürzen. Wenn dann die Argumentationskette, Struktur und Gliederung passen, beginnt man die einzelnen Punkte mit ganzen Sätzen auszuformulieren und die Quellen sinnvoll ein zu binden.

Und wie bei jedem Projekt ist auch hier die Regel KISS zwar trivial, aber oh so richtig: Keep it simple and straight! Man sollte sich immer aufs Wesentliche beschränken und immer wieder beim Schreiben prüfen, ob man sich an die bereits festgelegte Gliederung und Struktur hält und sich fragen, was man gerade eigentlich sagen will. Und das schreibt man dann: Kurz, prägnant und möglichst auf den Punkt gebracht, mit so wenig Schnörkeln und Exkursen wie möglich. Nicht nur der Leser (und der Prüfer!) wird es einem danken, sondern es wird auch den eigenen Arbeitsprozess wesentlich entschlacken und entspannen.

5. Ein paar Tipps zum Schluss

Zum Schluss noch ein paar Tipps, die sich immer wieder als goldwert heraus stellen:

  • Man sollte die Fragestellung tatsächlich riesig ausdrucken und sie an seinem Arbeitsplatz direkt vor der eigenen Nase aufhängen und immer wieder drauf schauen! Besonders bei den ersten großen wissenschaftlichen Arbeiten neigt man sehr dazu, irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen und sich auch mal hoffnungslos zu verrennen und die eigene Fragestellung mehr oder weniger aus dem Blick zu verlieren.
  • Ganz wichtig: Man braucht für jede wissenschaftliche Arbeit Korrekturleser, welche die Arbeit vor der Abgabe gründlich und gewissenhaft durchlesen und zuverlässig Rechtschreib- und Grammatikfehler, sowie logische oder wissenschaftliche Brüche finden und diese verständlich notieren. Leider ist nicht jeder dafür geeignet. Eine gute Rechtschreibung und Grammatik und eine wissenschaftliche Ausbildung sind die Mindestvoraussetzungen für einen guten Lektor. Die Kenntnis des Themas wäre ein klares Plus, da so auch Fachkonventionen und Fachtermini besser berücksichtigt werden können.
  • Unbedingt sollte man für die Korrekturleser von vornherein genug Zeit einplanen! Mindestens zwei Wochen, besser drei oder vier. Erfahrungsgemäß sitzen Freunde und Kommilitonen nicht nur herum und warten auf die Bachelorarbeit, vor allem, wenn sie dann doch später kommt als geplant, sondern haben ein eigenes Leben. Stehen einem keine Freunde oder Kommilitonen zur Verfügung, die im passenden Zeitraum für das Korrekturlesen der Bachelorarbeit einige Tage Arbeitszeit opfern können, gibt es auch verschiedene professionelle Anbieter, von denen man seine Arbeit korrigieren lassen kann. Sie bringen den Vorteil mit, dass sie zuverlässig sind und jederzeit professionelle und gewissenhafte Korrekturen anbieten können.
  • Zuletzt darf man auch die Zeit für Druck und Bindung nicht vergessen. So etwas kann, besonders in hektischen Zeiten, schon mal ein paar Tage dauern. 

Zum Schluss bleibt: Pünktlich, am besten einen Tag zu früh, abgeben und das Beste hoffen ;-)