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Hilfe fürs wissenschaftliche Arbeiten: Das ist der richtige Schreibstil für deine Hausarbeit

Kann ich das so schreiben? Wie du den richtigen Stil für deine Hausarbeit findest, erklärt Buchautor Stefan Kühtz

 

Irgendwie hast du als Student zwar ein Gefühl dafür, wie der fertige wissenschaftliche Text klingen soll. Aber wenn dann der eigene Text geschrieben werden muss, fangen die Unsicherheiten an: Kann ich das so ausdrücken? Ist mein Stil zu umgangssprachlich? Welche Formulierungen sind erlaubt?

Die richtige sprachliche Verpackung

Oft ist es nicht der fachliche Inhalt, der das akademische Schreiben zum Problem macht, sondern die Suche nach der richtigen sprachlichen Verpackung. Und genau da kann Vieles schief laufen: Manche Hausarbeiten klingen so blumig wie ein Erlebnisbericht vom letzten Sommerurlaub, andere sind so spröde wie eine Steuererklärung.

Angst als Zeitfresser

Die lähmende Angst, nicht den richtigen Ton zu treffen, ist vor allem eins: ein Zeitfresser! Manche schieben die lästige Schreibarbeit ewig vor sich her und behelfen sich schließlich unter Zeitdruck mit langweiligen Standardsätzen, andere feilen wochenlang an jedem einzelnen Wort und finden kein Ende.

Style follows function

Bevor du in die Schreibfrust-Falle tappst, kann es helfen, wenn du dir erst einmal bewusst machst, welche Funktion dein wissenschaftlicher Text eigentlich erfüllen soll – und welche nicht. Grundsätzlich ist ein wissenschaftlicher Text dazu gedacht, fachspezifische Inhalte oder Erkenntnisse eines Experten für andere Experten des Faches präzise und eindeutig darzulegen, um so einen reibungslosen Informationsaustausch zu gewährleisten.

Fachlicher Sachverhalt im Mittelpunkt

Der Stil muss demnach neutral und sachbezogen sein, denn der fachliche Sachverhalt steht im Mittelpunkt. Unpassend ist dabei alles, was dem Text einen erzählenden oder berichtenden Ton verleiht. In der Regel solltest du also Formulierungen in der Zeitform der Vergangenheit oder in der Ich-Form vermeiden. Definitiv ungeeignet sind zudem alle Wendungen oder Füllwörter, die eher für gesprochene Sprache typisch sind. Deine Hausarbeit sollte sich nicht wie eine Plauderei in der Mensa anhören.

Praktische Tipps

1. Finde das richtige Niveau

Ungünstig ist es immer, wenn der Leser einer Hausarbeit – also die Lehrkraft – sich als Experte nicht ernst genommen fühlt, weil der Text so klingt, als wäre er für ein Grundschulkind geschrieben. Verwende von Anfang an die übliche Fachterminologie und erkläre keine Banalitäten. In einer Hausarbeit über Goethes späte Lyrik musst du beispielsweise nicht erst erläutern, was ein Reim ist. Dieses Fachwissen darfst du getrost voraussetzen. Erklären oder definieren solltest du nur diejenigen Fachbegriffe, die ganz zentral für die Arbeit sind, die verschiedene Definitionen zulassen oder die nicht zum Standardvokabular deines Faches gehören. Im Zweifelsfall: nachfragen!

2. Weg mit den Füllwörtern

Lass alles weg, was Aussagen ungenau macht oder relativiert. Ausdrücke wie ›mehr oder weniger‹, ›ungefähr‹, ›etwa‹, ›im Großen und Ganzen‹, ›halbwegs‹ oder ›irgendwie‹ wirken so, als nähmest du es mit der Präzision nicht so genau. Dieser Eindruck darf auf keinen Fall entstehen!

3.Achte auf Zwischentöne

Bei der Wortwahl solltest du auf die Nebenbedeutungen achten, denn manche Wörter sind nicht wertneutral. So kann zum Beispiel ein Unternehmen – neutral formuliert – die Möglichkeit für eine Expansion wahrnehmen. Wenn du hingegen von einer »Chance zur Expansion« sprichst, bekommt der Sachverhalt die Zusatzbedeutung der ›guten Gelegenheit‹ und dann hast du unterschwellig deine persönliche Bewertung einfließen lassen. Das geht nur dann, wenn klar ist, dass an dieser Stelle im Text auch wirklich eine subjektive Bewertung erfolgen soll. Das kann zum Beispiel durch eine entsprechende Kapitelüberschrift verdeutlicht werden.

4. Bleib sachlich

Der Anspruch auf Neutralität, Sachlichkeit und Präzision schließt logischerweise auch andere kreative Formulierungsweisen aus, die vor allem im essayistischen oder feuilletonistischen Schreiben zu finden sind. Dazu gehören 

  • Ironie und Sarkasmus, 
  • Andeutungen, 
  • kühne Metaphern und Vergleiche sowie 
  • Wort- und Sprachspielereien.

 

Und das ist die gute Nachricht

Beim wissenschaftlichen Formulieren musst du nicht besonders kreativ oder ästhetisch formulieren, sondern vor allem zweckmäßig. Literarische Qualität wird hier nicht erwartet. Manche Schreibregel, die du noch aus der Schule kennst, gilt deshalb auch nicht mehr uneingeschränkt: Du hast bei Deutschaufsätzen gelernt, dass du Wortwiederholungen vermeiden sollst. Beim wissenschaftlichen Schreiben geht das nicht immer, weil es für manchen wissenschaftlichen Sachverhalt eben nur ein bestimmtes Wort gibt, das sich auch nicht durch ein anderes ersetzen lässt, ohne dass es ungenau wird. Schreibst du etwa in Jura eine Hausarbeit über das Erbrecht, dann kann es sein, dass dieses Wort sehr oft im Text auftaucht, weil es kein anderes Wort dafür gibt. Das ist dann sprachlich zwar nicht besonders elegant, aber es ist nicht zu ändern.

Leicht verständliche Satzstrukturen

Und dann ist da noch die Sache mit dem Satzbau: Hartnäckig hält sich der Irrglaube, dass man komplizierte Sachverhalte auch nur in komplizierten Satzkonstruktionen unterbringen kann. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn es inhaltlich kompliziert wird, sollten die Informationen in leicht verständliche Satzstrukturen verpackt werden, damit sich der Leser ganz auf den Inhalt konzentrieren kann und nicht erst den Satzbau entschlüsseln muss. Dabei ist es wichtig, die Sinnbezüge zwischen den Informationen sprachlich zu verdeutlichen. Das geht mit Überleitungen wie ›Daraus ergibt sich …‹ oder Konjunktionen wie ›so dass‹, ›indem‹ oder ›sofern‹. Wenn du dazu neigst, Bandwurmsätze zu produzieren, kannst du dich selber leicht kontrollieren: Sobald ein Satz bei normaler Schriftgröße mehr als drei Zeilen umfasst, solltest du misstrauisch werden. Oft kannst du den Satz dann in mehrere einzelne zerlegen und damit die Verständlichkeit und Lesbarkeit deines Textes deutlich erhöhen.

Kommilitonen als Testleser

Dein Ziel hast du erreicht, wenn dein Text zügig lesbar ist, ohne dass der Leser dabei über sprachliche Widrigkeiten stolpert. Das kannst du testen, indem du Kommilitonen bittest, den Text probehalber zu lesen. Am besten ist es, wenn die Testleser mit dem Thema der Arbeit nur wenig vertraut sind, weil sie sonst in Versuchung geraten, vorwiegend auf den Inhalt zu achten.

Übung macht den Meister

Und zum Schluss: Wissenschaftliches Schreiben ist immer auch Übungssache. Also nicht ärgern, wenn es am Anfang noch etwas länger dauert. Es wird von Mal zu Mal leichter und schneller gelingen, weil du dir im Laufe deines Studiums einen Grundstock an Formulierungen aneignest, die du dann beim nächsten Mal schnell wieder parat hast.

Schachtelsatz des Grauens

»Im Großen und Ganzen ist der Punkt der folgende: Die Interpretation Goethes später Lyrik bedarf Basiskenntnisse des Gesamtwerks, wobei bedacht werden muss, dass im Zusammenhang mit den epochalen Besonderheiten eine intensive Auseinandersetzung mit all jenen weiteren Autoren notwendig ist, die Bezüge und Parallelen zu explizit analysierten Versatzstücken, wie etwa … Na, nur Bahnhof verstanden? So bitte nicht. Weitere Tipps und konkrete Formulierungsvorschläge für deine wissenschaftlichen Arbeiten findest du hier:

Kühtz, Stefan: ›Wissenschaftlich formulieren. Tipps und Textbausteine für Studium und Schule.‹ 4. Auflage. Paderborn: Schöningh 2016, utb-Band 3471.


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