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Schnelles und effizientes Lesen

Nervtötender Zeitdieb mit 18 Buchstaben? Literaturrecherche! Muss doch nicht sein – mit diesen Experten-Tipps wirst du selbst die langweiligsten Bücher in Windeseile durchwälzen und den Inhalt speichern

Effizientes Lesen heißt, dass man nicht alles gleich schnell liest, sondern sowohl Lesetempo als auch Leseintensität bewusst variieren. Dafür bietet sich beispielsweise ein Ablauf an, der als ›PQRST‹ bekannt ist und aus folgenden Arbeitsschritten besteht.

Preview ist die Vorausschau auf den Text zur Einstimmung auf den Leseprozess.

Question: Wer wenig fragt, kriegt wenig Antworten. Am besten liest man nicht einfach munter drauflos, nach dem Motto ›alles ist wichtig‹, sondern man stellt sich Fragen, was man aus dem Text herausziehen möchte, was für das aktuelle Leseziel von Bedeutung ist.

Read: Nicht gleich hinterfragen und Bemerkungen herausschreiben. Das sollte erst im nachfolgenden Schritt passieren. Zunächst geht es darum, die wesentlichen Aussagen des Autors zu verstehen, dann kann man die Einzelgedanken besser einordnen. Beim Lesen Geschwindigkeit je nach Schwierigkeit und Wichtigkeit variieren. Tipp für die schwierigen Texte: lieber zweimal hintereinander zügig und ohne zurückzuspringen lesen als einmal ganz langsam und mit dem Anspruch, alles sofort verstehen zu müssen. Gegebenenfalls gehst du absatzweise vor: Einen Absatz zügig und vollständig lesen (kein Querlesen), damit du ungefähr weißt, worum es geht. Gleich danach nochmal und mehr auf die Details konzentrieren.

Summarize: Den Text zusammenfassen bedeutet, die wichtigsten Stellen zu markieren (nur einen Hauptgedanken pro Absatz). Zur Prüfungsvorbereitung solltest du mehr Zeit investieren, Exzerpte herausschreiben oder eine Mind-Map entwerfen.

Test: Das Testen beginnt schon damit, dass du die Notizen einfach noch einmal anschaust. Es kommt nicht darauf an, möglichst oft zu wiederholen, sondern intelligent: Die erste Wiederholung sollte zeitnah zum ersten Lesen erfolgen, am besten noch am selben Abend – schon 24 Stunden später hat man über die Hälfte wieder vergessen. Von da an können die Abstände zwischen den Wiederholungen immer größer werden. Der beste Weg, sich zu testen, ist übrigens, anderen in eigenen Worten davon zu erzählen. Überhaupt ist es sinnvoll, mit anderen zusammen zu lernen: Der Austausch in der Gruppe erhöht den emotionalen Bezug zum Lernen – und das befördert die Merkfähigkeit.

Vier Sofort-Tipps für effizientes Lesen

Wenn die Gedanken abschweifen: Lies schneller. Kennst du das? Die Augen gleiten über die Seite, aber die Gedanken sind ganz woanders... und am Ende musst du alles nochmal lesen. Eine typische Folge geistiger Unterforderung durch zu langsames Lesen! Wir können Informationen mit bis zu 800 bis 1.000 Wörtern pro Minute verarbeiten, aber die meisten Menschen lesen nur 200 bis 300 Wörter pro Minute: Drei Viertel der Gehirnkapazität sind beim Lesen mit anderen Dingen beschäftigt. Wenn du das nächste Mal unkonzentriert bist, lies einfach bewusst schneller.

Nie ohne ›Vorausschau‹ (Preview) in den Text springen. Mithilfe einer Vorausschau kannst du schnell erkennen, welche Bedeutung ein Text für dich hat: Blättere ihn Seite für Seite durch und lass deine Augen von auffallenden Textstellen einfangen. Verweile nur wenige Sekunden auf jeder Seite, bleib nicht im Text ›kleben‹. Das ist zunächst verwirrend, aber mit der Zeit wirst du überrascht sein, wie viel du vom Inhalt aufnimmst, wenn du nur auf Überschriften, Fettdruck, Aufzählungen, lange beziehungsweise ungewöhnliche Wörter achtest. Wenn dir der Text nach der Vorausschau wichtig erscheint, werden deine Leseziele und deine Fragen klarer und du kannst zügiger und zielorientierter lesen.

Dein Interesse zieht dich nach vorn. Ständiges Zurückspringen blockiert sowohl Tempo als auch Verständnis. Orientiere dich beim Lesen nach vorn und nimm stets einen Sinnabschnitt als Ganzes auf (Kapitel, Absatz). Frühestens dann solltest du einzelne Stellen noch einmal nachlesen oder markieren. Schwierige Texte liest du von vornherein zügig zweimal hintereinander. Bei einem spannenden Roman versinkst du derart im Text, dass du gar nicht auf die Idee kommst, aus Unsicherheit oder Perfektionismus ständig zurückzuspringen. Umgekehrt steigert ein schnelleres Lesetempo das Interesse am Text fast automatisch, weil das Gehirn stärker gefordert wird.

›Chunken‹ statt Wort-für-Wort-Lesen. Als Normalleser springt man meist von einem Wort zum nächsten – das kostet Zeit und behindert das Verständnis, das sich über isolierte Wörter nicht so schnell erschließt. ›Chunken‹ bedeutet, mehrere Wörter gleichzeitig aufzunehmen (engl. ›chunk‹, großer Brocken). Es erfordert weniger Augenstopps (Fixierungen), und du liest mehr nach Bedeutungen, anstatt Symbole ›abzuklappern‹: (über) – (der) – (Stadt) = drei Fixierungen, erst beim dritten Mal ergibt sich die Bedeutung. Besser: (über der Stadt) = eine Fixierung, Bedeutung sofort erfasst.


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