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Studienhilfe: Mit diesen Tipps schreibt sich deine Abschlussarbeit wie von selbst

Schon wieder hinter dem Zeitplan? Halb so schlimm - Autor des Buches ›Der Writing Code‹ Harald Rau erklärt, wie du deine Arbeit in den Griff bekommst

Super, wieder den ganzen Tag mit Prokrastinieren verdödelt. Dabei hast du eigentlich beste Voraussetzungen: eine gute Bibliothek, einen schönen Arbeitsplatz dort sowie einen ruhigen Schreibort zuhause, dazu jede Menge Motivation für das Thema, und deine Freunde und sogar deine Familie unterstützen dich, wo sie können. Trotzdem steht da ein ›eigentlich‹. Die Aufgabe ist dir regelmäßig zu groß, du denkst, wenn du weniger als zwei Stunden Zeit hast, lohnt es sich sowieso gar nicht, dich deinem Großprojekt Abschlussarbeit zuzuwenden. Und die guten Ratschläge kommen dir auch zu den Ohren raus: »Du musst nur alle Ablenkungen abstellen, dann geht das wie von alleine!« Aber: es geht eben nicht. Du bist wie vernagelt, siehst nur, dass du dem Ende nicht näher kommst und mit jedem neuen Tag nimmt der Stress zu. Was also tun?

Alles aufschreiben: Das Denken gliedern

Nicht verzweifeln. Mach’ dir bewusst: Es gibt nichts Wichtigeres als deine Gliederung. Die erstellst du am Anfang, unmittelbar nachdem du dich für ein Thema entschieden hast, von dem du bis dato noch keine große Ahnung hast. Entscheidend ist dabei: Die Gliederung ist nicht fix, sondern wächst, schrumpft, verändert sich, sammelt erst kürzere, dann längere Überschriften, erhält vielleicht mit der Zeit eine weitere Gliederungsebene. Und im Idealfall gliedert sie dein Denken. Ein wichtiger Helfer, wenn du beinahe täglich – zumindest sehr regelmäßig bei großen Schreibprojekten – einfach nicht am Ball bleiben kannst.

Der zweite Tipp: Schreib’ anfangs alles auf. Wirklich alles – Zitate, die dir begegnen, Hinweise von Freunden und Kommilitonen sowie Ideen und Verweise auf andere Literaturstellen.

Nicht vergessen: Rohfassungen sind unfertig

Keine Angst: Es darf unfertig sein. Wichtig ist nur, dass es aufgeschrieben wird. Häufig erinnerst du dich nämlich im Nachhinein an eine gute Idee, einen Vorschlag, einen Tipp – hast ihn dann aber nicht mehr exakt präsent. Wenn es im Dokument festgehalten wird, findest du die Inhalte mittels Suchfunktion schnell wieder.

Der eigentliche Trick dabei ist aber, alle Stichpunkte gleich an der richtigen Stelle in der Arbeit einzubinden. So sind deine Hinweise schon im entsprechenden Kapitel, im passenden Abschnitt und möglicherweise sogar einem expliziten Unterabschnitt zugeordnet. Essentiell ist, dass du sofort und unmittelbar deine Quellen erfasst. Auf diese Weise baust du dir Stück für Stück ein solides Gerüst in Form einer Stoffsammlung auf. Zur Schreibblockade wird es dabei kaum kommen, denn im eigentlichen Sinne schreibst du ja nicht, sondern du sammelst und ordnest. Dein Dokument mag nun zwar vielleicht noch etwas chaotisch anmuten, ist aber zum jetzigen Zeitpunkt vielmehr als Rechercheprotokoll zu verstehen. Auf Stil und Schönschreiben musst du erst einmal noch nicht achten.

Simpel aber wirkungsvoll: Die Gliederungsansicht

Insgesamt darfst du bei alledem mutig bleiben: Es ist völlig ok, im Arbeitsverlauf sehr großzügig einzelne Abschnitte und Elemente zu verschieben, wenn du mit der Zeit erkennst, dass sich ein Gedankengang viel besser einem anderen Kapitel zuzuordnen lässt. Um dabei nicht die Übersicht zu verlieren, hilft es, in der Gliederungsansicht – einer bestimmten Ansichtseinstellung im Textverarbeitungsprogramm – zu arbeiten. Der Grund? Du kannst in der Gliederungsansicht jedes Kapitel oder Unterkapitel einzeln öffnen und ansonsten nur die erste, zweite, dritte oder vierte Überschriftenebene einblenden. Total simpel – aber unglaublich wirksam.

Gewohnheiten? Einfach auf den Kopf stellen

Und noch ein Tipp – aber Vorsicht, hierfür musst du mit deinen Gewohnheiten brechen: Schreibe deine Arbeit nicht von von vorne nach hinten – also eine Seite nach der anderen –, sondern von unten nach oben – beginnend mit der untersten Gliederungsebene. Du zweifelst? Anfangs muss man sich immer wieder neu dazu verpflichten, hat man die Methode jedoch einmal verinnerlicht, dann läuft es. Klar, denn du hast in der voher beschriebenen Arbeitsweise eine super Stoffsammlung angelegt – und die will jetzt noch einmal zielgerichtet geordnet werden. Das geht am besten, wenn du auf der untersten Gliederungsebene anfängst und dich nach und nach weiter nach oben tastest. Der Vorteil dabei: Du kannst auf der höchsten Ebene so genannte ›Leuchttürme‹ einfügen. Das sind elegante Überleitungen zwischen den Kapiteln, die jeweils in alle Richtungen das Feld deiner Arbeit ausleuchten.

Zusammengefasst liegt der wesentliche Schritt zum Erfolg darin, frühzeitig zu gliedern, dies in der richtigen Einstellung der Software und mit Formatvorlagen zu tun und am Ende von unten nach Oben bezogen auf die Gliederungsebenen zu schreiben. Lediglich am Anfang ist das etwas anstrengend. Wenn du dich einmal umgestellt hast, geht die Arbeit gefühlt wirklich leichter von der Hand!

Do it. Now

Aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt heißt Prokrastinieren ›auf morgen verlegen‹. Schätzungen zufolge schieben 70 Prozent aller Studierenden ihre Arbeit phasenweise auf, bei 25 Prozent handelt es sich um chronische Aufschieber. ›Der ›Writing Code‹. Bessere Abschlussarbeiten in kürzerer Zeit‹, von Harald Rau hilft, das Übel bei der Wurzel zu packen und das Schreckgespenst Abschlussarbeit hinter sich zu bringen.

Erschienen im UTB Verlag. Printausgabe: 24,99 Euro, Online-Zugang: 19,99 Euro.

Der Blog zum Buch: blog.utb.de/category/writingcode/


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