Comic: Mann trinkt Tee, um ihn rum Telefonzelle, Melone (Hut), Schnauzer und Fish&Chips

Wissenschaftliche Arbeit auf Englisch Schreiben

»All start is heavy!« Wie gelingt es, wissenschaftliche Texte auf Englisch zu verfassen? Unsere Expertin verrät Tipps für das souveräne Schreiben von Hausarbeiten, Seminararbeiten, Projektarbeiten etc.

  • Ein spannendes Seminar wird an deiner Uni angeboten, aber es ist auf Englisch. Belegst du es?
  • Du könntest ein Auslandssemester machen, musst aber alle Hausarbeiten auf Englisch schreiben. Traust du dir das zu?
  • Du bist Mitten in der Promotion und gestaltest dein erstes Projektposter – auf Englisch. Was musst du beachten?

Diese sieben Tipps helfen dir, wissenschaftliche Texte erfolgreich auf Englisch zu verfassen – und ›typisch deutsche‹ Konstruktionen zu vermeiden.

Schreiben auf Englisch - Grammatik

Wissenschaftlichen Arbeit: Mit Verben sprechen

Die deutsche Sprache liebt den Nominalstil. Es geht um ›Zielerreichung‹, ›Leistungserbringung‹ oder ›Gewinnmaximierung‹. Der englischen Sprache liegt eher das Verb, die Tätigkeitswörter, am Herzen. It’s about ›attaining goals‹, ›providing services‹ and ›maximising profits‹.

Verben machen deinen Text dynamischer und sind einfacher zu lesen – was entgegen einiger Meinungen bei wissenschaftlichen Texten doch von Vorteil ist.

Wissenschaftliche Arbeit: Im Aktiv schreiben

Dynamisch wirkt auch ein aktiver Schreibstil. Falls du in der Schule gelernt hast, wissenschaftliches Schreiben solle das Passiv verwenden, lösche diese Erinnerung aus deinem Gedächtnis. Englische Texte sind so aktiv wie möglich.

Ein Tipp, um das Passiv zu vermeiden, ist deinen Text zum handelnden Akteur zu machen: ›This paper aims to…‹,›This essay challenges…‹, und mein Lieblingsverb für die Geistes- und Sozialwissenschaften: ›This study explores…‹. Aktiv sind auch deine Ergebnisse: ›Our results illustrate…‹, ›The findings demonstrate…‹, ›Our study suggests…‹.

Richtlinien für wissenschaftliche Arbeiten auf Englisch

Englisch kurz und knapp: Das KISS Prinzip

Keep It Short and Simple (KISS) könnte man als Post-It am Bildschirm anheften. Vor allem in naturwissenschaftlichen Texten sind die Sätze kurz und knackig. Sie enthalten zwar viele Fachbegriffe und Fremdwörter, aber die Struktur ist einfach. Sie vermeiden blumige und poetische Sprache. Als Faustregel für die Geistes- und Sozialwissenschaften gilt: je mehr Fremdwörter im Satz, desto einfacher sollte die Satzstruktur sein.

Es ist kein Zeichen von schlechtem Englisch, klare und schlichte Sätze zu schreiben, sondern ein Zeichen, dass du deiner Leserschaft das Lesen erleichtern möchtest. Klarheit zeigt, dass du das Thema verstehst. Es zeigt auch, dass du dich bemühst, deine These verständlich und überzeugend zu vermitteln.

Der Einstieg auf Englisch: Spannende Einleitung

Warum ist das Thema deiner Arbeit wichtig? Erzähle das den Lesenden ganz explizit. Wir bekämpfen die Unterernährung nicht nur, sondern ›We are in a race against time to eradicate the global scourge of undernutrition‹. Nicht nur ist die Terrakotta-Armee in China das Thema deiner archäologischen Arbeit, sondern sie ist ›one of the most emblematic archaeological sites in the world‹.

Wissenschaftliche Arbeit auf Englisch verfassen: Der Absatract

Die Textsorte, die im Studium am häufigsten geschrieben wird, ist der Abstract. Was gehört da rein?
Welche Elemente deiner Arbeit sind die wichtigsten für diese Zusammenfassung?

Versuche sie an fünf Finger abzuzählen.

  1. Daumen: Thema. Was ist das Oberthema der Arbeit? Warum ist das jetzt wichtig?
  2. Zeigefinger: Fokus. Welchen Aspekt dieses Themas greifst du in diesem Text auf? Was ist deine Forschungsfrage?
  3. Mittelfinger: Methode. Was hast du gemacht? Bei theoretischen Arbeiten: Welche Theorien waren wichtig?
  4. Ringfinger: Ergebnisse. Was sind die zentralen Erkenntnisse?
  5. Kleiner Finger: So what? Was bedeuten die Ergebnissen? Welche Schlussfolgerungen ziehst du? Welche breitere Relevanz haben sie?

Beschreibst du diese fünf Elemente (ein Satz pro Finger), hast du schon deinen Abstract.

Schreiben auf Englisch: Gender-neutral

Im Deutschen ist es noch üblich von ›Studenten‹, ›Professoren‹ oder ›Akademiker‹ zu sprechen. Die männliche Form soll dabei alle Personen miteinschließen. Im Englischen dagegen ist das eine Todsünde! Ein Satz wie ›A child’s ability to learn depends on his…‹ klingt, als käme der Text aus den 1960ern. Zum Glück hat Englisch eine schöne Lösung, die im Deutschen nicht möglich ist: they. ›Childrens’ ability to learn depends on their…‹

Da die Pluralform gender-neutral ist, kannst du sie fast immer bei allgemeineren Aussagen verwenden. Auch nützlich: Schreib lieber ›humanity‹ statt ›mankind›, ›chairperson‹ statt ›chairman‹ und ›members of Congress‹ statt ›Congressmen‹. Oder verwende das ›singular they‹. Schon in Vanity Fair hat Thackarey ›they‹ für eine Person verwendet: ›A person can’t help their birth.‹

Tipp zum Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten auf Englisch: Lies andere wissenschaftliche Arbeiten!

  • Wie schreiben die Profis in deinem Fachgebiet?
  • Wie formulieren sie in fachspezifischen Textsorten wie Essays, empirischen Hausarbeiten, Fallstudien, ›thought papers‹, Laborberichten, Postern oder Exposés?

Übung in einer gezielten Form des Lesens (reading-for-genre) ermöglicht es dir, die Sprache deines Gebiets zu erschließen und sie souverän in den für dich relevanten Textsorten einsetzen zu können. Du bis es gewöhnt, wegen den Inhalten zu lesen.

Hier geht es darum, Texte für ihren fachspezifischen Schreibstil und ihre Fachformulierungen zu sichten. Wenn du zum Beispiel ein Exposé für deine Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation erstellen sollst, suche online nach authentischen Exposés in deinem Fachgebiet.

Bitte befreundete Studierende oder deine Profs, dir alte (erfolgreiche!) Exposés zur Verfügung zu stellen. Wähle drei die dir gefallen.

  • Wie sind sie aufgebaut?
  • Schau nach strukturellen Elementen wie Umfang, Abschnitte, Zitierweise. Aber schau auch nach Formulierungen: Wie aktiv sind die Texte geschrieben?
  • Kannst du von ›beweisen‹ sprechen, wie in der Mathematik, oder verwendet dein Gebiet eher vorsichtige Formulierungen wie ›suggests‹, ›indicates‹ oder ›could possibly‹.
  • Gibt es Formulierungsbausteine, die für dein Exposé hilfreich sein könnten, zum Beispiel bei der Forschungsfrage ›The chief questions I will investigate are…‹, ›By examining [X], this study aims to provide answers to [Y]‹?

Hier geht es darum, aufzuspüren wie wissenschaftliches Englisch tatsächlich bei erfolgreichen Texten angewandt wird. Wer so vorgeht, erleichtert das eigene Schreiben.


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