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Wissenschaftliche Arbeiten richtig bebildern

Bilder prägen in wissenschaftlichen Arbeiten den ersten Eindruck: Bleiwüsten sind öde, Visualisierungen sexy!

Wenn du ein Buch oder eine schriftliche Arbeit zur Hand nimmst und darin herumblätterst, um dir einen Überblick zu verschaffen: Was fällt zuerst ins Auge? Natürlich die Bilder! Fotos, Diagramme, Charts sind Blickfänger. Jede wissenschaftliche Arbeit gewinnt durch eine interessante und didaktisch durchdachte Bebilderung.

Die visuelle Kommunikation hat in den letzten Jahren eine deutliche Aufwertung erfahren. Waren früher Bilder eher Textdekoration, hat man jetzt ihre didaktischen Funktionen in der Wissensvermittlung erkannt. Wir denken nämlich nicht nur abstrakt in Begriffen, sondern auch anschaulich in Vorstellungen. In der Lern- und unterrichtspsychologie gibt es unzählige untersuchungen, die dem Bild einen Mehrwert gegenüber dem Text bescheinigen. Bilder können Informationen über anschauliche Merkmale und räumliche Zuordnungen besser vermitteln als jeder Text. Bilder ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und werden gut im visuellen Gedächtnis behalten.

Karten, Zeichnungen und Diagramme werten deine wissenschaftliche Arbeit auf!

In den Naturwissenschaften sind Bilder in der Wissensvermittlung unverzichtbar: Karten in der Geographie, Fotos in der Biologie, anatomische Zeichnungen in der Medizin, Diagramme in der Mathematik, technische Zeichnungen in den Ingenieurwissenschaften. ursprünglich dienten Bilder vorwiegend zum Zeigen von Objekten, während die Theorien rein sprachlich oder in abstrakten Formeln formuliert wurden. Inzwischen haben Bilder in verschiedenen Disziplinen eine Erkenntnis schaffende Funktion und dienen als visuelle Argumente, zum Beispiel computertomografische Aufnahmen in der Medizin, radioastronomische Bilder in der Astronomie, Luftbildfotos in der Archäologie, elektronenmikroskopische Aufnahmen in der Biologie. In den Naturwissenschaften wurden unzählige visuelle Konventionen erfunden, um die Kommunikation zu erleichtern. Dazu gehören die Explosionszeichnung aus der TechTechnik oder das Aufschnittbild aus der Anatomie. Auch das cartesische Achsenkreuz oder die Säulen und Balken in Diagrammen sind visuelle Konventionen, die wir erst lernen müssen.

Eher bildscheu sind die Geisteswissenschaften. Hier ist die treffende sprachliche Formulierung wichtig und Bilder dienen – etwa als Beiwerk in Geschichtsbüchern oder literaturwissenschaftlichen Werken – vorwiegend der Illustration. Geisteswissenschaftler stehen der Verwendung von Bildern eher reserviert gegenüber, weil sie eine Ablenkung von der Sprache und dem begrifflichen Denken befürchten. Reine Bleiwüsten findet man daher fast nur noch in geisteswissenschaftlichen Publikationen, wo weder Daten anschaulich aufbereitet werden, noch Abbilder als Realitätsersatz dienen müssen. Aber auch hier hat ein umdenken begonnen: Gemälde oder Fotos werden in der Geschichtswissenschaft als historische Dokumente ausgewertet. Sogar in den Literaturwissenschaften findet man zunehmend Visualisierungen, beispielsweise Zeitcharts, welche die Lebensdaten eines Autors an einem Zeitstrahl antragen.

Auf die Qualität kommt es bei den Bilder an!

Seit der elektronischen Text- und Bildverarbeitung wird von jedem Autor selbstverständlich erwartet, dass er die Bilder in ausreichender Qualität entweder selbst erstellt oder beschafft und in das Manuskript einbindet.Während an Ratgebern für das Visualisieren mit elektronischen Folien kein Mangel besteht, findet man zur Bebilderung von Seminar-, Bachelor-, Masterarbeiten und Dissertationen nur verstreute Hinweise. Meist liest man dort, dass die Bilder informativ, prägnant und übersichtlich sein sollen. Aber was heißt das konkret, was macht ein effektives Bild aus? In einem Satz verdichtet: Ein gutes wissenschaftliches Bild fördert das Verstehen und mutet den Betrachtenden dabei keine unnötigen Verarbeitungsprozesse zu.


Das Buch zum Text heißt "Richtig Visualisieren" und ist im UTB-Verlag erschienen. Auf 184 Seiten gibt's neben Text natürlich auch zahlreiche Abbildungen. Das Buch ist Teil der Reihe "Studieren, aber richtig" und von Steffen-Peter Ballstaedt geschrieben. Kostenpunkt: 17,90


Wer Bilder selbst herstellt, zum Beispiel Fotos, Diagramme oder Charts, der sollte Richtlinien für eine effektive Gestaltung berücksichtigen, die auf wahrnehmungs- und instruktionspsychologischen Befunden beruhen. So sind beispielsweise die Gestaltgesetze der Wahrnehmung wichtig, weil sonst Charts und Diagramme zu komplex und unübersichtlich werden.

Ein Beispiel: Ein Diagramm lässt sich mit einem Mausklick aus einer Tabelle erstellen, aber welcher Typ von Diagramm ist für die jeweilige Botschaft am besten geeignet? Die Diagramme der Visualisierungstools sollte man zudem sorgfältig überarbeiten, damit die Skalen und Beschriftungen lesbar sind und die Farben stimmen.

Die beliebten 3D-Diagrammme sehen zwar hübsch aus, erschweren aber das Ablesen von Daten und sind deshalb für eine seriöse Wissensvermittlung nicht geeignet.Man kann auch auf vorhandene Bilder zurückgreifen, das heißt Bilder einscannen oder aus dem Web holen.

Scannen: Richtig machen!

Auch das Scannen analoger Bilder muss gelernt sein: Wenn gescannte Bilder in einen Text eingebunden und später ausgedruckt werden, dann spielt die Druckerauflösung die entscheidende Rolle. Vorlagen mit feinen Linien brauchen beim Scannen eine hohe Auflösung – gewöhnlich 1.200 dpi –, bei Graustufen oder Farben kommt man dagegen mit 300 dpi aus. Auch die endgültige Bildgröße muss beachtet werden: Wird das Bild im Text vergrößert, braucht man eine hohe, wird es verkleinert, reicht eine niedrige Auflösung.

Es macht wenig Sinn, gigantische Bilddateien zu produzieren, mit denen dann dieTextbearbeitung sehr zäh abläuft. Bilder im Web findet man über Bildsuchmaschinen oder gezielt über Bildarchive für einzelne Disziplinen wie Medizin, Biologie oder Geographie. Schließlich muss ein Bild noch in den Text eingebettet werden. Rein technisch ist das meist kein Problem, aber die inhaltliche Verbindung von Text und Bild ist wichtig.

Der Text sollte auf das Bild verweisen, indem zum Beispiel konkrete Sehanleitungen formuliert sind, damit das Bild auch im Sinne des Autors ausgewertet wird. Bilder werden sonst nur flüchtig angeschaut und ihr didaktisches Potenzial wird verschenkt. Eine wirksame Methode, um Lesende zu einer intensiven Auswertung des Bildes zu verführen, sind Leerstellen im Text, die durch das Bild ausgefüllt werden. Bei einem Satz wie ›Die Lenkschnecke hat eine besondere Form (s. Abbildung), um die Drehung in eine Schwenkbewegung zu übertragen‹, schaut man sofort ins Bild, um sich die ›besondere Form‹ der Schnecke anzuschauen. Bewusst gestaltet, ist eine Text-Bild-Kombinationen ein didaktisches Traumpaar: Sprache dient vor allem zum Begründen und Argumentieren, Bilder sind zum Zeigen und Veranschaulichen nützlich.

Auch für unser Gehirn ist eine Kombination von Text und Bild eine abwechslungsreiche geistige Nahrung, denn wir denken eben nicht nur in Begriffen, sondern auch in visuellen Vorstellungen. Durch Bilder wird das Lehren und Lernen effektiver. Wissenschaftliche Arbeiten werden durch Bilder interessanter und verständlicher und damit auch für die Adressaten attraktiver. Bebildern und Visualisieren gehört heute zu den Kompetenzen, die man von Studierenden und Wissenschaftlern erwartet. Also mehr Mut zu guten wissenschaftlichen Bildern!


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