Überblick: Bachelor-Abschluss und Bachelorstudium

Mit Vollgas ins Studium: Das dreijährige Bachelorstudium bringt dich flott zu deinem ersten akademischen Grad. Lies hier alles Wichtige, damit du unterwegs nicht auf der Strecke bleibst.

Was ist ein Bachelor-Abschluss?

»Was haben Sie? Den Bätscheler? Na, hoffentlich stecken Sie uns nicht an!«

Das befürchtet der Firmenchef beim Vorstellungsgespräch mit einem Bachelorabsolventen. Zum Glück nur in einem Bilderwitz, der in unserer Redaktion am Kühlschrank klebt. Denn inzwischen sollte der Bachelor als europäischer Hochschulabschluss bekannt sein und nicht etwa mit einer Virusinfektion oder einer sehr seltenen, aussterbenden Käferspezies verwechselt werden. Wieso aber haben eigentlich der Magister und das Diplom als akademischer Grad ausgedient?

Uni Bolognese: Bologna-Prozess

In der norditalienischen Metropole Bologna, aus der übrigens die Tortellini stammen, versammelten sich vor gut zehn Jahren Vertreter aus 29 europäischen Staaten und unterzeichneten eine nach ihrem Tagungsort benannte Erklärung. Darin sprachen sie sich dafür aus, innerhalb der europäischen Hochschullandschaft vergleichbare Abschlüsse zu schaffen – für die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Förderung von Mobilität, denn wenn Studis ihre Leistungen an anderen Unis anerkennen lassen können, fällt ein Wechsel umso leichter. Außerdem geht auf den Bolognaprozess das neue dreistufige Studiensystem zurück:


Bachelor 

Erst kommt der Bachelor, der sechs bis acht Semester dauert und schon ein ordentlicher Abschluss ist, der zum Eintritt in die Arbeitswelt befähigt.


Master

Darauf folgt wahlweise ein ein- oder zweijähriger Master, der obligatorisch ist für alle, die wissenschaftlich arbeiten oder ihre Fachkenntnisse vertiefen möchten.


Doktor-Grad

Für alle besonders Studierwütigen gibt’s natürlich nach wie vor die Möglichkeit, noch eine Doktorarbeit zu schreiben.


Auch an der inhaltlichen Struktur hat sich etwas verändert. Für alle Studienleistungen, wie Referate oder Klausuren, bekommst du Leistungspunkte bzw. ›Credit Points‹. Von diesen sammelst du ab dem ersten Semester bis zum Bachelorabschluss mindestens 180 Stück und – aufgepasst! – jede Leistung zählt. Genauso wie in der Oberstufe fließt alles in die Endnote ein.

So weit, so gut

Ein ehrgeiziges Ziel hatten die Bolognavertreter sich da gesetzt: 2010 sollten alle beschlossenen Änderungen umgesetzt sein. Bis heute sind allerdings erst 80 Prozent des Studienangebots umgebaut. In Jura, Lehramt und Medizin, den drei großen Fachbereichen, die traditionell mit einem Staatsexamen abschließen, herrscht noch keine Einigkeit, wie sie auf die neue Studienordnung zu münzen seien.

In gewissen Studiengängen ist für einen Berufseinstieg nach wie vor ein höherer Abschluss gefordert. In der sehr forschungsorientierten Chemie zum Beispiel muss vor dem Jobstart meistens sogar eine Doktorarbeit stehen. Bei der in der Bologna-Erklärung geforderten Anerkennung von Studienleistungen an in- und ausländischen Hochschulen hakt’s ebenfalls noch etwas. Lass dich von diesen Startschwierigkeiten aber nicht einschüchtern! Du kannst selbstverständlich nach wie vor alle Fächer deines Interesses studieren. Bei diesem Angebot findet garantiert jeder seine Nische: 6.047 Bachelor- und 5.502 Masterstudiengänge bieten laut der Hochschulrektorenkonferenz deutsche Hochschulen derzeit an ...

Bachelorstudiengänge: Da gäb’s was ganz spezielles ...

Du hast also die Qual der Wahl. Das alles hat durchaus auch Vorteile. Denn wenn dich wirtschaftliche Aspekte zum Gähnen bringen, ein Ingenieursstudium dank deiner zwei linken Daumen nicht möglich ist oder der Anblick von Blut bei dir nicht das Helfersyndrom, sondern eher Brechreiz auslöst, dann ist das trotzdem kein Grund zur Verzweiflung. Denn mittlerweile gibt es immens viele sogenannte ›Orchideenfächer‹, also Studiengänge, die sehr spezialisiert sind. So bietet die ›Andrea Kutsch Akademie‹ in Bad Saarow zum Beispiel den Bachelorstudiengang ›Pferdekommunikation, Reit- und Trainingslehre‹ an. Tiere sind auch nicht so dein Ding? Aber ein Leben ohne Musik ist in deinen Augen trostlos? Voilà: Wir empfehlen den Studiengang ›Musikmanagement‹ an der Saar-Uni. Begeisterst du dich für westslawische Minderheiten, wartet ›Sorabistik‹ an der Uni Leipzig auf dich. Die Vielfalt ist wahrlich groß, und für jeden ist etwas dabei. Vielleicht machst du jetzt einen Luftsprung, weil du endlich eine Nische für dich gefunden hast – vielleicht zweifelst du aber auch gleichzeitig an einem erfolgreichen Berufseinstieg, weil dein Traumstudium doch zu speziell ist und zukünftige Arbeitgeber damit nichts anfangen können.

»Mobilität ist ein Ziel des Bologna-Prozesses und es gehört zur globalen Wissensgesellschaft dazu, Studienleistungen wechselseitig anzuerkennen.« - Bildungsministerin Annette Schavan

Diploma Supplement

Damit das neue Hochschulsystem auch für den Arbeitsmarkt eindeutig ist, wurde das ›Diploma Supplement‹ eingeführt, das insbesondere bei spezialisierten Studiengängen eine wichtige Rolle spielt.

»Dieses Dokument soll die Studieninhalte für potenzielle Arbeitgeber transparent machen. Hier kann sowohl das Spezielle als auch das Allgemeine aus Sicht des Arbeitgebers herausstechen. Diese Informationen sind daher durchaus hilfreich bei der Bewerberwahl«, erklärt Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Da die Hochschulreform noch relativ jung ist, ist es bis jetzt nicht möglich, konkrete Zahlen zum Berufseinstieg von Absolventen von spezifizierten Fächern zu nennen. Der Arbeitsmarkt unterliegt einem Wandel. Dazu heißt es aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, dass Globalisierung und technischer Wandel dazu beitragen, dass die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt immer differenzierter werden und sich auch schneller ändern. Dort, wo sich etwas wandelt, entstehen auch neue Aufgaben. Auch wenn es über stark spezialisierte Studiengänge Diskussionen an den Hochschulen gibt, ist man im Ministerium der Überzeugung, dass sie, wenn sie auf den passenden Beruf treffen und auch in anderen Bereichen Kompetenzen vermittelt haben, ebenfalls sehr erfolgreich sein können. Speziell oder nicht – wähle dein Studienfach nach deinen Fähigkeiten und Interessen. Und trau dich ruhig, speziell zu sein. Schließlich gibt es nach dem Bachelor immer noch die Möglichkeit, mit einem Master etwas breiter gefächert weiterzumachen.

Bachelor und dann...?

Du hast es geschafft – du hast den Bachelor, deinen ersten akademischen Grad, der Ausgangspunkt für deinen weiteren Weg. Mittlerweile ist der Bachelor auch bei den Unternehmen angekommen und du musst in der Regel keine Angst haben, nach dem Studium auf längere Sicht ohne Job dazustehen. Der eine sucht länger als der andere, aber das war bei den alten Abschlüssen auch schon so – also keine Panik. Über 6.000 Bachelorstudiengänge und 5.500 Masterprogramme stehen dir inzwischen zur Auswahl. 2004 waren’s in Deutschland erst 951 Bachelor- und 1.173 Masterstudienrichtungen.

Falls du nach ein paar Berufsjahren doch wieder an die Hochschule möchtest, kannst du immer noch ein Masterstudium anschließen. Den Master kannst du aber auch gleich direkt an den Bachelor knüpfen. Hier gibt es die Möglichkeit, mit einem konsekutiven, sprich einem auf den Bachelor inhaltlich aufbauenden Masterstudiengang fortzufahren, um dein Fachwissen zu vertiefen. Es gibt aber auch nicht-konsekutive Studiengänge, also ein inhaltlich zum Bachelor abweichendes Studium. Du fragst dich gerade, ob dieser Master für breitgefächertes Wissen oder doch eher für flachgetretenes Halbwissen sorgt? »Weder – noch«, meint Peter Schott, Leiter der Zentralen Studienberatung an der Uni Münster.

»Wenn man beispielsweise im Anschluss an einen naturwissenschaftlichen Bachelor einen Masterstudiengang Wissenschaftsjournalismus macht, so kann dies äußerst sinnvoll sein. Das bietet sich zum Beispiel für Studenten an, die später als Wissenschaftsjournalisten arbeiten wollen.«

Regelstudienzeit: Bachelor und Master

Das Bachelorstudium nimmt 6 Semester - also drei Jahre in Anspruch. Die Regelstudienzeit von einem kombinierten Bachelor- und Masterstudium beträgt, unabhängig davon, für welchen Master du dich entscheidest, fünf Jahre.

Berufsbegleitendes Masterstudium

Wenn du weder auf ein weiterführendes Studium noch auf deine Arbeitsstelle verzichten magst oder kannst, bietet sich der berufsbegleitende Master an. Dabei handelt es sich um einen konsekutiven Studiengang, der eine einjährige Berufserfahrung zur Voraussetzung hat und an berufliche Erfahrungen anknüpft. Dieser ist im Gegensatz zu den Vollzeit-Mastern (meist 500 Euro pro Semester) mit erheblichen Kosten (bis zu 25.000 Euro) verbunden. Manche Unternehmen sponsern ihre Mitarbeiter bei der Weiterbildung. Die Höhe der Studiengebühren hängt ebenso oft von den jeweiligen Hochschulen ab wie die Zulassungskriterien für ein Masterprogramm. Es ist also sehr wichtig, dass du sorgfältige Recherchearbeit betreibst, die jeweiligen Studieninhalte vergleichst und die Anforderungsprofile der Hochschulen genau checkst. Letztendlich entscheiden aber die Uni oder die Fachhochschule selbst, wen sie in ihr Programm aufnehmen.


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