Hörsaal mit vielen Studenten

Ist die Uni das Richtige für dich?

Irgendwie ist das ja alles Hochschule, im Detail aber eben doch verschieden. Wir erklären dir, was auf dich zukommt, wenn du dich für die Universität entscheidest.

Was soll ich studieren? Massenveranstaltung ohne Druck? Oder Spielplatz der Denker-Elite Deutschlands? Wie musst du ticken, um dich an der Uni wohlzufühlen? Es gibt ein paar grundlegende Dinge zum Studium an der Uni, die du unbedingt wissen solltest, bevor du beim Immatrikulationsamt auf der Matte stehst. Die haben wir im Folgenden für dich zusammengetragen.


Stichwort ›Bologna‹

Die deutschen Universitäten befinden sich momentan noch im Umbau. Dieser Umbau heißt ›Bologna-Prozess‹ und besagt, dass nach und nach alle Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt werden. Im Moment regiert an den Hochschulen der Mix – die wenigsten Studiengänge werden aber noch auf die ›alten‹ Abschlüsse Magister oder Diplom studiert.

Überwiegend ist das Studienangebot bereits umgestellt, hat also den Bachelor als ersten Abschluss. Bis 2020 soll dieser Umbauprozess endgültig abgeschlossen sein. Für dich heißt das: Informieren, welcher Abschluss was bedeutet, und dann entscheiden. Damit das ein wenig leichter geht, haben wir dir auf den vorangegangenen Seiten einige Infos zum Thema Abschlüsse, Grundinhalte und allem, was du sonst noch zum Bachelor wissen musst, zusammengestellt.

"Die Reform bietet große Gestaltungsmöglichkeiten. Das Studienangebot ist heute viel breiter gefächert als noch vor einigen Jahren. Diese Auswahl zu haben ist ein großer Vorteil für die Studierenden, stellt aber auch höhere Anforderungen bei der Studienentscheidung." Prof. Dr. Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz


Die Wissenschaft an der Uni

An der Uni – anders als etwa an der FH – lernst du wissenschaftliches Arbeiten, egal auf welchen Abschluss du studierst. Du eignest dir mit der Zeit ein bestimmtes Wissen, Fakten oder wissenschaftliche Ergebnisse an. Dieses Wissen dient dir als Grundlage, bestimmte Zusammenhänge zu hinterfragen und neue Zusammenhänge zu entwickeln. Du brauchst hierzu vor allem Freude an dieser Form von Gedankenspielen, Liebe zur Theorie, zum Detail sowie Hingabe an eine bestimmte Sache.

Der Vorteil der Uni im Vergleich zur Schule: Hier gilt der Ansatz, dem Freud zu verdanken hat, dass seine Theorie der Psychoanalyse noch zeitgemäß ist. Denn eine Theorie gilt, solange sie noch nicht widerlegt wurde. Interpretationshilfen pauken und deren Antworten auswendig lernen ist also nicht mehr nötig. Du musst nur dafür sorgen, dass eine von dir aufgestellte Theorie nicht zu widerlegen ist – und vor allem darfst du ihr nachgehen.


Selbstständigkeit ist ein Muss an der Uni

Dir muss klar sein, dass du mit der freien Art des Lernens erst zurechtkommen musst. Denn wo dich heute Lehrer noch abfragen, Entschuldigungszettel verlangen oder Tests schreiben, kümmert sich an der Uni keiner mehr wirklich darum, ob du nun was gemacht hast oder nicht. Niemand bringt dir bei, wie du dich organisieren sollst, worauf es beim wissenschaftlichen Lesen, Schreiben und Arbeiten ankommt oder wie du die richtige Literatur für dein Referat findest.

Weil viele Studis aber gerade am Anfang damit Probleme haben, gibt es mittlerweile an vielen Unis entsprechende Kompaktkurse, oft organisiert von Fachschaften oder den psychologischen Beratungsstellen. Die solltest du ruhig wahrnehmen, den Rest bringst du dir im Laufe deines Studiums selbst bei. Obwohl es am Anfang nicht einfach erscheint, wirst du sehen: Es kann funktionieren.


Studium ist gleich Studium?

Ist es egal, ob du dich in Dresden oder Düsseldorf für ein Fach einschreibst? Nein. Die Themen der Lehrveranstaltungen unterscheiden sich bei vielen, wenn auch nicht allen Studiengängen von Stadt zu Stadt.
Will heißen: Wenn du in München ›Neuere deutsche Literatur‹ studierst, wirst du dabei nicht das gleiche Angebot an Lehrveranstaltungen finden wie in Tübingen oder Trier.
Deshalb: Hast du dich für ein bestimmtes Fach entschieden, solltest du die Vorlesungsverzeichnisse der angepeilten Hochschulen daraufhin abchecken, ob dich das Lehrangebot anspricht.


Auswahlverfahren an den Unis

Generell gibt es drei Wege, über die du deinen Studienplatz bekommst.

Die erste Möglichkeit: Der von dir favorisierte Studiengang ist frei zugänglich. Dann genügt dein Abiturzeugnis und der Studienplatz ist dir gewiss.
An anderen Hochschulen besteht wiederum für manche Studiengänge ein örtlicher Numerus clausus (NC).
Das heißt: Grundsätzlich ist der Zugang hier frei und wird nicht zentral gelenkt, allerdings sind an dieser Uni die Plätze knapp, deshalb wird eine Abidurchschnittsnote, eben der ›Numerus clausus‹, als ›Anforderungsgrenze‹ festgelegt. Diesen Notenschnitt Notenschnitt musst du dann erfüllen, um einen der heißbegehrten Plätze zu ergattern. Anhand dieses Schnitts trifft die Hochschule unter der Vielzahl an Bewerbern eine Auswahl. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Hochschule.

Der dritte Weg, einen Studienplatz zu bekommen, führt über die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH). Diese kommt ins Spiel, wenn bundesweit die Nachfrage größer ist als das Angebot. Nur die ›harten‹ NC-Fächer Human-, Tier- und Zahnmedizin sowie Pharmazie und Psychologie werden zentral vergeben. Das Auswahlprozedere der SfH funktioniert so: 60 Prozent der Plätze werden von den Unis über eigene hochschulinterne Auswahlverfahren vergeben. Die verbleibenden 40 Prozent vergibt die Stiftung je zur Hälfte an die Abiturbesten und nach Wartezeit.

Den Antrag auf einen Studienplatz kannst du online unter www.hochschulstart.de stellen. Bei dem hochschulinternen Auswahlverfahren spielt zwar weiterhin die Abiturnote eine maßgebliche Rolle, hinzu kommen jedoch noch andere Auswahlinstrumente wie die stärkere Berücksichtigung von Einzelnoten oder berufliche Qualifikationen.
Jede Hochschule setzt dabei andere Maßstäbe: Manchen reichen ein Formular und das Abizeugnis, andere führen umfangreiche Eignungstests und Auswahlgespräche durch.


WS, Ferien, SoSe, Ferien?

Dein Studium teilt sich in Sommer- und Wintersemester auf. Das Wintersemester (WS) fängt am 1. Oktober eines Jahres an und dauert bis zum 31. März, am 1. April beginnt dann das Sommersemester, kurz SoSe, das dich bis zum 30. September begleitet.

Die Lehrveranstaltungen finden nicht über das ganze Semester statt, sondern in den Vorlesungszeiten. Nach deiner letzten Lehrveranstaltung beginnt deine sogenannte vorlesungsfreie Zeit, im WS meist so gegen Mitte Februar, im So- Se gegen Anfang/Mitte Juli.

Leider, leider hast du dann nicht monatelang Semesterferien, obwohl viele das so nennen – manch cleverer Student schafft es tatsächlich in den Ferien nicht viel zu tun, allerdings sind diese Lebenskünstler eher die Ausnahme, oder beweisen so viel Mut zur Lücke, dass sie ihre Prüfungen nicht schaffen. In dieser Zeit sollst und musst du bestimmte Studieninhalte nacharbeiten, dich auf Prüfungen vorbereiten, Hausarbeiten schreiben oder ein Praktikum machen. So sieht dein Studienjahr aus.

Über 6.000 Bachelorstudiengänge und 5.500 Masterprogramme stehen dir inzwischen zur Auswahl. 2000 waren’s in Deutschland erst 200 Bachelor- und 100 Masterstudienrichtungen.


Was sind Seminare, Vorlesungen & Co.?

Die wichtigsten Lehrveranstaltungen an der Uni heißen ›Vorlesung‹ und ›Seminar‹.
Vorlesungen finden in Hörsälen statt: Vorne steht der Prof und liest – im schlimmsten Fall – aus seinem Skript vor. Engagierte Profs halten dagegen einen faszinierenden Vortrag, der dich mitnimmt auf eine Reise in die Wissenschaft. Die Vorlesung hat ein Thema, das der Prof in der wöchentlichen Veranstaltung von verschiedenen Aspekten her beleuchtet, oft mit Power-Point-Präsentationen oder Overhead-Folien. Viele Studenten schreiben mit (auch das will erst gelernt sein!), manche Profs verkaufen außerdem sogenannte Reader, die die Vortragsmanuskripte enthalten. Gerne wird in der Vorlesung auf einschlägige Literatur verwiesen, die du selbst nacharbeiten musst.
Grundsätzlich gilt: Vorlesungen können sterbenslangweilig sein, wenn der Prof nur labert, du schlecht auf das Thema vorbereitet bist und keinen Plan hast, wovon der da vorne eigentlich spricht. Hier kannst du auf zahlreiche Bewertungen von Professoren zugreifen. Vernünftige Vor- und Nachbereitung machen die Sache wesentlich spannender.

Seminare dauern meist ein Semester und haben ein Thema, beispielsweise ›From Simpsons to Six Feet Under – looking at contemporary postmodern TV-Shows‹. Jede Seminarstunde steht ein anderer Aspekt des Seminarthemas im Vordergrund. Alle Teilnehmer suchen sich von einer Liste ein Thema aus, das sie interessiert, und arbeiten dazu ein Referat aus. Dieses tragen sie den anderen Teilnehmern und dem Dozenten vor, wenn das Thema laut Seminarplan dran ist. Dazu verteilst du auch ein von dir verfasstes Handout, das den Zuhörern die wichtigsten Thesen des Referats verdeutlicht, die im Anschluss mit den anderen Studis diskutiert werden können. Entweder gibt es am Ende des Seminars zum gelernten Stoff eine Klausur oder eine Hausarbeit. Bei letzterer baust du das Referat aus, machst deine Thesen plausibel und belegst sie.
In Seminaren lernt man, wissenschaftlich zu arbeiten, sich Inhalten wissenschaftlich zu nähern, die passende Lektüre zu suchen, auszuwerten und zu Thesen umzuformulieren. Hier zählt vor allem dein Engagement. Mit Spaß an Wissen und dem Drang nachzuhaken und selbst Inhalte zu vermitteln, kannst du dich hier pudelwohl fühlen.


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