Schnelles Wissen: Geisteswissenschaften

Was ist das?

›Geisteswissenschaften‹ ist ein Sammelbegriff für ungefähr 40 Einzelwissenschaften, die sich mit dem menschlichen Geist und seinen Produkten zum Beispiel in der Kunst, Sprache, Philosophie, Geschichte, Literatur oder Religion befassen. Zum traditionellen Kanon gehören Fächer wie Kunstgeschichte, Religions-, Geschichts-, Literatur- oder Politikwissenschaften, Philosophie oder Archäologie. Eine feste Definition gibt es aber nicht. Die große Abgrenzung findet klassisch zu den Naturwissenschaften statt.

Woher kommt das?

Vereinfacht gesagt: Grundlage waren die ›artes liberales‹ wie Literatur, Sprachtheorie, Grammatik, Rhetorik, Geschichte und Logik. Im 19. Jahrhundert entstand aus diesen Fächern die klassische Philologie. Wilhelm Dilthey, deutscher Theologe und Philosoph, gilt als ›Vater der Geisteswissenschaften‹: er wollte sie als eigene wissenschaftliche Disziplin etablieren und deutlich von den Naturwissenschaften abgrenzen.

Was gibt es?

Von A wie Afrikanische Philologie bis Z wie Zeitgeschichte – über 6.000 geisteswissenschaftliche Studiengänge existieren an deutschen Hochschulen. Verwirrende Vielfalt? Keine Panik – die Bezeichnung eines Studienganges zeigt meistens seine spezifische fachliche Ausrichtung oder Schwerpunktsetzung. Und: Auch wenn Studiengänge an unterschiedlichen Hochschulen unterschiedlich heißen, handelt es sich oft um ähnliche Studienangebote. Hier auf alle Fälle die Vorlesungsverzeichnisse genau anschauen, bevor du dich entscheidest!

Was lernst du?

Zum einen natürlich: Faktenwissen in deinem spezifischen Studiengang. Dann: Schreiben. Dich ausdrücken. Dich kulturwissenschaftlichen Fragestellungen nähern, sie analysieren und verknüpfen. Und: Generalistisch denken. Erkennen, dass alles mit allem zusammenhängt.

Spannend für wen?

Für Gerneschreiber und Gerneleser, für Sprachverliebte, für Menschen mit Interesse an Kultur und Geschichte, für alle, die gerne über den Tellerrand schauen. Du solltest Spaß haben am Weiter-Denken, dich in Texte zu vertiefen, und daran, deinen eigenen kulturwissenschaftlichen Wissensstand permanent und eigenständig zu erweitern. Geisteswissenschaften funktionieren interdisziplinär: logischerweise kannst du zum Beispiel die Interpretation eines Literaturstückes nur richtig verstehen, wenn du nicht nur die eigentliche Lektüre kennst, sondern auch die geschichtlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten und die literaturtheoretischen Ansätze. Hier ist Eigeninitiative und Lust auf Horizont- Erweitern angesagt.

Was wirst du?

Bitte bedenken: Als Geisti bildest du dich breit angelegt aus. Das Wissen, das du dir aneignest, ist nicht so klar eingegrenzt und im Beruf oder für die Wirtschaft auf den ersten Blick ›verwertbar‹, wie etwa bei einem Mediziner oder Ingenieur. Die Wahrscheinlichkeit, nach dem Studium in einen Job einzusteigen, der genau den Inhalt deines Studiums abbildet, ist winzig. Selten werden Geisteswissenschaftler in Stellenausschreibungen explizit erwähnt, weil das Berufsbild nicht klar umrissen ist. Aber gerade weil das Geisti-Studium inhaltlich so breit angelegt ist, gibt es massig Einsatzfelder in den Medien, in Unternehmen und Kultureinrichtungen: Journalismus, PR, klassische Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation sind beispielsweise spannende Jobfelder. Megawichtig: Unbedingt schon während des Studiums Praktika, freie Mitarbeiterschaften und viele verschiedene Jobs annehmen und ausprobieren.

Top-Chance

Geisti goes Digitalisierung: Ja, viele Jobs im klassischen Print-Journalismus fallen weg, aber: die Digitalisierung birgt große Chancen auch für Geisteswissenschaftler! Jedes Unternehmen, jeder Hersteller, jede Kultureinrichtung – alle, alle, alle sind Internet sei dank jederzeit online vertreten und brauchen entsprechend brauchbare Netzauftritte. Gut getextete Websites, schlau gemachte Social Media-Posts, mitreißende Blogs, usertauglich aufbereiteter Content, der auch abgerufen wird: Online bietet die idealen Betätigungsfelder für die schreibende Zunft, Fachleute werden stark nachgefragt. Daher: Dein Fach mit Leidenschaft studieren, dich gleichzeitig in Onlinekommunikation fit machen, dich idealerweise mit SEO & Co. von Anfang an zumindest ein wenig befassen – und dann sei sicher: Taxi fahren wirst du nie und nimmer!

Checkliste: Steckt ein Geisti in dir?

Lesen? Einer deiner liebsten Zeitvertreibe! Schreiben? Mit Sprache umgehen? Eines deiner größten Hobbies! Deine schriŒ liche Ausdrucksfähigkeit: Eins a! Du magst Eigenverantwortung und Selbstorganisation: Ein Geisti- Studium ist lang nicht so defi niert und ›verschult‹ wie viele andere Studiengänge! Get active: Du hast Bock, dir schon im Studium freiwillige Praktika zu organisieren und so Erfahrungen zu sammeln. Wirklich wollen: Du liebst, was du tust und brennst für dein Fach. Cool bleiben: Es macht dich nicht kirre, dass Geistis nicht von vornherein die most wanted Absolventen sind!


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