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Selbstständig als Student – eine gute Alternative zum Minijob?

Die meisten Studenten müssen neben dem Studium jobben, warum also nicht in die Selbstständigkeit starten? Ein höheres Einkommen und flexible Arbeitszeiten winken. Doch es muss viel mehr organisiert werden, als wenn man im Supermarkt an der Kasse jobbt.

Es gibt viele gute Geschäftsideen, mit denen im Studium Geld verdient werden kann. Ob virtueller Assistent, Übersetzer, Unternehmensberater, Internetdienstleister oder Händler bei Ebay oder Amazon, die Vorteile einer Selbstständigkeit liegen auf der Hand. Meist verdient man mehr als bei einem „klassischen“ Nebenjob und kann sich die Arbeitszeit besser einteilen. Auf der anderen Seite erfordert auch eine nebenberufliche Selbstständigkeit ein weitaus höheres Maß an Einsatz, der eventuell über die reguläre Arbeitszeit hinausgeht. Eine Geschäftsidee will entwickelt werden, zudem muss das Angebot bekannt gemacht werden. Es gibt keinen bezahlten Urlaub und wer krank ist, kann auch kein Geld verdienen. Es müssen andere Steuern und eventuell Abgaben an Kammern oder Berufsgenossenschaften gezahlt werden. Zudem muss die Buchhaltung selbst gemacht werden, was allerdings mit einer modernen Software vergleichsweise einfach und schnell funktioniert.

Einer der größten Vorteile einer Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit als studentischer Nebentätigkeit liegt darin, dass damit schon ein Grundstein für die spätere Berufstätigkeit gelegt werden kann. Die ersten Kontakte werden geknüpft, die eigene Reputation wird aufgebaut. Die Suche nach Fachkräften macht es qualifizierten Freelancern zunehmend einfach, lohnenswerte Aufträge zu generieren. Doch vor dem Erfolg steht auch hier der Schweiß – und ein kleiner Stapel bürokratischer Herausforderungen.

Organisatorisches rund um die nebenberufliche Selbstständigkeit

Gewerbeanmeldung

Ein Gewerbe muss jeder anmelden, dessen Tätigkeit nicht zu den freien Berufen zählt und der dauerhaft mit Gewinnerzielungsabsicht gewerblich handelt. Wer also nur zwei Monate im Jahr selbstständig tätig ist, muss kein Gewerbe anmelden. Für die Anmeldung zuständig ist das Gewerbeamt. Die Anmeldung kann bei den meisten Gemeinden schon online erfolgen und kostet rund 15 bis 60 Euro. Das Finanzamt wird über die Anmeldung informiert und sendet den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“, der sorgfältig ausgefüllt werden muss. Hier wird auch angekreuzt, ob die Selbstständigkeit als Nebentätigkeit ausgeführt wird und ob der erwartete Umsatz unter 17.500 Euro pro Jahr liegt. In diesem Fall kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden.

Die Kleinunternehmerregelung besagt, dass die Umsatzsteuer auf Rechnungen nicht ausgewiesen werden muss und somit auch nicht als Mehrwertsteuer an das Finanzamt abzuführen ist. Dafür kann die Vorsteuer auf Lieferantenrechnungen ebenfalls nicht geltend gemacht werden. Wer für sein Gewerbe größere Anschaffungen tätigen muss, für den kann auch bei einem geringen Gesamtumsatz der Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung von Vorteil sein. Zudem wirkt es gerade bei B2B Kunden professioneller, die Mehrwertsteuer auszuweisen. Wegen der umständlicheren Buchhaltung muss man sich keine Sorgen machen, ein Programm wie lexoffice erledigt das automatisch. Hier können Angebote und Rechnungen auch individuell designt werden.

Manche Gewerbe sind genehmigungspflichtig oder können nur ausgeführt werden, wenn man bestimmte Fähigkeiten nachweisen kann, etwa in der Gastronomie oder bei der Personenbeförderung. Zudem muss man sich immer eine Kammer anschließen, die ihrerseits Gebühren erhebt. Je nach Tätigkeit können das zum Beispiel die IHK oder HWK sein. Die Kammern bieten zahlreiche Services für ihre Mitglieder an und vermitteln nützliches Know-how. Der Eintritt ist also auch mit Vorteilen verbunden.

Bis zu einem Jahresgewinn von 60.000 Euro genügt die Abgabe einer einfach Einnahmen Überschuss Rechnung (EÜR). Hier werden die Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt, die Differenz ist der zu versteuernde Gewinn.

Freiberuflichkeit

Wer eine freiberufliche Tätigkeit ausübt, hat es etwas einfacher, denn es muss weder ein Gewerbe angemeldet werden noch besteht eine Mitgliedspflicht in einer Kammer. Zu den freien Berufen zählen künstlerische und publizistische Tätigkeiten sowie die freie wissenschaftliche Arbeit. Wer eine solche Tätigkeit ausüben will, muss lediglich sein zuständiges Finanzamt darüber informieren und bekommt eine Steuernummer. Für die Buchhaltung genügt unabhängig von der Höhe des Einkommens eine einfache EÜR.

Der Nachweis einer entsprechenden Qualifikation ist für die Aufnahme einer als freiberuflich eingestuften Tätigkeit unabdingbar. So genügt es etwa nicht, Bilder zu malen und sich selbst als Künstler zu bezeichnen, um die Gewinne aus Bildverkäufen als Freiberufler abrechnen zu können. Man sollte auch ein Kunststudium oder eine Reputation in der Kunstszene nachweisen können. Das Finanzamt fragt jedoch unter Umständen erst nach einigen Jahren bei einer Betriebsprüfung nach einem solchen Nachweis und kann eine Tätigkeit auch im Nachhinein als gewerblich einstufen. Unter Umständen muss dann etwa die Gewerbesteuer nachgezahlt werden, die bei Freiberuflern grundsätzlich nicht anfällt.

Einkommenssteuer

Wer selbstständig ist, muss Einkommensteuer bezahlen, allerdings erst, wenn das Einkommen höher liegt als der Steuerfreibetrag. Dieser lag im Jahr 2017 bei 8820 Euro. Das Einkommen meint bei Selbstständigen den Gewinn, also den Umsatz abzüglich der Betriebsausgaben und sonstiger Kosten, die für das Gewerbe oder die freiberufliche Tätigkeit anfallen, etwa Telefon, Webhosting, Werbung u.ä.

Allerdings gibt es zwei Umstände, die Studenten dazu zwingen, eine gewisse Einkommensgrenze nicht zu überschreiten: das BAFÖG und die Krankenversicherung.

Viele Studenten unter 25 Jahre sind in der Krankenversicherung der Eltern mitversichert und müssen keine eigenen Beiträge zahlen. Das ist natürlich nur dann der Fall, wenn kein nennenswertes eigenes Einkommen vorhanden ist. Die Grenze, wann ein Zuverdienst nicht mehr als geringfügig gilt, liegt bei 450 Euro brutto monatlich und muss auch dann eingehalten werden, wenn BAFÖG bezogen wird. Es werden bei der Ermittlung des Einkommens alle Nebentätigkeiten addiert.

Im besten Fall wird mit der Selbstständigkeit ein so hohes Einkommen erzielt, dass man sich freiwillig selbst versichern und sogar auf das BAFÖG verzichten kann. Mit der passenden Geschäftsidee etwa im Bereich passives Einkommen und dem richtigen Marketing ist das möglich.

Fazit: Es gibt vieles zu bedenken, will man als Student zusätzlich selbstständig sein. Es kann jedoch eine sinnvolle Investition in die eigene Zukunft sein und lohnenswerte Wege ebnen.

Ein Beitrag des externen Autoren Tobias Neubauer


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