Kerstin, Matthias und Dirk berichten von ihren Aufenthalten in Russland und Polen.
Russische Alltagsvokabeln? Ratschläge rund um Russland und Polen? Drei spannende Fakten? Bekommst du hier!
Für alle mit einer großen Portion Fernweh: Fotos, Daten, Fakten und eine Prise Kurioses und Wissenswertes aus Osteuropa.

Erfahrungsbericht: Sommerschule in Russland und Polen

Ausland ja, aber nicht gleich ein ganzes Semester? Dann sind Sommerschulen die ideale Möglichkeit, um für kurze Zeit in einem fremden Land zu leben. Kerstin, Matthias und Dirk haben das in Russland und Polen getan

Sommerschule – das klingt wie stundenlang Vorlesungen im Seminarraum hören und pauken, während andere bei schönstem Sonnenschein die semesterfreie Zeit genießen. Weit gefehlt, wie das Beispiel von Kerstin Meyer zeigt: Die 20-Jährige studiert Geographie an der Universität Bayreuth und war im August für drei Wochen zu einer Sommerschule mit dem Thema ›Humangeographie‹ im russischen Barnaul. Die Vorlesungen: Exkursionen im Gelände und zu Landwirtschaftsbetrieben. Der Seminarraum: Steppe und Gebirge mitten in Sibirien. Die Mensa: ein Platz ums offene Feuer. Das Wohnheim: ein Zelt, das täglich auf dem nächsten Zeltplatz aufgebaut wurde. »Sich einmal im Kreis drehen und nur Natur sehen – das ist Wahnsinn «, beschreibt Kerstin begeistert ihre Eindrücke von der Landschaft im Süden Russlands.

Die Sommerschule in Barnaul ist nur eine von vielen, bei denen hiesige Studierende andere Länder für kurze Zeit kennen lernen können. Für Studierende, die erstmal nur probeweise Auslandsluft schnuppern wollen, sind sie ideal, denn sie dauern meist zwei bis vier Wochen. Sogar Credits bekommen die Teilnehmer – wie viele hängt von der Gasthochschule ab. Kerstin hat die Möglichkeit genutzt, mithilfe des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) nach Russland zu gehen. Mit dem Programm ›go east‹ fördert der DAAD die Teilnahme deutscher Studierender an Sommerschulen von Hochschulen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa sowie den Staaten der GUS. Das Stipendium von ›go east‹ beinhaltet eine Reisekostenpauschale, einen Zuschuss für die Aufenthaltskosten sowie einen Beitrag zu den Teilnahmegebühren. Die Summe deckt im Normalfall die Kosten der Sommerschule. »Das Geld hätte wahrscheinlich komplett gereicht, wenn ich nicht hinterher noch nach Moskau gereist wäre«, erzählt Kerstin.

Fachlich war die Sommerschule für die 20-Jährige sehr interessant, vor allem »der Vergleich zwischen Sibirien und Moskau ist krass«, bestätigt sie. Aber natürlich hat ihr die Zeit auch persönlich viel gebracht: »Mit Russen zu tun haben, ist total interessant: zu verstehen, wie sie denken und warum sie so denken, wie sie denken«, fasst Kerstin zusammen. Die Bewerbung für den Sommerkurs erfolgt parallel bei der Hochschule der Sommerschule und dem DAAD. Die Unterlagen müssen neben einem Bewerbungsformular und einem Lebenslauf auch ein Motivationsschreiben sowie ein Gutachten eines deutschen Hochschullehrers beinhalten. »Das dauert von Dozent zu Dozent unterschiedlich lange, deswegen sollte man sich rechtzeitig kümmern«, empfiehlt Matthias Schönemann, der in Warschau an der Sommerschule ›Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft‹ teilgenommen hat.



Matthias war vor der Sommerschule bereits als Erasmus-Student ein Jahr in Krakau. Dort hat der Politologe viel über die Europapolitik Polens erfahren. Der Fokus der Sommerschule richtete sich dagegen auf die Wirtschaftspolitik. Das war für Matthias auch der Grund ein zweites Mal nach Polen zu gehen: »Ich wollte mal einen anderen Bereich kennen lernen, um einen möglichst umfassenden Einblick in die deutschpolnischen Beziehungen zu bekommen.« Der 26-Jährige, der an der Freien Universität in Berlin studiert, kann sich gut vorstellen, eine Zeit lang in Polen zu arbeiten oder in deutsch-polnischen Beziehungen tätig zu sein.

Die Bewerbung um die Teilnahme erfolgt direkt an der Sommerschule. Sie ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich – liegt aber meist im Mai oder Juni. Danach richtet sich auch die Frist für die Stipendienbewerbung beim DAAD. In Abstimmung mit der ausländischen Hochschule bewilligt der DAAD das Stipendium soweit die Mittel vorhanden sind.

Die Unterlagen sollten aber nicht kurz vor knapp eingereicht werden, rät Dirk Landmann, dessen zweiwöchige Summer School in Moskau das Thema ›Innovations in Russian Agriculture‹ hatte. »Anfangen darüber nachzudenken sollte man ein Jahr vorher.« Er empfiehlt, sich zu einem Auslandsaufenthalt selber folgende Fragen zu beantworten: Habe ich Zeit? Was will ich machen und was kann ich machen? »Danach sollte man das Puzzle Stück für Stück zusammensetzen und mit offenen Augen durch die Uni gehen«, so Dirk, der in Göttingen Wirtschaft und Sozialwissenschaften des Landbaus studiert. Die konkrete Bewerbung sollte drei bis vier Monate vorher erfolgen.

Der 24-Jährige hat die Chance, zwei Wochen ins Ausland zu gehen, genutzt, da er aufgrund eines derzeitigen Erasmus-Aufenthaltes in Valencia nicht so viel freie Zeit im Sommer hatte. Doch Russland war nicht die erste Auslandserfahrung für Dirk. Er hat schon einige Zeit in Chile, Argentinien und den USA gelebt. Der Grund für das ehemalige Zarenreich: »Russland war mir bisher ein bisschen suspekt und mit einem festen Programm eine unbekannte Region kennen zu lernen ist eine sehr gute Form.« Einzig der Sprachkurs hätte für Dirk ertragreicher sein können: Anfänger und Fortgeschrittene saßen zusammen in einem Kurs und der Dozentin gelang der Spagat zwischen beiden Fremdsprachenniveaus nicht immer. Bei Matthias wiederum organisierte die Hochschule innerhalb eines Tages einen zusätzlichen Sprachkurs für die Fortgeschrittenen. »Die Betreuung war optimal«, lobt er. Die war auch bei Dirk sehr gut: Die Begegnung mit der uneigennützigen russischen Studentin, die am Kurs teilgenommen hat und die Tutorin der Gruppe war, hat sich bei ihm eingebrannt: »Sie hat uns Moskau komplett gezeigt und sich sehr lieb um uns gekümmert, wann immer wir etwas benötigten.« Klar gab es auch mal einen weniger schönen Moment, aber selbst über den kann Dirk lachen: »Wir wollten einen Friedhof besichtigen, der drei Minuten später schließen sollte. Als er dann geschlossen war, hat uns der Wärter angeboten, dass wir den Friedhof anschauen dürften, wenn jeder fünf Euro bezahlt.« Dies sei halt Russland, meint Dirk: krasse Gegensätze und die seien schwer wiederzugeben.

Und zum Vorurteil, der Osten sei eine graue Maus? Auf keinen Fall, wie Kerstin dementiert: »Es ist so vielfältig: die Städte, die Prachtstraßen, das ist einmalig.« Auch Polen sei definitiv nicht grau, so Matthias: »Die Innenstädte der größeren Städte erinnern einen schon an westliche Metropolen. « Warschau kann er nur empfehlen: »Die Stadt ist sehr authentisch. Es gibt wenige Touristen und kleine Bars und Clubs in Hinterhöfen.« Dirk ist über Russland geteilter Meinung: »Die historischen Gebäude sind wirklich superschön «, erzählt er und räumt gleichzeitig ein, dass Beton außerhalb der Innenstädte sehr dominiere und der Plattenbau trist sei. Insgesamt können die Drei die Teilnahme an einer Sommerschule nur empfehlen: »Um einen ersten Eindruck von einem Land zu erhalten, ist das perfekt. Ich kann es uneingeschränkt weiterempfehlen«, sagt Matthias. »Es lohnt sich auf jeden Fall. Am meisten haben mir die Exkursionen gebracht. Es brennt sich viel besser ein, wenn man durch die Landschaft fährt und es selber sieht. Es ist ein anderes Gefühl, wenn der Betriebsleiter selber spricht. Man kann zwar versuchen, das in einer PowerPoint in der Vorlesung zu verstehen, aber es ist wesentlich schwieriger«, fasst Dirk seine Eindrücke zusammen.

Als Pauken empfand Dirk die Sommerschule übrigens nicht. »Ich würde schon sagen, dass es ein bisschen Urlaub war: Nachmittags gab es immer kulturelles Programm und abends waren wir in der Innenstadt unterwegs und Freizeit gab es auch genug«, revidiert auch Matthias dieses Vorurteil und empfiehlt: »Wer sich dafür interessiert, sollte die Chance und die Gelegenheit nutzen!«


Fotos: Einar Fredriksen und Christian Michel / flickrcc

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