Mit einem Jahresstipendium vom DAAD in der Tasche verbrachte Matthias ein Jahr im südamerikanischen São Paulo. Lies hier seinen Erfahrungsbericht.
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Erfahrungsbericht: Ein Jahr in São Paulo/Brasilien

Die Metropole São Paulo ist deutlich größer und ein Stück gefährlicher als deutsche Städte. Was Student Matthias aber stets an seine Heimat erinnerte? Bürokratie

Karlsruhe zählt, das kann jeder bestätigen, der die badische Stadt schon mal besucht hat, zweifelsohne zu den beschaulicheren Flecken dieses Landes. Eine umso größere Umstellung war es für Physikstudent Matthias Moerferdt, als er mithilfe eines Jahresstipendiums für Studierende des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) von Karlsruhe aus ins brasilianische São Paulo reiste. Die Metropole ist flächenmäßig neunmal größer als Karlsruhe und hat stramme 19,6 Millionen Einwohner mehr im Stadtbuch stehen. »São Paulo ist eine tolle Stadt und schon allein aufgrund ihrer Größe faszinierend«, beschreibt Matthias.

Doch São Paulo hat – wie die meisten südamerikanischen Städte – natürlich auch ihre Eigenheiten, um nicht zu sagen: Schattenseiten. »Das Gefühl, sich in so einer großen Stadt nicht so frei bewegen zu können, wie man es in Deutschland gewohnt ist, fühlt sich komisch an. Nach 22 Uhr läuft man nicht auf der Straße, sondern nimmt sich ein Taxi und guckt, so schnell wie möglich dahinzukommen, wo man hingehört«. Matthias stellt aber klar, dass die positiven Eindrücke São Paulos bei Weitem überwiegen und er ein »tolles Jahr« verbracht hat, dass auf etwas kuriose Art und Weise angefangen hat.

Der 25-Jährige blätterte in einer Physik-Fachzeitschrift und las einen Bericht über einen deutschen Physik-Professor, der in Brasilien tätig ist und der die akademische Landschaft Brasiliens beschrieben hat. »Das klang sehr interessant, also habe ich den Professor kontaktiert. Dann kam eines zum anderen, ich habe mich beim DAAD initiativ für ein Stipendium beworben, habe alle Unterlagen ausgefüllt, meine Motivation für den Auslandsaufenthalt dargelegt und wurde zu einem 20-minütigen Auswahlgespräch eingeladen, bei dem ich auch einige Dinge auf Portugiesisch, der brasilianischen Landessprache, gefragt wurde«, lässt Matthias die Zeit der Bewerbung Revue passieren.



Dass er – nach einem Schüleraustausch in die USA – auch während des Studiums fremde Luft schnuppern wollte, stand für den Physikstudenten früh fest. Dabei befindet er sich in bester Gesellschaft. Im Jahr 2009 absolvierte mehr als ein Viertel aller Studenten laut Hochschul-Informationssystem (HIS) einen studienbezogenen Aufenthalt im Ausland, der durchschnittlich sechs Monate dauerte, aber eine Vorbereitungszeit von bis zu 1,5 Jahren in Anspruch nimmt! Trotz des oft bemängelten ›Zeitfressers Bologna‹ gibt es schließlich viele gute Gründe, während der Studienzeit befristet in eine andere Kultur einzutauchen. Dabei sei fast schon außen vor gelassen, dass viele vor allem international tätige Unternehmen auch von ihren Einsteigern erste Auslandserfahrungen fordern.

Die Gründe, die für einen Auslandsaufenthalt sprechen, reichen vom Sammeln neuer Erfahrungen, Vertiefen von Fremdsprachenkenntnissen und dem Zurechtkommen in einem fremden Land über die Vertiefung von Fachkenntnissen bis hin zum Erlernen spezieller Qualifikationen, die man sich teilweise nur im Ausland aneignen kann. Vor allem aber nimmt wohl jeder Student, der wenigstens für ein paar Wochen Fußspuren irgendwo zwischen Warschau und Washington hinterlassen hat, unzählige Erinnerungen und einen erweiterten Horizont mit zurück nach Hause.

Matthias Moerferdt nennt zudem noch einen weiteren wichtigen Aspekt: »Solche Aufenthalte eignen sich auch dafür, Kontakte zu knüpfen – und die sind nun mal das A und O.« Kontakte knüpfen, das fällt bei den weltoffenen und stets geselligen Brasilianern sowieso nicht schwer. Dafür gibt es andere Tücken. Wer zum Beispiel glaubt, Wohnungssuche in deutschen Studentenstädten wäre herausfordernd, wird in São Paulo eines Besseren belehrt. »Eine geeignete Wohnung zu finden ist unglaublich schwer, ich selbst bin zweimal umgezogen, habe innerhalb des einen Jahres also in drei verschiedenen WGs gewohnt, übrigens immer mit Einheimischen«, berichtet Matthias.

Seine Wohnungen, die er stets übers Internet gefunden hatte und die erschwinglich waren – immerhin unterscheiden sich die Mieten nicht wesentlich zu deutschen Verhältnissen – lagen stets mindestens eine Stunde von der Universidade de São Paulo (USP) entfernt. Das wiederum bedingte, dass Matthias tagsüber fast ausschließlich an der Uni war. »São Paulo ist natürlich aufgrund der Größe keine wirkliche Studentenstadt, aber abends gab es am Campus oftmals Partys, die direkt von den Fachschaften oder Fakultäten organisiert wurden. Was mich aber am meisten begeistert hat, waren die fakultätsinternen Sportabgebote. Die Physik-Fakultät der USP zum Beispiel stellt eigene Volleyball- und Basketballmannschaften. Ich selbst habe im Volleyballteam gespielt, manchmal sind wir auch zu mehrtägigen Turnieren mit volleyballspielenden Physik-Fakultäten anderer Unis gereist.«

Neben den ausgeprägten Sportangeboten fernab des Nationalsports Fußball war Matthias noch von einer weiteren Tatsache schwer überrascht. Als Deutsche haben wir ja verschiedene Vorurteile über andere Nationen, und so würden wir Brasilianern sicherlich vieles nachsagen, nur keinen ausgeprägten Hang zur Bürokratie. Hierfür hat Matthias allerdings nur einen Kommentar übrig: »Ich habe sehr viel Zeit auf dem Einwohnermeldeamt verbracht.« Noch ein Grund also, um einen internationalen Studienabstecher zu machen: Vorurteile abbauen.

Wer nun allerdings meint, bei einem eigenen Abstecher dieselben Eindrücke wie Matthias zu sammeln, der irrt. »So ein Austausch bleibt immer eine individuelle Sache, es gibt nie ein Schema F. Der DAAD hat mir zwar viel geholfen – bei Kranken- und Haftpflichtversicherung sowie einer Flugpauschale –, aber letztlich muss sich jeder seinen eigenen Aufenthalt organisieren: Wohnung, Anerkennung an der Heimat-Hochschule, etc. Ich finde aber wichtig, dass man ins Ausland geht, um sich in solchen Situationen zurechtzufinden. Außerdem ist es echt cool, dass ich mich durch meine erworbenen Portugiesischkenntnisse mit einem Schlag mit 180 Millionen weiteren Menschen unterhalten kann.«


Foto: Diego3336/flickrcc

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