Studium: Master machen oder lieber nicht?

Master oder Direkteinstieg?

Im Märchen ›Der Hase und der Igel‹ rauscht der Hase zu Beginn des Wettlaufs siegessicher pfeilschnell am Igel vorbei, am Ende besiegt der überlegte Stachelträger Meister Lampe trotzdem spielend. Wer nach dem Bachelor die Entscheidung zwischen direktem Berufseinstieg und Masterstudium trifft, den lockt oft auch der schnelle Weg in die Berufspraxis:

  • Gleich nach dem Bachelorstudium arbeiten, das heißt jung sein und trotzdem Geld haben, Berufserfahrung sammeln und geschwind die Stufen der Karriereleiter erklimmen.
  • Andererseits: Der Masterabsolvent erhält zumeist das höhere Einstiegsgehalt und wird früher in verantwortungsvollen Positionen eingesetzt als der Bachelorand.

In welchen Fällen kann es am Ende doch die Mühe wert sein, um einen der wenigen Plätze zu kämpfen und den Master draufzusetzen, wann reicht wiederum ein Bachelorabschluss, um karrieretechnisch abzuräumen?

(K)Ein Schnellschuss in den Ofen

Vielleicht sollte man zu Beginn dieser Entscheidung erst einmal innehalten und sich überlegen, wie die eigene Karriere und Lebensplanung aussehen soll. Bei der Frage, wo die Reise hingehen soll, macht es durchaus einen Unterschied, welcher Bildungsabschluss sich letztlich besser eignet. Wer beispielsweise seine Bestimmung in der Forschung sieht oder gar eine Promotion anstrebt, für den ist ein Masterabschluss eine ratsame Entscheidung. Walter Feichtner, Karrierecoach aus München, betont, dass neben dem persönlichen Berufswunsch auch Branche und Studiengang eine große Rolle spielen. Feichtner rät:

»Vor allem im Bereich der Naturwissenschaften ist ein Masterabschluss unumgänglich. Wissenschaftliches Arbeiten steht während des Masters im Vordergrund, hier wird Wissen vermittelt, das im Bachelor noch nicht erlernt wurde. Hinzu kommt, dass für eine Karriere in der Wissenschaft eine Promotion oft von großer Bedeutung ist. Eine Promotion ohne Masterabschluss ist meist sehr umständlich. Weit über 50 Prozent der Chemiker, Biologen und Physiker promovieren.«

Die Türe zu bestimmten beruflichen Feldern öffnet sich eben nun mal fast ausschließlich – von Ausnahmen einmal abgesehen – für Masterabsolventen. Der Bereich Forschung und Entwicklung, nicht nur für Ingenieure, sondern auch zum Beispiel für Sozialwissenschaftler, gehört mit Sicherheit dazu.

Was sagen die Unternehmen zur Masterfrage?

Die Perspektive der Arbeitgeber hat Prof. Dr. Monika Burg im Blick – für die Professorin für Human Resources an der International School of Management Dortmund geht es bei der Master-Frage stärker um Positionen als um Branchen. Sucht ein Unternehmen einen Mitarbeiter für operative Tätigkeiten wie beispielsweise im Personalbereich, Controlling, Marketing oder Vertrieb, wird gerne auf Bachelorabsolventen zurückgegriffen. Als junge Berufseinsteiger gelten sie als flexibel, lern- und aufnahmefähig und noch dazu als unternehmensbezogen formbar. Die Tüftler- und Taktikerjobs mit Managementcharakter gehen häufig jedoch an Masterabsolventen:

»Für Positionen mit einem strategischen Einblick, beispielsweise Unternehmensentwicklung, Mergers & Acquisitions oder auch für Geschäftsführer-Assistententätigkeiten werden oft Masterabsolventen gesucht«, so Prof. Dr. Burg.

Deshalb gilt: Man sollte sich darüber im Klaren sein, was man sich vom späteren Berufsleben verspricht, und dann überlegen, ob der Master dazu passt. Überqualifiziert ist man übrigens eigentlich nie so wirklich: Wissen und Ausbildung schaden in keinem Fall, sie sind eben nur nicht immer Voraussetzung für eine Stelle. Sicher liegt ›Überqualifikation‹ auch im Auge des Betrachters: Als Sachbearbeiter braucht man nicht unbedingt das Masterzeugnis, aber wenn der Masterabsolvent damit glücklich ist und entsprechend bezahlt wird, ist daran nichts Negatives zu erkennen, so Prof. Dr. Monika Burg. Der Master sollte allerdings nicht fälschlicherweise als Garantieschein für ein besseres Gehalt missverstanden werden. Feichtner attestiert vor allem für Berufe im Sozialwesen nur bedingt einen Kausalzusammenhang zwischen Abschluss und Gehalt. Wer sich von einem Masterabschluss also ein höheres Gehalt verspricht, der sollte sich branchenabhängig informieren, ob dieser Wunsch sich auch später wirklich realistisch gesehen in einem dicken Kontostand manifestieren könnte.

Nicht gerade ein Einser-Kandidat im Bachelor – trotzdem den Master wagen?

Branche, Position und klingelnde Kassen – sollte man nicht vielleicht auch die Noten aus Bachelortagen in die Entscheidung einfließen lassen – immerhin steht und fällt damit zum Teil auch der Zuschlag für den Masterplatz? Hier lässt sich nicht so einfach eine pauschale Antwort finden: Wer nach dem Bachelor eine eher mäßige Leistungsbilanz vorzuweisen hat, sollte sich eingehend überlegen, wo die Ursache lag: »Wurde nebenher gejobbt oder gab es eine andere Belastung? Hierdurch kann man manchmal nicht ganz so gute Noten erklären. Wurde für das Bestehen allerdings schon ein sehr hohes Maß an Arbeit und Nerven aufgewandt, würde ich von einem Master eher abraten. Noten sind zwar nicht alles, stellen aber in der Regel schon einen deutlichen ersten Indikator für die erbrachten Leistungen dar«, rät Prof. Dr.-Ing. Mandel, Studiengangsleiter und Prodekan der Fakultät Technik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart.

Akadisch, anwendungsbezogen oder dual – welcher Mastertyp ist der richtige für mich?

Passen Noten, Motivation und Karrierewünsche gut zum Masterstudium, gilt es nur noch, den richtigen Master zu finden und einen Platz zu ergattern. Durch die Bolognareform sollte innerhalb des deutschen Hochschulsystems zumindest theoretisch auch dem Wechsel zwischen Uni und FH nichts im Wege stehen. Bis auf einige schwarze Schafe unter den Hochschulen, die sich dem Wechselspiel in den Weg stellen und ›dicht‹ machen, klappt das bestens, auch wenn manchmal Nachhol- und Auflageleistungen erbracht werden müssen. Prinzipiell unterscheidet sich ein Masterstudium je nach Hochschultyp ein wenig: Während an der Universität verstärkt das forschungsbasierte, wissenschaftliche Arbeiten im Vordergrund steht, wodurch ein sehr freies Lernen möglich ist und eine breite Wissensbasis aufgebaut wird, geht es an der FH um die anwendungsbezogene Wissensvermittlung. Der Praxisbezug wird auch dadurch verstärkt, dass viele Dozenten direkt aus der Arbeitswelt stammen. Wer sich für den dualen Master entscheidet ist einerseits zwar in besonderem Maße gefordert, bezieht aber andererseits bereits während des Studiums ein festes Gehalt und ist finanziell unabhängig. Zudem kann er hinterher bereits mit einschlägiger Berufserfahrung auftrumpfen und hat dank der sehr hohen Übernahmequote zumeist schon den Arbeitsvertrag in der Tasche. Große Entscheidungen fallen nur selten leicht, kopflos wie der Hase loszupreschen ist jedoch noch viel seltener der Königsweg. Lieber kurz besinnen: Was möchte ich karrieremäßig erreichen, wie soll meine Tätigkeit ausgerichtet sein, will ich jetzt das schnelle Geld oder später mit etwas höherem Gehalt einsteigen? Welche Anforderungen stellt die Branche und ist mein fachliches Interesse wirklich so groß, dass ich mich noch einmal zwei Jahre vertieft mit dem Stoff beschäftigen möchte? Bin ich Theoretiker oder Praxisnarr? Nicht ganz einfach, aber kein Ding der Unmöglichkeit – so steckst du Meister Lampe in die Tasche.

Petra Herr

Dieser Text stammt aus der Feder von:

Petra Herr

herr(at)audimax.de
Telefon: 0911-23779 41

Berufsintegrierte Masterprogramme

Malle1989 / Quelle:PHOTOCASE
Master + Berufspraxis = Karriere

Die Einführung von Bachelor und Master als Standardabschlüsse an deutschen Hochschulen hatte etwas von einem Kochexperiment, wie es täglich in Studenten- WGs stattfindet: Wir schmeißen einfach alles, was wir an Zutaten herumliegen haben, in den großen Topf, rühren kräftig um und schauen mal, was dabei rauskommt. Das Problem: Im Gegensatz zu Studenten-WGs konnte im Zuge der Bolognareform bei Misslingen des Experiments nicht einfach der Pizzamann angerufen werden, um die Situation zu retten.

So richtig misslungen ist das Experiment ›einheitlicher europäischer Hochschulraum‹ zwar nicht, aber – und das ist in Studentenküchen nicht anders – so richtig gar ist das Produkt auch noch nicht. Was im Kochtopf nicht geklappt hat, muss nun auf dem Teller geschehen: Nachwürzen. Viele Unternehmen haben bereits frühzeitig auf den Umstand reagiert, dass Hochschulabsolventen mit erstem akademischen Abschluss zunehmend jünger sind und sich dadurch Teile der Ausbildung von den Hochschulen in die Unternehmen verlagern.

 

Berufsintegrierte Masterprogramme - Unternehmen reagieren!

Ganz praktisch sieht das dann so aus: Die Grundsituation ist für beide Seiten unbefriedigend. Bachelorabsolventen würden sich gern vertieft in Masterstudiengängen weiterbilden – nach neuesten Umfragen streben immerhin 55 Prozent der Bachelorstudenten einen Masterabschluss an. Um diesen beginnen zu können, ist oftmals aber Berufspraxis vonnöten. Die Unternehmen wiederum sehen die Notwendigkeit, ihre Bacheloreinsteiger weiterzubilden und wollen diese natürlich langfristig ans Unternehmen binden. Würden diese aber nach zwei, drei Jahren Berufserfahrung zurück zur Hochschule wechseln, um dort zu ›mastern‹, könnten High Potentials verloren gehen.

Immer mehr Unternehmen reagieren mit berufsbegleitenden Masterprogrammen auf diese Situation, die meist blockweise absolviert werden. Auf Phasen an der Hochschule folgen Arbeitsabschnitte im Unternehmen. Im Zeitraum des gesamten Studiums, dessen komplette Gebühren in aller Regel vom Arbeitgeber getragen werden, bleibt der Masterstudent auch angestellt und somit finanziell abgesichert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Studenten können sich finanziell unbeschwert weiterbilden und dabei das in der Theorie erlernte in der nächsten Blockphase beim Arbeitgeber gleich praktisch anwenden, die Unternehmen wiederum sind in der Lage, High Potentials nicht nur zu binden, sondern gezielt weiterzuentwickeln.

 

Wirtschaftsgesellschaften erkennen das Potenzial von Masterprogrammen!

Zu den ersten Unternehmen, die Notwendigkeit und Potenzial von Masterprogrammen erkannt haben, gehören die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie Ernst & Young. »Wir bieten im Bereich Wirtschaftsprüfung das Masterprogramm ›AuditXcellence‹, das mit dem ›Master of Accounting‹ abschließt sowie im Bereich Steuerberatung den ›Master of Taxation‹ an«, erklärt Marcus K. Reif, Head of Recruitment & Employer Branding GSA. Ernst & Young pflegt vielfältige Kontakte zu Partneruniversitäten, an denen die Teilnehmer ihre Studienphasen absolvieren, wie etwa der Mannheim Business School, der Leuphana Universität Lüneburg, der Hochschule Mainz und der Frankfurt School of Finance and Management. »Neben der Erstattung von anfallenden Reisekosten erhalten die Teilnehmer eine zeitliche Unterstützung durch einen befristeten Teilzeitvertrag für die Dauer des Studiums. Zudem werden sie für die Studienphasen und Klausuren freigestellt und können an zahlreichen internen Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen«, führt Reif aus. Ausgelegt sind die Masterprogramme bei Ernst & Young für Beschäftigte, aber auch »externe Einsteiger können eine Zusage auf eine Nominierung für das Masterstudium bereits bei der Bewerbung anstreben«.

 

Berufsintegriertes Masterprogramm: ›Master@IBM‹

Zu den Vorreitern zählt ebenso IBM. Mit ›Master@IBM‹ bietet das IT- und Beratungsunternehmen Bachelorabsolventen nach ihrem Abschluss die Möglichkeit, einen Masterabschluss zu erwerben und parallel erste Berufserfahrungen zu sammeln. »Der Schwerpunkt liegt bei den Geschäftsbereichen im Vertrieb und in der Dienstleistungs- und Beratungssparte sowie im IT-Management, aber es werden in der Regel auch Masterstellen im Marketing und Finance ausgeschrieben«, berichtet Katerina Harley von IBM. Zusätzlich wird seit diesem Wintersemester in Kooperation mit der Hochschule Reutlingen der neu konzipierte Studiengang ›Master in Strategic Sales Management‹ angeboten. Auch IBM übernimmt die kompletten Studiengebühren und Reisekosten, zusätzlich steht jedem Studenten ein Studienreferent des Bereichs HR Hochschulprogramme als Coach zu Verfügung. »Es können sich alle Bachelorabsolventen mit überdurchschnittlich guten Noten bewerben, deren Bachelorabschluss nicht länger als sechs bis acht Monate zurückliegt. Die Bewerbungsphase beinhaltet eine schriftliche Bewerbung, ein Interview mit der Fachabteilung und ein Assessment«, erklärt Harley.


Ein Zwang, nach dem Master beim betreuenden Unternehmen zu bleiben, besteht für die Absolventen freilich nicht, doch die weiteren Karriere- (und natürlich auch Gehalts-) perspektiven sind mit dem Master in der Tasche sowohl auf dem unternehmensinternen als auch auf dem externen Arbeitsmarkt bedeutend besser als ohne Master – er ist sozusagen das Salz in der Suppe.


Duales Masterstudium:

Nahezu gleichauf: Im Wintersemester 2014/15 wurden in etwa genauso viele Master- (7.689) wie Bachelorstudiengänge (7.685) in Deutschland angeboten.

(Quelle: Statista)


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18 Prozent der Absolventen aus dem Jahr 2013 erwarben einen Master- und knapp 48 Prozent einen Bachelorabschluss.

Quelle: Statista

Fakten zum Masterstudium

Bachelorstudenten prägen die Hochschullandschaft: Etwa viermal so viele B.A.s – etwa 1,5 Millionen – wie M.A.s – knapp 386.000 – bevölkerten im Wintersemester 2013/14 deutsche Campusse (Quelle: Statista).


Einer Umfrage des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung aus dem Jahr 2011/12 zufolge begründeten eine große Mehrheit (89 Prozent) der Masterstudenten ihre Entscheidung für einen Master mit dem Bestreben, ihre Berufschancen verbessern zu wollen. Das fachliche Interesse war ein ähnlich starkes Motiv sowie für ein Drittel der Befragten die Absicht eines wissenschaftlichen Werdegangs.


Schweizer Studenten legten in einer Umfrage aus dem Jahr 2013 Gründe dar, kein Masterstudium aufzunehmen: Der Wunsch nach beruflicher Erfahrung sowie die bereits erfolgreich erfolgte Jobsuche spielten dabei die größte Rolle, aber auch die Vorstellung davon, dass ein Masterabschluss für den angestrebten beruflichen Werdegang nicht wirklich notwendig ist, fiel schwer ins Gewicht (Quelle: Statista).