Eignet sich ein MBA auch für Wirtschaftswissenschaftler?

Ein MBA ist ein sehr praxisorientierter und auf Lösungen zugeschnittener Studiengang. Er richtet sich vor allem an Manager, die nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben.
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Manager und Vorstände großer Unternehmen verdienen jedes Jahr Millionen. Wie viel man ganz oben an der Spitze der Wirtschaftselite verdienen kann, zeigen die Gehaltsreportings, welche jedes Jahr aufs Neue durch die Medien geistern. Laut Wirtschaftsportal finanzen.net hat im Gehaltsranking 2014 der DAX-Vorstände beispielsweise Reinhard Ploss (Infineon) mehr als 2,2 Millionen Euro verdient – obwohl er noch nicht einmal eine Top 20 Platzierung beim Vorstandsgehalt erreicht hat. Der Weg in die Vorstandsetage führt über Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft. Und natürlich gehört die richtige (Aus)Bildung auch dazu. Kein Wunder also, dass Eltern – und inzwischen auch viele Heranwachsende – einem Studium mehr und mehr Beachtung schenken.

 

Regelmäßig taucht an dieser Stelle die Abkürzung MBA auf. Was verbirgt sich dahinter? Und öffnet das Ganze tatsächlich die Tür in die Chefetage der deutschen DAX-Vorstände? MBA steht für Master of Business Administration. Im Prinzip geht es hier um ein generalisiertes Management-Studium – also die Übernahme von leitenden Funktionen in der Unternehmensführung. Aber: Ein MBA-Studium setzt in aller Regel ein vorausgegangenes grundständiges Studium voraus.

 

Was macht einen MBA besonders?

Wer im Management Karriere machen will, hat viele Optionen: Denn immer mehr Hochschulen bieten neben dem MBA einen Master an. Was sich für Berufsanfänger, Quereinsteiger und Profis eignet. Im Gegensatz zum Master richtet sich der MBA vor allem an Interessenten ohne Wirtschaftsstudium, die sich fit für einen Management-Job machen wollen. Mediziner, Geistes- und Naturwissenschaftler oder Ingenieure – kein Akademiker aus dieser Personengruppe hat auf den ersten Blick das Zeug zum Manager oder Vorstand in einem DAX-Konzern oder Mittelständler. Dr. Dieter Zetsche – Vorstandschef bei Daimler – ist aber das beste Beispiel dafür, dass es diese Personengruppe sehr weit bringen kann. Anders als Betriebswirte, die per se wie geschaffen für einen Managerposten zu sein scheinen, bringen Techniker und Naturwissenschaftler ganz eigene fachliche Kompetenzen mit.

 

Und an genau diese Gruppe richtet sich am Ende auch das MBA-Studium. Der Studiengang ist gedacht für Mediziner, Geistes- und Naturwissenschaftler oder Ingenieure, die Leitungs- und Führungsverantwortung in einem Unternehmen wahrnehmen oder einen höheren Dienstposten im Bereich der öffentlichen Verwaltung anstreben. „Die MBA-Qualifikation ist ganz klar auf Manager mit Berufserfahrung zugeschnitten. Das sind absolute Professionals, die mit der Zusatzausbildung ein bestimmtes Problem lösen wollen. Zum Beispiel ihre Führungsqualitäten verbessern.“, so Milan Klesper, Gründer des Studienführers MBA-Studium.de.

 

Die Besonderheit des Master of Business Administration ist nicht nur die Zielgruppe. Beim MBA richtet sich der Fokus auf allgemeine Management-Kompetenzen – ohne sich zu sehr in Spezialisierungen aufzufächern. Es handelt sich um ein generalistisches Studium, welches ein bereits abgeschlossenes Studium voraussetzt. Der MBA ist übrigens eine US-amerikanische Erfindung und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. In Deutschland entstanden MBA-Studiengänge etwa gegen 1990.

 

Was lohnt sich für Wissenschaftler?

Der MBA verfolgt ein klar definiertes Ziel: Es geht darum, Managementfähigkeiten – also Kompetenzen in der Unternehmensführung – zu entwickeln. In seiner Position innerhalb der verschiedenen akademischen Grade ist der MBA durchaus den anderen Masterstudiengängen, die fachspezifisch ausgerichtet sind, gleichzusetzen.

 

Dementsprechend dauert das MBA-Studium lange und wird mit der zugehörigen Zahl an 300 ECTS-Punkten (European Credit Transfer System) bewertet. Den Abschluss eines MBA bildet die Master Thesis. Soviel zur Theorie. Doch was bringt der Master of Business Administration dem einzelnen Akademiker?

 

Aufgrund der Struktur innerhalb des MBA geht es in erster Linie um Aspekte wie:

 

  • Rechnungswesen
  • Marketing und Vertrieb
  • Recht
  • Mikro- sowie Makoökonomie usw.

 

Alles Bereiche mit denen sich Wirtschaftswissenschaftler von Haus aus beschäftigen. Diese Tatsache erklärt auch, warum nach allgemeiner Auffassung der Master of Business Administration für Wirtschaftswissenschaftler eigentlich nicht bzw. nur bedingt geeignet ist.

 

Was ist für wen zu empfehlen?

Der Master of Business Administration ist kein grundständiges Studium. Dieser Begriff wird heute für alle Studiengänge benutzt, welche zu einem ersten Hochschulabschluss geführt haben. Bis zur Einführung des Bachelor/Master Systems im Zuge der Bologna-Reform galt das Diplom-Studium als grundständig. Angeschlossen hatte sich das Promotionsstudium als postgraduales Studium.

 

Heute sieht die Situation meist wie folgt aus:

  • Bachelor (grundständig)
  • Master (postgradual)
  • Promotionsstudium.

 

Die Aufnahme eines MBA-Studiums ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Leider sind die Zulassungsvoraussetzungen an dieser Stelle nicht einheitlich. Beispiel MBA Gesundheitsmanagement der Uni Hamburg. Hier müssen Interessenten:

 

  • ein Studium über mindestens acht Semester in Medizin, Psychologie, Pädagogik, Gesundheitswissenschaften oder ähnlichen Studienfächern und ein Jahr Berufserfahrung oder
  • ein Studium von wenigstens drei Jahren und ein Jahr Berufserfahrung m sozial- und/oder gesundheitsrelevanten Umfeld und
  • das Auswahlgespräch

 

absolvieren. An diesem Punkt werden verschiedene Sachverhalte klar. Einmal der postgraduale Charakter – und auf der anderen Seite die Tatsache, dass der Master of Business Administration bereits eine gewisse einschlägige Berufserfahrung voraussetzt. Der direkte Anschluss an den Abschluss des grundständigen Bachelors kommt somit nicht in Frage.

 

Gerade der Umfang des vorausgegangenen Erfahrungsumfelds kann je nach Hochschule heute sehr stark variieren. 12 Monate Berufserfahrung sind eine untere Grenze. Einige Hochschulen setzen einen deutlich umfassenderen Fundus an beruflicher Erfahrung voraus. Aufgrund dessen ist der MBA allgemein nur Akademikern mit Berufserfahrung zu empfehlen.

 

Für welches MBA Studium sich Interessenten letztlich entscheiden, hängt von weiteren Fragestellungen ab. Der Hamburger MBA Gesundheitsmanagement setzt sehr klare Anforderungen in Bezug auf die Inhalte des grundständigen Studiums voraus. Der Masterstudiengang Logistik der DIU bleibt flexibler. Hier können sich Absolventen der

 

  • Wirtschaftswissenschaften
  • Geisteswissenschaften
  • Natur- und Ingenieurwissenschaften

 

gleichermaßen auf einen Studienplatz bewerben. Grundsätzlich sollten erster Hochschulabschluss und MBA eine gewisse inhaltliche Nähe zeigen. Des Weiteren ist zu überlegen, wann der beste Moment für das Masterstudium gekommen ist. Zu nah am Bachelor wird bei der Zulassung ein Problem. Bei zu großer zeitlicher Entfernung fällt dagegen nicht nur das Lernen schwerer. Auch das Potenzial droht sich mit zunehmendem Lebensalter zu reduzieren.

 

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Fazit: Der MBA ist für alle Akademiker interessant

Heute nehmen nicht nur Wirtschaftswissenschaftler Führungsverantwortung bis in höchste Kreise wahr. Viele DAX-Vorstände kommen aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Nicht jeder Vorstand hat ein MBA Studium absolviert. Die Fähigkeiten des Masterstudiums ebnen aber nicht selten den Weg die Karriereleiter aufwärts. Und entgegen einer verbreiteten Meinung kann der MBA auch für Betriebswirte eine interessante Option sein – etwa im Hinblick auf die Auffrischung einmal erlernten Wissens und dessen fachspezifischer Vertiefung. Klar muss an diesem Punkt aber auch sein, dass der MBA als postgraduales Studium Zeit und Geld in Anspruch nimmt.

 

Ein Beitrag des externen Autors Manuel Diettrich.

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