Lebenslauf-Optimierungswahn

Wenn der Lebenslauf das Studium und Leben bestimmt

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audimax

»Stress, Stress und nochmals Stress. Der Student von heute ist geplagt wie nie, die psychologischen Beratungsstellen haben alle Hände voll zu tun und die Einnahme von Medikamenten nimmt stetig zu. Wann wurde aus dem Studium, das eine Welt für die Neugierigen und Wissbegierigen eröffnete, ein sechssemestriger Kampf um die besten Noten, die begehrtesten Praktikaplätze und den optimalen Lebenslauf? Wo bleibt das ›Sich-treibenlassen‹, wo die Zeit für Muße? Es scheint, als müsste alles perfekt und auf den Lebenslauf abgestimmt sein. Da Italienisch irgendwie jeder lernt, muss Mandarin her – warten in China doch die spannendsten Karriereperspektiven auf die ambitioniertesten Studierenden. Dementsprechend muss auch das Auslandssemester sein: gewinnbringend.

Networking: Aber bitte nur mit den richtigen Personen!

Also wird der Kontakt nur zu denjenigen gesucht, die einen später eventuell weiterbringen können. Networking ist schließlich das Gebot der Stunde. Welche Themen sich ziemen und wie die Serviette nach dem ersten Gang auf dem Tisch zu liegen hat, weiß der Lebenslaufoptimierer dank samstäglicher Workshops. Und während die Kommilitonen in ihrer Freizeit laufen gehen, weil sie nicht wissen, das dies für den Personalverantwortlichen ein Zeichen von mangelnder Teamfähigkeit sein kann, entdeckt der Optimierer das Segeln für sich. Ist dann noch genügend Zeit, darf der monatliche ehrenamtliche Einsatz im Altenheim nicht fehlen. Zweitrangig, dass nicht das soziale Gewissen danach verlangt, sondern der Lebenslauf-Punkt ›außeruniversitäres Engagement‹. Dass einen die alten Menschen kaum interessieren, tut schließlich nichts zur Sache. Würden sie den Senioren aber ein Ohr schenken, fiele ihnen vielleicht auf, dass diejenigen die spannendsten Geschichten zu erzählen haben, die ihr Leben nach Eigenwillen gelebt haben. Und nicht nach Lebenslauf.«

04.05.2016
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