Geld fürs Auslandspraktikum

Viele Wege führen ins Ausland: Sprachreisen, Auslandssemester, Hochzeit und - Auslandspraktika. Wer dabei nicht draufzahlen will, sollte sich vorher schlau machen, wie er an Geld kommt. Hier einige Geldquellen für Reisewillige.

Geld für dein Praktikum im Ausland

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gabriel77 / sxc.hu

Praktikum in Lima, unterstützt vom DAAD

Raphaela hat’s gemacht. In Lima, bei der Deutschen Botschaft, um genau zu sein: Drei Monate Presse- und Kulturreferat. »Hauptsächlich hab ich da Presseanfragen beantwortet und Bildungsmessen für Schüler und Studenten organisiert«, erzählt die Kulturwissenschaftsstudentin. Das Praktikum hat sie sich vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) finanzieren lassen. Clever – denn billig war’s nicht. »Das lief über’s Programm ‘Kurzstipendien für Praktika in deutschen Außenvertretungen’. Für drei Monate gab’s insgesamt 1.700 Euro. Damit waren Flug und Unterkunft sozusagen wieder drin!«

Wen es in die Ferne zieht, der sollte sich vorher schlau machen, wie es mit Stipendien und anderen finanziellen Zuschüssen aussieht. Denn Hand auf’s Herz: So ‘ne kleine Gelddusche kann doch jeder gut gebrauchen, oder? Aber welche Programme gibt’s eigentlich und wo kannst du dich informieren?

»Der erste Weg führt natürlich ins International Office der Hochschule«
, rät Günter Müller-Graetschel, Referatsleiter Internationaler Praktikantenaustausch (IAESTE) beim DAAD. »Das ist die erste Anlaufstelle, wenn man einen persönlichen Kontakt will.«

Geld fürs Auslandspraktikum: Eigeninitiative nötig!

»Eigeninitiative ist sehr wichtig«, bestätigt Judith Hayer, studentische Hilfskraft beim Akademischen Auslandsamt der Uni Saarbrücken. »Man sollte sich als erstes klar machen: In welchem Betrieb oder welcher Institution will ich ein Praktikum machen und für welches Land interessiere ich mich überhaupt.« Und das möglichst frühzeitig, denn je nach Land und Betrieb kann es mehrere Monate dauern bis eine Antwort kommt. »Und die Fristen für die Anträge auf Förderung liegen zwischen einem und sechs Monaten.« Judith Hayer empfiehlt daher »idealerweise eine Vorlaufzeit von gut einem Jahr für außereuropäische Länder und mindestens einem halben Jahr für europäische Länder. Bei begehrten Institutionen wie dem Goethe-Institut beispielsweise sollte man sich generell sehr frühzeitig bewerben«.

Hast du deinen Praktikumsplatz dann in der Tasche (mit Einladung deines Praktikumgebers!), kannst du dich bei verschiedenen Programmen bewerben. So bietet der DAAD z.B. ‘Fahrtkostenzuschüsse für Auslandspraktika’ an. »Sozusagen als niedrigste Stufe der Förderung: Kleines Geld für Viele«, so Günter Müller-Graetschel. »Das fängt bei rund 110 Euro an und geht bis knapp 600 Euro.« Entscheidend hierfür: Die Entfernung und der Flugpreis. Das Programm unterstützt Studierende aller Fachrichtungen bei Auslandspraktika von zwei bis sechs Monaten – ausgenommen in EU-Staaten, der Schweiz, Norwegen und Liechtenstein. Spätestens zwei Monate vor Praktikumsbeginn müssen die Unterlagen (u.a. ein Nachweis der Sprachkenntnisse und eine Bescheinigung der Fakultät) beim DAAD vorliegen.

Kurzstipendien: Geld für dein Praktikum im Ausland

Für wen das Peanuts sind, der ist vielleicht mit den Kurzstipendien des DAAD besser beraten. »Dieser Topf ist im Jahr mit 850.000 Euro gefüllt«, verrät Günter Müller-Graetschel. Kurzstipendien gibt es für ‘Praktika im Rahmen von auslandsbezogenen Studiengängen’ und ‘selbstbeschafften Praktika in internationalen Organisationen oder deutschen Außenvertretungen’. »Hierbei geben wir nicht nur Zuschüsse zu den Flugkosten, sondern auch zu den Lebenshaltungskosten. Die Teilstipendienrate liegt bei etwa 300 Euro im Monat, maximal drei Monate lang. Das heißt: Man kann schon mit 1.000 bis 2.000 Euro rechnen.« Jedoch nur, wenn die einladende Institution keine Praktikumsvergütung zahlt und das Praktikum mindestens zwei Monate dauert.

»Und dann haben wir noch das Carlo-Schmid-Programm: Da geht’s darum, gezielt Deutsche als Praktikanten in internationalen Organisationen unterzubringen.« Das allerdings ist nicht für jeden Allerweltsstudi gedacht. Müller-Graetschel: »Das Programm richtet sich an Hochbegabte: herausragende Studierende und Absolventen, die zwei Fremdsprachen fließend sprechen und sich zutrauen, eine recht anspruchsvolle Auswahlprozedur zu überstehen. In der Regel gibt es 400 bis 600 Bewerber auf 85 Plätze. Wir machen das jetzt im sechsten Jahr und der Erfolg gibt uns Recht.« Soll heißen: Wer die drei bis zehn Monate Carlo-Schmid geschafft hat, hat keine schlechten Karriereaussichten im internationalen Bereich.

Leonardo-Programm: 500 Euro pro Monat

Alle, die weder hochbegabt sind noch aus good old Europe raus wollen, können es auch über das EU-Programm LEONARDO DA VINCI versuchen. Judith Hayer: »Das LEONARDO-Programm unterstützt studienbezogene Unternehmenspraktika mit einer Mindestdauer von drei Monaten. Der Praktikant erhält dabei einen monatlichen Zuschuss von bis zu 500 Euro.« Also gar nicht so schlecht.

Weitere Anlaufstellen – je nach Studienfach – sind auch das Deutsche Komitee der International Association for the Exchange of Students for Technical Experience (IAESTE) und verschiedene Verbände und Organisationen wie beispielsweise das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) oder der Pädagogische Austauschdienst. Und auch einige Stiftungen unterstützen dich bei deinen Auslandsambitionen. Eine umfangreiche Übersicht findest du unter: www.stiftungsindex.de

Du siehst: Es gibt mehr als eine Möglichkeit, an Geld zu kommen. Vorausgesetzt, du fängst früh genug an. Und lohnen tut’s sich auf jeden Fall. Raphaela: »Die Zeit in Peru war die beste des ganzen Studiums! Ich kann echt nur jedem empfehlen, ein Auslandspraktikum zu machen.«

INFO: www.daad.de www.iaeste.de eu.daad.de www.bvmd.de www.dfjw.org www.kmk.org/pad/home.htm www.stiftungsindex.de www.wege-ins-ausland.org www.rausvonzuhaus.de

21.11.2011
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