MINT-Förderung durch Stiftungen und Organisationen

Wie Initiativen, Stiftungen und Organisationen sich für die MINT-Fächer einsetzen

MINT-Förderung durch Stiftungen und Organisationen

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Uarewhatulove / Quelle:PHOTOCASE

Eines steht schon mal fest: Ohne MINT wären wir alle ziemlich planlos. Schließlich ziehen sich Aspekte der Mathematik, der Natur- und Technikwissenschaften durch unser ganzes Leben. Sagt Dr. Jörg Maxton-Küchenmeister. Und er muss es wissen, ist er nicht nur Diplom-Biologe und Kommunikationswirt, sondern auch Bereichsleiter Naturwissenschaften bei der Joachim Herz Stiftung, die sich die Förderung der Naturwissenschaften bei jungen Menschen auf die Fahnen geschrieben hat. Und das aus gutem Grund:


»Um die Technik richtig zu verstehen, um beispielsweise beurteilen zu können, ob Handystrahlen gefährlich sind, braucht es ein Grundverständnis für MINT-Fächer«, erklärt der 46-Jährige.


Denn dieses Grundverständnis ist ausschlaggebend dafür, damit eine Gesellschaft innovationsfähig bleibt. Gute Nachwuchsforscher braucht das Land und je früher die Förderung beginnt, desto mehr werden es. Außerdem könne man sich heutzutage nicht sinnvoll am gesellschaftlichen Leben und Diskursen beteiligen, ohne ein Grundverständnis in den MINT-Fächern zu haben, konstatiert Maxton-Küchenmeister weiter: »Deshalb würde ich mir sehr wünschen, dass zukünftig gerade auch Nicht-Naturwissenschaftler hier kompetenter mitreden können – seien es Politiker, Lehrer, Richter, Banker oder Theologen.«

Aus diesem Grund fördert die Stiftung die Zusammenarbeit von Schulen mit außerschulischen Lernorten wie Universitäten, Forschungslaboren oder Vereinen, um den naturwissenschaftlichen Unterricht mit Naturbeobachtungen und eigenen Experimenten zu ergänzen und darum, »junge Menschen in ihrer Persönlichkeit zu stärken, sie zu selbstbestimmten und verantwortungsbewusstem Handeln zu ermutigen«, wie Maxton-Küchenmeister weiter betont.

MINT-Förderung wird immer wichtiger

 

»... und die dank guter schulischer Leistungen in den MINT-Fächern die beste Voraussetzung haben, vielfältige und krisensichere Berufe ergreifen zu können«, ergänzt Norbert Dohms, Dezernent an der Hochschule Bochum und Vorstandsmitglied der MINT-Stiftung Ruhr-Vest. Damit der Spaßfaktor beim Lernen aber nicht zu kurz kommt, baut auch diese Stiftung, die 2006 vom Arbeitgeberverband Metall gegründet wurde und im mittleren Ruhrgebiet und dem Kreis Recklinghausen aktiv ist, unter anderem auf experimentelles Lernen, um das Forschungsinteresse zu wecken. Alle Fördermaßnahmen konzentrieren sich dabei auf die Unterstützung der Studien- und Berufsorientierung. Die Stiftung unterstützt weiter kleinere Projektvorhaben in Schulen und Einrichtungen mit einem finanziellen Zuschuss. Pro Jahr führt die Ruhr-Vest-Stiftung in seinem Gebiet etwa 550 attraktive Maßnahmen zur Studien- und Berufsorientierung durch:


»Soweit es möglich ist, sollten Politiker den Beruf der Lehrer insbesondere in MINT-Fächern fördern und in einem positiven Kontext darstellen. Denn gut qualifizierte und mit der beruflichen Praxis vertrauten Lehrer sind die besten Garanten für motivierten MINT-Nachwuchs«, führt der 56-Jährige aus.


Dass der Nachwuchs immer MINT-orientierter ist, merkt auch Marc-Philipp Unger von MLP. Das Unternehmen setzt das Programm ›MINT Excellence‹ um, das sein Gründer Manfred Lautenschläger über seine Stiftung ins Leben gerufen hat. Es fördert herausragende Menschen, »die durch ihr Wissen und ihr Engagement unsere Gesellschaft voranbringen können«, führt Unger aus.Seit Beginn des Stipendienprogramms im Jahr 2012 hat die Stiftung an 91 Studenten das Stipendium vergeben. Zwei Jahre werden die Stipendiaten mit jeweils 750 Euro pro Semester unterstützt. Dabei haben grundsätzlich alle Studierenden aus den MINT-Fächern die Chance auf ein Stipendium, wie Unger erklärt: »Um den verschiedenen Stärken der Studenten gerecht zu werden haben wir im Förderprogramm drei Kategorien, in denen jeweils zehn Stipendien vergeben werden – für überdurchschnittliche Studienleistungen, für soziales Engagement sowie für besonders wissenschaftliche Leistungen.« Wie man an die Förderung kommt? »Mit ihren Bewerbungsunterlagen und einem Motivationsschreiben können uns Bewerber dann überzeugen, warum sie für das jeweilige Stipendium in Frage kommen. Doch profitieren nicht nur 30 Studenten für zwei Jahre vom MINT-Excellence-Stipendienprogramm: Die 300 besten Bewerber erhalten Zugang zum MINT-Excellence-Netzwerk, das regelmäßig Vorträge und Workshops bietet, in denen sich die Studenten Schlüsselkompetenzen für einen erfolgreichen Start in den Beruf aneignen können und bei Netzwerktreffen die Möglichkeit haben, wichtige Kontakte zur Branche zu knüpfen.

Gutes Netzwerk für MINT

 

Ein gutes Netzwerk öffnet dabei aber nicht nur viele Türen, es trägt auch dazu bei, dass sich Gleichgesinnte treffen und austauschen können. Ein Beispiel hierfür ist ›think ING.‹, die gemeinsame Initiative der Industrie- und Ingenieurverbände Arbeitgeberverband Gesamtmetall, VDMA, ZVEI, VDI, VDE und VDA, die 1998 ins Leben gerufen wurde. Neben zahlreichen Initiativen hat think ING. unter anderem das Exzellenz-Schulnetzwerk ›MINT-EC‹ und das europäische Lehrernetzwerk ›Science on stage‹ vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben. Ein besonderes Projekt ist dabei ›Promotion of Migrants in Science Education‹ (PROMISE), das Mädchen mit Migrationshintergrund an Naturwissenschaften heranführen soll. »Hier werden gleich zwei wichtige Punkte angepackt: »Zum einen werden mehr Mädchen an MINT herangeführt und zum anderen müssen Mädchen mit Migrationshintergrund anders gestützt und gefördert werden«, sagt Wolfgang Gollub, Leiter Nachwuchssicherung von think ING. Konkret geht es dabei darum, traditionell bedingten Problemen oder Herausforderungen zu begegnen, wie dafür zu sorgen, dass die Mädchen an der Uni an Abendveranstaltungen teilnehmen dürfen beziehungsweise dass das Mädchen überhaupt das vermeintliche ›Jungsfach‹ studieren darf. Außerdem spielt auch die Vermittlung ausreichender Sprachkompetenz eine wichtige Rolle bei PROMISE. Das Projekt, das an der an der Humboldt-Uni Berlin im Bereich Physik und Chemie durchgeführt wird, trägt erste Früchte: »Wir haben inzwischen eine Reihe von Mentorinnen, die an dem Programm teilgenommen haben und jetzt Schülerinnen in Physik und Chemie betreuen«, resümiert Gollub.

Allgemein werden das Wissen und das Know-how von Frauen für den Innovationserhalt immer wichtiger, weshalb sie stärker für die MINT-Fächer interessiert und begeistert werden müssen: »Auch für zukünftige Entwicklungen sind die Ideen von Frauen unverzichtbar«, sagt Gudrun Bauer, Vorstand der MTU Studien-Stiftung. Einmal im Jahr finden deshalb die Stiftungstage statt. Diese bieten den teilnehmenden Studentinnen die Möglichkeit, überfachliche Qualifikationen für den späteren Berufseinstieg zu erlernen. Zwei bis drei herausragende Studentinnen werden dabei ausgewählt und erhalten über die Dauer von zwei Jahren nicht nur finanzielle Unterstützung, um Auslandsaufenthalte, Sprachkurse oder Seminare zu realisieren, sondern werden ihnen ebenso Praktika, Werkstudententätigkeiten, Bachelor- sowie Masterarbeiten und ein persönliches Mentoring vermittelt: »In der heutigen Arbeitswelt ist es entscheidend, soziale und methodische Schlüsselkompetenzen zu besitzen, um im Job erfolgreich zu sein. Wir möchten diese berufsrelevanten Kompetenzen fördern, um die Studentinnen auf den Berufsalltag vorzubereiten«, erklärt Lili Scheiermann, die wie auch Bauer im Vorstand der Stiftung tätig ist.

Ob nun spezielle Frauenförderung oder allgemeine Unterstützung des MINT-Bereichs – zweifellos zeigen diese Beispiele, dass sich das Engagement lohnt. Denn über den MINT-Fachkräftemangel zu lamentieren ist einfach, effektiver ist es allerdings, solange mit anzupacken, bis dieser Ausdruck nur noch eine hohle Phrase ist. Was die hier genannten Beispiele mehr als eindrucksvoll beweisen.

07.07.2014
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