Stipendium: Deine Persönlichkeit entscheidet!

Stipendiengeber suchen Hochbegabte. Doch das heißt nicht, dass du einen IQ von über 130 haben musst. Denn nicht zuletzt entscheidet auch deine Persönlichkeit. Deshalb: Trau dich! Vielleicht bist du ja genau der oder die Richtige.

Studien- und Graduiertenförderung

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Aid Box

Stips pendere – der lateinische Ursprung für unser deutsches Wort ‘Stipendium’ – bedeutet schlicht und ergreifend ‘einen Geldbetrag bezahlen’. Doch so einfach ist die ganze Sache bei Weitem nicht. Hochbegabung, Verantwortungseliten, soziales Engagement, ideelle Förderung – all diese Begriffe spielen eine mindestens genauso wichtige Rolle bei der Studien- und Graduiertenförderung in Deutschland wie die rein finanzielle Unterstützung.

Was bedeutet eigentlich 'hochbegabt'?

Doch der Reihe nach: Was heißt überhaupt hochbegabt? Reicht es aus, wenn ich in meinem Studium bisher sehr gute Noten erzielt habe? Nein.

»Begabung sollte auch immer die besondere Verantwortung beinhalten, sich in die Gesellschaft einzubringen. Wir brauchen Eliten, bei denen fachliche Leistung und ein festes Wertefundament zwei Seiten ein und derselben Medaille sind«
, führt Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), aus.

So sehen es ebenso die elf Begabtenförderungswerke, die vom BMBF für 2009 über 132 Millionen Euro für Begabtenförderung zur Verfügung gestellt bekommen.

Welche Stiftungen gibt es?

Zum einen gibt es parteinahe Stiftungen:

  • Konrad-Adenauer-Stiftung
  • Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Friedrich-Naumann-Stiftung
  • Hanns-Seidel-Stiftung
  • Heinrich-Böll-Stiftung
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung

Die kirchlichen Begabtenförderungswerke Cusanuswerk und das Evangelische Studienwerk,die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, die Stiftung der Deutschen Wirtschaft der Arbeitgeberverbände sowie die politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängige Studienstiftung des deutschen Volkes.

Stipendium: gesellschaftliches Engagement wichtig

Alle Förderungswerke erwarten von ihren Bewerbern neben über­durchschnittlichen Leistungen in Schule und Studium auch gesellschaftliches Engagement. Ob man sich allerdings als Fachschaftsvertreter für die Belange seines Studienfachs einsetzt, parteipolitisch aktiv ist oder eine Jugendfußballmannschaft trainiert, hängt von der jeweiligen Stiftung ab. »Wer sich bei einem der Werke bewerben möchte, sollte vorher feststellen, welches Förderungswerk am besten zu den eigenen Vorstellungen passt«, rät auch Andreas Storm. Mit Ausnahme der Studienstiftung des deutschen Volkes, für die Studierende von einem Schulleiter oder Hochschullehrer vorgeschlagen werden müssen, gilt das Prinzip der Selbstbewerbung. Ist die schriftliche Hürde erst geschafft, erwarten Stipendiumsanwärter Einzelgespräche und Auswahltage. Mit den Mitteln des BMBF erreichen die elf Begabtenförderungswerke derzeit über ein Prozent aller Studierenden in Deutschland. 2008 waren das immerhin 20.846 Stipendiaten. Neben einer monatlichen Finanzspritze von bis zu 644 Euro – für Promotionsstipendiaten gibt es monatlich bis zu 1.150 Euro –, Geld für Bücher oder Forschungsreisen, Familienzuschlag und Kinderbetreuungskosten sowie Zuschüssen für Auslandsaufenthalte legen alle Werke besonderen Wert auf die ideelle Förderung: Auf Seminaren, Tagungen und Ferienakademien sollen sich die Stipendiaten fächerübergreifend fortbilden, sie können sich von einem der Vertrauensdozenten vor Ort beraten lassen und die zahlreichen Alumni-Netzwerke nutzen, um Kontakte zu Ehemaligen zu knüpfen. Ziel sei es, so der Parlamentarische Staatssekretär, talentierten jungen Frauen und Männern Grundwerte und Schlüsselkompetenzen zu vermitteln sowie ihre Sozial- und Kommunikationskompetenz auszubauen. »Das ist die Voraussetzung dafür, morgen Wissenschaft mit Verantwortung verbinden zu können«, betont Storm.

Rund ein weiteres Prozent der Studenten in Deutschland erhält Unterstützung durch andere Stiftungen und Träger. Das ergab die vom Hochschul-Informations-System durchgeführte 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. So fördern derzeit laut des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen 2.220 Stiftungen Studierende sowie den wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchs monetär, ideell oder materiell. Weiterhin sind der Dachorganisation 470 Stiftungen bekannt, die jährlich rund 242 Millionen Euro in die deutsche Hochschullandschaft einbringen, etwa in Form von Stipendien, aber auch durch die Initiierung von Forschungsprojekten. Hier nach einem möglichen Stipendiengeber zu suchen, lohnt sich allemal, da die Anforderungen an Bewerber nicht durchweg so hoch sind wie bei den elf Begabtenförderungswerken.

Kleinere Stiftungen: Studienfach, Herkunft, Beruf der Eltern

Entscheidend kann bei kleineren Stiftungen das Studienfach, die Herkunft oder auch der Beruf der Eltern sein. So vergibt beispielsweise die Oscar und Vera Ritter Stiftung Stipendien an hochbegabte Nachwuchsmusiker und Komponisten. Die Hans-Mühlenhoff-Stiftung fördert Studierende und Nachwuchswissenschaftler der Naturwissenschaften und Volkswirtschaft an der Universität Osnabrück. Und die Regierungsrat-Paul-Meyer-Stiftung unterstützt Kinder von Eisenbahnern, die später ebenfalls Karriere in diesem Bereich machen wollen.

Überdies existieren zahlreiche Förderprogramme von Unternehmen. Neben finanzieller Unterstützung bieten sie häufig den Erwerb praktischer Kenntnisse. Im Rahmen des Firmenstipendiums können die Geförderten Praktika absolvieren, an firmeninternen Workshops teilnehmen oder ihre Abschlussarbeit im Unternehmen schreiben. Ziel ist es, begabte Studierende möglichst früh an das eigene Unternehmen zu binden. Bei all diesen Stipendien – ob von Stiftung oder Unternehmen – müssen sich Anwärter allerdings früh informieren, denn die Anzahl der Plätze ist begrenzt.

Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder

Florian Mauch hat einen etwas anderen Weg gewählt. Nach seinem Diplomstudium in ‘Electrical Engineering’ an der Fachhochschule Furtwangen arbeitete er zunächst als Entwicklungsingenieur in der Industrie. Doch irgendwie zog es ihn wieder in die Wissenschaft. »Ich hatte den Wunsch, noch einmal mehr Zeit mit den wissenschaftlichen Aspekten meiner Arbeit verbringen zu können«, erinnert sich der 27-Jährige. Deshalb entschied er sich, dem Berufsleben vorerst wieder den Rücken zu kehren, um den Masterstudiengang ‘Optics & Photonics’ an der Karlsruhe School of Optics & Photonics (KSOP), Universität Karlsruhe (TH), zu beginnen.

Aufgrund seiner hervorragenden Studienleistungen und seines Engagements für den Studiengang konnte er für sein zweites Masterjahr sogar ein Stipendium ergattern. Es wird zunächst für ein Jahr mit der Möglichkeit um Verlängerung gewährt und umfasst finanzielle Unterstützung in Höhe von 400 Euro monatlich sowie ideelle Förderung durch die Teilnahme an den Veranstaltungen der KSOP. Florian Mauch schätzt an diesem Stipendium insbesondere, dass »es ungemein erleichtert, ein Forschungsprojekt innerhalb einer der an der KSOP beteiligten Arbeitsgruppen zu finden«. Seine Entscheidung, noch einmal die Studienbank zu drücken, hat er bisher nicht bereut. Im Gegenteil: »Ich beabsichtige, auf jeden Fall eine Promotion dranzuhängen.« Mit oder ohne Stipendium – das wird sich noch zeigen.

Die KSOP ist eine von insgesamt 39 Graduiertenschulen, die im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder eingerichtet wurden. Die Exzellenzinitiative soll herausragende Forschungsprojekte und -einrichtungen an den deutschen Universitäten fördern, in den Graduiertenschulen soll diese Förderung der Spitzenforschung mit der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verknüpft werden. »Unser Ziel ist es, hoch qualifizierten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern optimale Forschungsmöglichkeiten in einem international herausragenden Umfeld zu ermöglichen, sie für die Wissenschaft zu begeistern und langfristig in der Wissenschaft zu halten«, erläutert Dr. Annette Schmidtmann. Sie leitet die Gruppe Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen, Nachwuchsförderung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die die Exzellenzinitiative gemeinsam mit dem Wissenschaftsrat durchgeführt hat. Die darin bewilligten Graduiertenschulen werden zunächst für die Dauer von fünf Jahren gefördert. Jede Schule erhält durchschnittlich eine Million Euro pro Jahr. Die DFG selbst unterstützt als größte Forschungsförderorganisation in Deutschland darüber hinaus derzeit rund 240 Graduiertenkollegs, an denen rund 6.000 Doktoranden an ihrer Dissertation arbeiten. 41 Prozent von ihnen sind Frauen.

»Während die Graduiertenschulen deutlich größer und fachlich breiter angelegt sind – dort können schon mal 200 bis 300 Doktoranden gleichzeitig arbeiten –, umfassen die Graduiertenkollegs ein deutlich enger fokussiertes wissenschaftliches Rahmenthema, an dem weitaus weniger Wissenschaftler gemeinsam arbeiten«, erläutert Schmidtmann einige Unterschiede zwischen Graduiertenschule und -kolleg.

Schätzungen zufolge absolvieren derzeit 15 bis 20 Prozent aller Doktoranden in Deutschland ein solches strukturiertes Promotionsprogramm. Neben einem Stipendium können die Doktoranden hier ein erhöhtes Maß an Betreuung durch anerkannte Wissenschaftler, ein innovatives und interdisziplinäres wissenschaftliches Umfeld sowie ein integriertes Studienprogramm zum Erwerb weiterer Qualifikationen und Soft Skills erwarten. Dafür sollten sie ihrerseits ein überdurchschnittlich und zügig abgeschlossenes Studium sowie Interesse an wissenschaftlichem Arbeiten mitbringen und im Idealfall während ihres Studiums bereits an wissenschaftlichen Forschungsprojekten mitgearbeitet haben.

Promotionsstipendien

Wer lieber ohne infrastrukturellen Rahmen als Externer mit einem Stipendium in der Tasche promovieren möchte, dem bieten neben den Begabtenförderungswerken zahlreiche Stiftungen spezielle Promotionsstipendien an. Mit einem Fördervolumen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr gilt die VolkswagenStiftung als die leistungsstärkste wissenschaftsfördernde Stiftung in Deutschland. Allerdings vergibt die Stiftung Stipendien nur im Rahmen ihrer Förderinitiativen, für Graduierte ohne Promotion beträgt das Grundstipendium monatlich 1.400 Euro. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt beispielsweise fokussiert ihre Förderung auf Promotions- und Habitilationsvorhaben mit einem Schwerpunkt auf Umwelt und Umweltschutz.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Fazit ist: Für fast jede Fachrichtung, Gesinnung oder Forschungsfrage gibt es ein Stipendium. Nur finden muss man es und die nötigen Qualifikationen vorweisen, um in seinen Genuss zu kommen. Allen Stipendien ist allerdings gemein, dass die finanzielle Unterstützung lediglich von begrenzter Dauer ist, Stipendiaten jedoch von der ideellen Förderung meist ein Leben lang zehren.

14.01.2013
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