Rechte und Pflichten von Trainees: Arbeitsvertrag unter der Lupe

Trainee ist Trainee? Eben nicht! Ein genauer Blick in den Arbeitsvertrag lohnt sich. Unser Expertin Nadine Goebel weiß, worauf du achten musst.

Frau Goebel, was muss in einem Vertrag für Trainees auf jeden Fall stehen?
Da die Unterschiede zwischen den einzelnen angebotenen Traineestellen zu groß sind, gibt es keine allgemeingültigen Musterarbeitsverträge für Trainees. Dennoch sollten in einem Vertrag wichtige Punkte wie die namentliche Nennung der Vertragsparteien sowie die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses verbindlich geregelt werden. Nur wenige Unternehmen bieten ihren Trainees von Anfang an unbefristete Verträge an. Die Mehrzahl der Verträge ist für die Dauer des Traineeprogramms befristet, wobei Zeiträume zwischen sechs und 24 Monate üblich sind. Einen befristeten Vertrag zu haben, bedeutet, dass mit Beendigung des Programms das Arbeitsverhältnis automatisch endet, ohne dass es einer Kündigung bedarf. Bei einer Übernahme muss folglich ein neuer Vertrag aufgesetzt werden. Ferner sollte das Augenmerk auf eine detaillierte Tätigkeitsbeschreibung und einen Aufbau- und Ablaufplan des Programms gelegt werden: Je genauer diese Punkte formuliert sind, desto weniger Streitpunkte wird es geben. Vor allem sollte auch auf die Regelung des Beschäftigungsortes geachtet werden – je nach Regelung kann der Arbeitgeber berechtigt sein, den Trainee an verschiedenen Standorten, bundesweit oder sogar weltweit einzusetzen. Was natürlich auch nicht fehlen darf, sind die Regelungen zum Gehalt, zum Urlaub und zur Kündigungsmöglichkeit.

Welche Aufgaben muss der Trainee nicht ausführen, welche aber schon?
Welche Tätigkeiten der Arbeitgeber verlangen darf und welche der Trainee zu leisten hat, wird sich regelmäßig aus der Tätigkeitsbeschreibung im Arbeitsvertrag ergeben. Enthält der Arbeitsvertrag hierzu keine Regelungen, darf der Arbeitgeber dem Trainee jede Tätigkeit zuweisen, die dem Berufsbild entspricht. Unzulässig dürfte aber die Zuweisung unterwertiger Tätigkeiten, wie beispielsweise Kaffeekochen oder die Erledigung von Kopierarbeiten, sein.

Inwieweit ist das Gehalt geregelt?
Ebenso wie die Unternehmen nicht an bestimmte Programminhalte oder -abläufe gebunden sind, gibt es auch keine verbindlichen Regelungen zur Höhe und Zusammensetzung von Traineegehältern. Die Höhe des Gehaltes kann daher je nach Firma sehr unterschiedlich ausfallen. Die wichtigsten Faktoren für die Gehaltshöhe sind die Größe und Branche des Unternehmens.

Wie viel Verantwortung dürfen/müssen Trainees übernehmen?
Ein gutes Traineeprogramm zeichnet sich dadurch aus, dass dem Trainee die Möglichkeit eingeräumt ist, frühzeitig Verantwortung für einzelne Aufgaben oder Projekte zu übernehmen. Dies hat den Vorteil, dass theoretisch erlangtes Wissen unmittelbar in die Praxis umgesetzt werden kann. Trainees sollten daher keine Angst vor Verantwortung haben. Hier gilt das viel zitierte Sprichwort: Man wächst mit seinen Aufgaben. Zudem stellen viele Unternehmen den Trainees erfahrene Paten oder Mentoren zur Seite, die als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Welche Möglichkeiten haben Trainees, wenn im Vertrag formulierte Lehrstationen nicht eingehalten werden?
Werden diese nicht eingehalten, sollte der Trainee zunächst das Gespräch mit dem Unternehmen suchen. In den meisten Fällen kann so bereits eine Lösung herbeigeführt werden. Bleibt das Gespräch ohne Erfolg, kann der Trainee seinen Arbeitgeber abmahnen. Aus Beweisgründen sollte dies stets schriftlich erfolgen. In diesem Fall sollte der Trainee den Arbeitgeber unter Verweis auf konkrete Lehrstationen auffordern, den vertraglichen Regelungen nachzukommen. Hierzu kann er auch eine Frist vorgeben. Bleibt auch dies erfolglos, kann der Trainee berechtigt sein, den Traineevertrag zu kündigen.

Viele Trainees verpflichten sich, nach der Ausbildung bei dem Unternehmen zu bleiben. Gibt es trotzdem Wege, aus dem Vertrag zu kommen?
Unternehmen investieren in die Ausbildung von Trainees viel Zeit und Geld. Verständlich ist daher, dass sie Trainees auch nach Ende der Ausbildung an sich binden wollen. Praktisch umgesetzt wird dies meist durch die Vereinbarung langer Kündigungsfristen oder sogar durch den Ausschluss der ordentlichen Kündigungsmöglichkeit. Will der Trainee in solchen Fällen dennoch vorzeitig aus dem Vertrag kommen, bleibt ihm nur noch der Abschluss eines Aufhebungsvertrages, der aber das Einverständnis des Arbeitgebers voraussetzt.

Welche Bemerkungen sind im Vertrag nicht erlaubt, die sich aber als vermeintlich legale Vermerke tarnen?
In den letzten Jahren haben Arbeitsgerichte eine Vielzahl von Vertragsklauseln für unwirksam erklärt, weil sie beispielsweise nicht klar und verständlich sind und damit den Arbeitnehmer unangemessen benachteiligen. Dennoch verwenden einige Arbeitgeber weiterhin vorformulierte Vertragsmuster, sei es bewusst oder unbewusst, die unwirksame Klauseln enthalten. Verbietet das Unternehmen dem Trainee beispielsweise nach der Kündigung jegliche Konkurrenztätigkeit, ohne hierfür eine Entschädigung zu zahlen, stellt dies eine unwirksame Regelung dar. Unwirksam ist auch ein Passus, wonach mit dem Gehalt jegliche Überstunden des Trainees abgegolten sind. Auch im Arbeitsvertrag enthaltene Ausschlussklauseln, wonach die Parteien innerhalb bestimmter Fristen ihre Ansprüche geltend machen müssen, können unwirksam sein. Dies gilt vor allem dann, wenn die Ausschlussfrist nur für Ansprüche des Trainees gelten soll. 


Unsere Expertin Nadine Goebel:
Die 33-Jährige hat an der Freien Universität Berlin ein Studium der Rechtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht absolviert. Seit 2007 arbeitet sie als Rechtsanwältin in der Anwaltskanzlei Glock & Professionals in Berlin und ist seit 2011 Fachanwältin für Arbeitsrecht.