Der Einsteig als Trainee - wie ist der gedacht? Foto: @madebymarius/unsplash

Einsteigen als Trainee: Ein Überblick

Was steckt eigentlich hinter der Idee, per Traineeprogramm ins Berufsleben zu starten? Wir haben nachgefragt

Es klingt eigentlich fast ein bisschen zu gut, als dass ich als Bewerber nicht skeptisch werde: sanfter Einstieg, tiefe Einblicke in mehrere Abteilungen, Auslandsstation, fester Mentor, maßgeschneiderte Fortbildungs­möglich­keiten, beste Networking-Bedingungen – wo ist der Haken? Und warum bieten Unternehmen ihrem Nachwuchs eine so gestylte Einstiegswelt – also, nicht, dass wir uns beschweren wollen, aber waren Lehrjahre eigentlich nicht mal alles andere als Herrenjahre? 

Nun, es gibt zwei Antworten auf diese Frage. Zum einen wütet da draußen in der Arbeitswelt der War of Talents. Der Wettstreit um talentierte Nachwuchskräfte nimmt mit der Digitalisierungs- und Internationalisierungswelle nochmal ordentlich Fahrt auf. Denn längst locken auch Global Player wie Google und Apple mit ihren aufgehübschten Campi, Spitzengehältern und Machermentalität an Traumstandorte wie etwa die kalifornische Küste. Deutsche Unternehmen im schwäbischen oder niedersächsischen Hinterland müssen da schon etwas bieten, um die besten Köpfe nicht an die Konkurrenz zu verlieren.  

Und zweitens: Auch die Unternehmen profitieren von der gepamperten Investition in die Nachwuchskraft – denn Führungspositionen wollen ausgefüllt werden: »Um die Herausforderungen der Energiebranche zu bewältigen, benötigen wir eine dynamische und internationale Mannschaft«, erklärt Dr. Silke Ondrusch, People Development Grid & Infrastructure von Innogy. Das Unternehmen biete nun seit über 15 Jahren ein International Graduate Program an. »Viele der Teilnehmer haben sich nach Abschluss des Programms in Führungsfunktionen entwickelt«, so Ondrusch weiter. Der Zugewinn für das Unternehmen zeigt sich beim Blick auf die Zahlen deutlich: drei Jahre nach Abschluss des Programms befinden sich 38 Prozent der Graduates in leitenden Führungsfunktionen, nach fünf Jahren sind es sogar 45 Prozent der Teilnehmer. 

Wer die Vorzüge eines Einstiegsprogramms – das kann ein generalistisches oder fachspezifisches Trainee-, beziehungsweise Graduate Programm oder aber ein Volontariat sein – genießen möchte, sollte einiges mitbringen. Etwa einen sehr guten Abschluss, Auslandserfahrungen, sichere Englischkenntnisse, und idealerweise überschneiden sich die Studieninhalte mit dem Wunscheinsatzgebiet, legt Giuseppina Scuzzarello-Eichmeier, zuständig für Employer Branding bei AXA Deutschland, dar. 

Der Bewerbungsprozess kann dann mitunter etwas Durchhaltevermögen erfordern: Schriftliche Bewerbung mit Motivationsschreiben, Skype-Interview und  Assessment-Center waren die Hürden, die etwa Charlott Hurmerinta, CEO-Trainee bei der Architektur- und Ingenieurberatung Sweco, zu nehmen hatte. Obwohl sie bereits als Projektmanagerin bei Sweco arbeitete, ergriff sie die Chance, ihr Wissen in Unternehmensführung als CEO-Trainee im Stockholmer Hauptsitz auszubauen. Hierfür begleitet Hurmerinta den CEO Tomas Carlsson bei allem, was er tut. »Mir wird langsam klar, wie aufwendig das Traineeprogramm für Sweco und für Tomas ist. Nicht nur, was das Organisatorische betrifft. Tomas muss immer berücksichtigen, dass da ein Trainee ist, der ihm auf Schritt und Tritt folgt und dem er einiges erklären muss«, so die Finnin Hurmerinta. Eine lohnende Investition – für beide Seiten. 


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