Ilja Ruvinski

»Bei Problemen immer zuerst den friedlichen Weg wählen«

Was Trainees machen dürfen, sollen, müssen und woran sich ein gutes Traineeprogramm erkennen lässt, weiß Rechtsanwalt Ilja Ruvinskij

Herr Ruvinskij, worauf sollten Trainees allgemein achten, bevor sie ihren Vertrag unterschreiben? Ganz allgemein sollte man als Trainee mit den zentralen Bestimmungen des Arbeitsvertrags einverstanden sein. Eckpunkte wie Vertragsdauer, Arbeitsort, Arbeitszeit, Arbeitsentgelt, Urlaub sollten einem zusagen. Da man sich fachliche Kompetenzen aneignen möchte, die dem persönlichen Profil entsprechen, sollte besonderes Augenmerk auf die Beschreibung der Tätigkeit gerichtet werden. Je konkreter die Bestimmungen, desto weniger Streit wird es später bei ihrer Auslegung geben.

Inwieweit sind Bemerkungen, die sich als vermeintlich legale Vermerke tarnen, im Vertrag erlaubt? Anders als etwa bei Arbeitszeugnissen gibt es bei Arbeitsverträgen keine Codes und Formulierungen, die den eigentlichen Sinn des Geschriebenen verschleiern sollen. Die Bestimmungen sind meistens ›geradeaus‹, etwaige Unklarheiten gehen zu Lasten des Arbeitgebers. Gelegentlich vorzufinden sind allerdings sogenannte überraschende Klauseln in den Vertrags-AGB, Regelungen also, mit denen man als Arbeitnehmer nicht rechnet und auch nicht zu rechnen braucht.

Zum Beispiel die Vereinbarung einer Vertragsstrafe, die sich irgendwo mitten in einem umfangreichen Vertrag unter der Überschrift ›Sonstiges‹ versteckt. Solche Klauseln sind unzulässig, an entsprechende Vereinbarungen müssen sich Trainees nicht halten. Gleiches gilt auch für Klauseln, die intransparent formuliert sind, aus denen sich also nicht eindeutig ergibt, welche Rechtsfolge sie nach sich ziehen.

Das können etwa Überstundenklauseln sein wie ›Der Arbeitnehmer/Trainee muss auf Anweisung des Arbeitgebers Überstunden leisten‹. Hier ist es nicht hinreichend bestimmt, wann und unter welchen Umständen Überstunden geleistet werden müssen – solche Klauseln sind unwirksam. Es gibt noch eine ganze Reihe unzulässiger Klauseln, die sich gelegentlich in Arbeitsverträgen für Trainees wiederfinden, beispielsweise harsche Wettbewerbsverbote nach Kündigung oder sehr allgemein gehaltene Versetzungsklauseln.

Wie sieht es andersrum aus? Können Trainees vertraglich festgelegte Punkte wie Auslandsaufenthalt umgehen, weil sie während des Programms festgestellt haben, dass sie doch nicht ins Ausland möchten? Das ist schwierig, denn man ist eine vertragliche Verpflichtung eingegangen, die für den Arbeitgeber höchstwahrscheinlich von Bedeutung ist. Insbesondere bei Traineeprogrammen international ausgerichteter Unternehmen gehört zumindest eine Auslandsstation fest dazu.

Da es rechtlich für das bloße Nichtwollen keine Ausstiegsmöglichkeit gibt, kann man hier nur darauf hoffen, den Arbeitgeber im persönlichen Gespräch zu überzeugen, dass man im Inland besser einsetzbar ist. Der Trainee sollte auf seine Erfolge in einer bestimmten Station verweisen, er sollte deutlich machen, dass er seine Zukunft genau dort sieht und aufzeigen, warum sein Einsatz an dieser Stelle auch für das Unternehmen von Vorteil ist. Natürlich kann einen Trainee niemand zwingen, die Auslandsstation anzutreten. Eine Weigerung kann jedoch schnell eine rechtmäßige Kündigung nach sich ziehen.

Welche Pflichten haben Trainees? Die Pflichten eines Trainees ergeben sich in erster Linie aus dem Arbeitsvertrag. Dort wird insbesondere die Arbeitsleistung umschrieben und die Arbeitszeiten festgelegt. Als Trainee unterliegt man genauso wie ein herkömmlicher Angestellter den Weisungen des Vorgesetzten. Dabei werden die allgemeinen Regelungen des Arbeitsvertrags konkretisiert, Aufgaben werden zugewiesen oder entzogen. Die Weisungen müssen dem Berufsbild des Trainees entsprechen. Außerdem darf der Vorgesetzte nicht willkürlich handeln und muss beispielsweise Rücksicht auf religiöse Überzeugungen nehmen. Abgesehen von den arbeitsvertraglichen Hauptpflichten existieren auch für Trainees sogenannte Nebenpflichten. Dazu gehören beispielsweise Treue- und Verschwiegenheitspflichten, die Informationspflichten, die Pflicht drohende Schäden anzuzeigen und in der Regel auch ein Wettbewerbsverbot.

Bei welchen Arbeitsaufträgen kann ein Trainee allerdings Nein sagen? Ein Trainee ist weder Praktikant, noch ist er eine ungelernte Arbeitskraft, daran haben sich auch die Arbeitsaufträge zu orientieren. Der Tätigkeitsbereich wird durch den Arbeitsvertrag definiert, durch die Tätigkeitsbeschreibung. Wer also etwa im Bereich Controlling eingesetzt werden soll, stattdessen aber dauerhaft mit Kopier- oder Fahrtaufträgen betraut wird, kann Nein sagen.

Ausnahmen sind hier sicherlich zulässig, jedoch muss das Verhältnis stimmen. Nein sagen können Trainees auch zu Aufgaben, die mit ihrer Religion oder Weltanschauung grob kollidieren. Als Paradebeispiel dient hier immer ein überzeugter Pazifist, der plötzlich in eine Betriebsabteilung gerät, die an der Herstellung von Waffen beteiligt ist. Auch solche Aufträge dürfen abgelehnt werden.

Dürfen sie auch Nein zu Überstunden sagen? Es ist kein Geheimnis, dass Trainees gerne und häufig Überstunden machen. Das ist auch verständlich, denn man möchte Erfahrung sammeln und sich durch Einsatz im Betrieb empfehlen. Allerdings darf sich auch bei Trainees der Arbeitstag grundsätzlich nicht in die Nacht ziehen. Wieviele Arbeitsstunden zu leisten sind, bestimmt sich nach dem Arbeitsvertrag oder gegebenenfalls nach einer tarifvertraglichen Vereinbarung. Der Vorgesetzte kann dem Trainee nicht nach Belieben Überstunden aufbrummen.

Die Verordnung von Überstunden ist gesetzlich nur dann erlaubt, wenn im Betrieb echte Not herrscht und dessen Existenz bedroht ist. Dieser Begriff ist allerdings dehnbar, klare gesetzliche Vorgaben gibt es dazu nicht. Summa summarum kann man sagen, dass Überstunden hin und wieder zu leisten sind, wer aber jeden Tag zwei, drei Stunden länger bleiben soll, kann dies ablehnen.

Wie viel Verantwortung darf beziehungsweise muss ein Trainee übernehmen? Als Trainee wird man darauf vorbereitet, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortungsvolle Aufgaben sollten als Chance begriffen werden, mit ihnen geht professionelles Wachstum einher. Wer sich eine bestimmte Aufgabe nicht zutraut, sollte das natürlich kommunizieren. Gehört diese Aufgabe jedoch in den Bereich der vertraglichen Pflichten, wird sich der Vorgesetzte aber sicher Gedanken über die fachliche Eignung des Trainees machen. Doch in aller Regel gibt es bei jedem Traineeprogramm einen Mentor, der einem dabei hilft, mit neuen Herausforderungen fertig zu werden.

Apropos ›Mentor‹ – hat jeder Trainee ein Recht auf einen solchen? Hier gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Die Entscheidung, inwieweit Mentoring stattfindet, liegt alleine beim Unternehmen. Allerdings gibt es wohl kaum ein Traineeprogramm, das dem Trainee die Unterstützung durch erfahrene Kollegen verweigert. Wer sich in so etwas wiederfindet, oder wer die Betreuung für mangelhaft hält, was weitaus häufiger der Fall ist, sollte sich fragen, ob er nicht bloß als eine unterbezahlte Arbeitskraft unter dem Trainee-Deckmantel ausgenutzt wird.

Welche Möglichkeiten haben Trainees, wenn im Vertrag formulierte Lehrstationen nicht eingehalten werden? Zuerst immer den friedlichen Weg wählen und mit dem Vorgesetzten reden. Bleibt ein solches Gespräch fruchtlos, sollte man den Arbeitgeber abmahnen und zwar schriftlich. Ein Trainee sollte Bezug auf die Regelungen im Arbeitsvertrag nehmen und den Arbeitgeber auffordern, ihn vereinbarungsgemäß einzusetzen. Wenn sich der Vorgesetzte auch hier querstellt, bleibt einem nur das äußerste Mittel: die Kündigung.

Woran lässt sich allgemein ein faires Traineeprogramm erkennen? Ein faires Traineeprogramm ist auf eine langfristige Zusammenarbeit ausgerichtet, von der beide Seiten profitieren. Der Trainee wird nicht als Praktikant ausgenutzt, sondern bekommt die Möglichkeit, abteilungsübergreifend zu lernen, sich Kompetenzen anzueignen und sich professionell zu entwickeln. Bei einem fairen Programm erhält der Trainee faire Vergütung und wird umfassend von einem Mentor betreut. Außerdem findet eine permanente Evaluation statt, bei welcher der Trainee die Gelegenheit hat, sich mit seinen Erfolgen und Mißerfolgen gründlich auseinanderzusetzen.


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