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Tipps fürs Traineeprogramm: Vertrag, Verhalten, Verantwortung

Auf welche Details solltest du achten, damit dein Traineeprogramm von Anfang bis Ende ein voller Erfolg wird?

An alle Trainees in spe: Sollte der Chef mit hochgezogenen Augenbrauen darauf hinweisen, dass der Boden mal wieder eine Politur nötig hätte, ist dies kein verschlüsselter Hinweis auf eine weitere teambildende Maßnahme. Allerdings sollte aber auch der Bitte des Vorstands um einen Kaffee kein verächtliches Lachen mit dem Ausruf ›Mach ma’ schön selber, du Wurst!‹ folgen, während gleichzeitig das Schienbein des Fragenden mit gezielten Tritten attackiert wird.  

 

Tipps für den Trainee: Informiere dich!

Um es kurz zu machen: Trainee zu sein ist nicht schwer, das Mittelmaß zu finden dagegen sehr. Und das gilt für beide Seiten und für die unterschiedlichen Programme gleichermaßen. Denn neben dem Allgemeinen Traineeprogramm, bei dem der Trainee über die gesamte Laufzeit seines Programms verschiedene Abteilungen durchläuft und sich nach Programm für einen Bereich entscheidet, steht beim Fachtraineeprogramm der Übernahmebereich des Trainees von Anfang an fest – weswegen  seine Ausbildung dementsprechend ausgerichtet ist. Da das Angebot an Traineeprogrammen mittlerweile schier unerschöpflich ist, sollten sich zukünftige Trainees vorab sorgfältig informieren. Schließlich unterscheidet sich das Programm eines Mittelständlers von dem eines Großkonzerns, variieren die Ausbildungszeiten zwischen sechs und 24 Monaten und zeigt sich auch bei den Gehältern eine große Bandbreite – wobei die Wiwis mit etwa 37.500 Euro recht gut abschneiden: »Da es aber noch keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt, ist das Gehalt frei vereinbar, sagt Dr. Stefan Kursawe, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Doris Brenner, die seit über 15 Jahren als freie Beraterin mit den Arbeitsfeldern Personalauswahl und -entwicklung sowie Karriereberatung tätig ist, fügt hinzu, dass in vielen Unternehmen Trainees die gleiche Vergütung erhalten wie Direkteinsteiger nach dem Studium: »Wenn hier der Unterschied zu groß ist, sollte man kritisch prüfen, ob das Programm hält, was es verspricht.«

Tipps für den Trainee: Der Vertrag

Ist das richtige Programm und der Wunscharbeitgeber gefunden, folgt ein nächster wichtiger Schritt:  Der Vertrag. So wenig der Begriff ›Trainee‹ rechtlich geschützt ist, so wichtig ist, was im Arbeitsvertrag geschrieben steht. Denn das geschriebene Wort hat  für den Trainee Gültigkeit: »Der Arbeitgeber hat Weisungsrecht. Solange ein Trainee im kaufmännischen Bereich mit kaufmännischen Aufgaben betreut wird, dürfte es schwer sein, die Arbeit zu verweigern«, erklärt Doris Brenner, die sich unter anderem auf die Identifizierung von Entwicklungspotenzial bei Hochschulabsolventen spezialisiert hat. 

Am besten wäre es, beiderseitige Erwartungen bereits vor Vertragsunterzeichnung zu klären, um eine gemeinsame Basis zu finden. Aber selbst ein unterschriebener Vertrag bedeutet nicht, dass alle Punkte darin rechtens sind. Beispielsweise kann ein Trainee nicht in aller Herren Länder versetzt werden: »Wenn vorab geklärt wurde, dass der Trainee nicht ins Ausland muss, kann der Chef ihn auch nicht versetzen«, sagt Kursawe. Verstößt der Arbeitgeber dennoch dagegen, bleiben dem Trainee zwei Möglichkeiten: Entweder gewinnt er die Erkenntnis, dass er sich für das falsche Unternehmen entschieden hat oder er wendet sich an den Vorgesetzten des Vorgesetzten beziehungsweise an den Betriebsrat. 


Tipps für den Trainee: Verantwortungsbereich

Trainee. Foto: privatWährend sich mancher Trainee aber übergangen oder unterfordert fühlt, jongliert der andere mit der großen Verantwortung, die ihm übertragen wurde. Aber gibt es eine ›Verantwortlichkeitsgrenze‹ für Trainees?: »Letztendlich darf ein Trainee jede Art von Verantwortung übernehmen«, erläutert Kursawe. Rein theoretisch könne er den Trainee auch als Abteilungsleiter einsetzen. Allerdings sollte sich dieser dann überlegen, ob das Traineegehalt seinen Aufgaben gerecht wird.

Für alle anderen wartet spätestens nach Abschluss des Programms mehr Gehalt – unabhängig davon, ob sie im Unternehmen bleiben oder sich anderweitig umschauen. Allgemein gibt es aber keine Regelungen bezüglich einer Weiterbeschäftigung: »Sehr häufig sind Traineeprogramme über einen auf die Traineezeit ausgerichteten befristeten Vertrag angestellt. Weder der Arbeitgeber noch der ehemalige Trainee sind in der Bringschuld«, betont Brenner.

Anders sieht es allerdings aus, wenn sich Trainees vertraglich verpflichten, auch nach Ende des Programms für eine gewisse Zeit weiter beim Unternehmen tätig zu sein. Wer dennoch – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr im Unternehmen tätig sein möchte, muss taktisch agieren: »Da kein Arbeitgeber einen unmotivierten Arbeitnehmer beschäftigen möchte, ist eine berufliche Trennung für beide Seiten nur von Vorteil«, erläutert der Fachanwalt für Arbeitsrecht und rät, das offene Gespräch mit dem Chef zu suchen, um gemeinsam die entsprechende Lösung zu finden. In sehr seltenen Fällen kann es passieren, dass der Arbeitgeber von der im Vertrag verankerten Rückzahlklausel Gebrauch macht. Beispielsweise, wenn  der Trainee einen sehr teueren Computerkurs absolviert hat, den die Firma gezahlt hat.
 

Tipps für den Trainee: Suche das Gespräch!

Um böses Blut während und nach dem Programm zu vermeiden, sei beiden Seiten angeraten, früh genug offene, aber respektvolle Worte zu finden. ›Mach ma’‹ und ›Wurst‹ haben in einem Gespräch nur dann etwas zu suchen, wenn der vollständige Satz lautet: »Chef, mach ma’ schneller, zu Mittag gibt’s heute Currywurst! Die wartet nicht auf uns.« 


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