fotolia.com © Monkey Business

Berufseinstieg: Warum ein Trainee-Programm eine gute Wahl sein kann – und warum nicht

Im Anschluss an das erfolgreich abgeschlossene Studium wartet mit dem Berufseinstieg die nächste große Herausforderung. Denn auch wenn, statistisch gesehen, die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für Hochschulabgänger recht gut sind, ist das noch lange keine Jobgarantie. Im Gegenteil erweist es sich am Anfang in vielen Fällen als einigermaßen schwierig, direkt ins Berufsleben starten zu können. Trainee-Programme haben sich unter solchen Voraussetzungen als gute Alternative herauskristallisiert, um erste praktische Erfahrung sammeln und möglicherweise anschließend im Betrieb arbeiten zu können. Ein solch verlockend klingendes Angebot hat natürlich auch den einen oder anderen Haken.

Trainee – was ist das überhaupt?

Bevor der Berufseinstieg über ein Trainee-Programm überhaupt in Erwägung gezogen wird, sollte vorher besser genau abgeklärt werden, was sich hinter dem Begriff überhaupt verbirgt. Die kurze Definition lautet in etwa:

Bei einem Trainee handelt es sich – normalerweise – um einen Hochschulabsolventen, der im Rahmen einer firmenspezifischen Ausbildung (das Trainee-Programm) auf eine Tätigkeit als Fach- oder Führungskraft vorbereitet wird. Tatsächlich werden solche Programme als probates Mittel erachtet, um in kleinen und mittleren Unternehmen die dringend notwendige Fachkräftesicherung voranzubringen.


Anzeige

Unterschiedlicher Sprachgebrauch: Trainee ist nicht gleich Trainee

Für den deutschen Sprachgebrauch ist die englische Bezeichnung inzwischen recht genau festgelegt, wenngleich sie sich nicht ausschließlich auf besagte Hochschulabsolventen bezieht. Als Trainee gehen daher ebenso gut Menschen mit Berufserfahrung und Quereinsteiger durch, die sich auf der Suche nach einer beruflichen Neuorientierung im Rahmen eines entsprechenden Programms eingearbeitet werden. Gleich sind dabei immer der Praxisbezug und das Durchwandern verschiedener Abteilungen innerhalb der Firma.

Wer sich international auf Trainee-Stellen bewerben möchte, sollte den Inhalt der ausgeschriebenen Angebote genau überprüfen: Im englischen Sprachgebrauch fallen vor allem Praktikanten, Lehrlinge und Volontäre unter den Begriff des Trainees, genauso wie Referendare oder Werkstudenten. Die richtige Bezeichnung für einen Hochschulabsolventen wäre dort „Graduate“. Umgekehrt werden Trainee-Programme aber auch im deutschen Sprachraum gerne anders genannt. Geläufige Synonyme sind daher unter anderem:

  • Einstiegsprogramm
  • Nachwuchsprogramm
  • Nachwuchsführungskräfteprogramm
  • Traineeship
  • Graduate Program
  • Global/International Graduate Program
  • Future Leaders (Management) Program
  • Management Development Program

Inhalte des Trainee-Programms

So unterschiedlich die Bezeichnungen, so unterschiedlich sind je nach Ausrichtung des Trainee-Programms auch die Inhalte. Es lohnt sich also, schon vorab genau zu überlegen, was man selbst im Rahmen eines solchen Programms lernen und erreichen möchte und was im Gegenzug angeboten wird. Grundsätzlich sollte es möglich sein, ein möglichst passgenaues Programm für die individuellen Wünsche zu finden, denn der Berufseinstieg als Trainee kann durchaus auf unterschiedliche Weise angegangen werden.

Das generalistische oder „klassische“ Trainee-Programm

Das entspricht der allgemeinen Vorstellung, wie die Einführung in den Job unter dem Stichwort „Trainee-Programm“ ablaufen sollte. Hierzu gehören üblicherweise folgende Elemente:

  • die Rotation durch die unterschiedlichen Abteilungen
  • der Einsatz im Tagesgeschäft und in laufenden Projekten
  • die Betreuung durch mindestens einen Mentor sowie die HR-Abteilung des Unternehmens
  • das Angebot von Weiterbildungsmöglichkeiten
  • die Einflussnahme auf die eigene Zukunft im Unternehmen

Bei einer derartigen Gestaltung erhalten die Trainees eben nicht nur einen Einblick in den Bereich, für den sie aufgrund der vorhandenen Kenntnisse und bisherigen Ausbildung am besten geeignet sind. Vielmehr geht es darum, praktische Erfahrung in allen Abteilungen zu sammeln und so übergreifende Zusammenhänge besser zu verstehen.

Das Fachtrainee-Programm

Die Alternative zur generalistischen Trainee-Ausbildung, bei der es eben nicht darum geht, einen gesamtheitlichen Eindruck vom Unternehmen zu gewinnen, sondern den gewählten Studienschwerpunkt als Ausgangspunkt für die Vertiefung innerhalb des entsprechenden Arbeitsbereichs. Ein solches Programm umfasst daher:

  • eine genaue Zielsetzung, schon mit dem Beginn des Programms
  • die intensive(re) Einarbeitung in den vorgesehenen Arbeitsbereich
  • die Rotation innerhalb verwandter Arbeitsbereiche
  • die Mitwirkung im Tagesgeschäft sowie in kleinen bis mittleren Projekten

Ganz ohne Kenntnisse der Abläufe in angrenzenden Abteilungen geht es selbstverständlich auch hier nicht, die Rotation wird dennoch sehr viel enger um den eigentlichen Kernbereich gefasst. Ansonsten überwiegen die Überschneidungen mit einem generalistischen Trainee-Programm hinsichtlich der Feedback- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Typische Branchen, in denen eher auf Fachtrainee-Programme gesetzt wird, sind übrigens Marketing, IT, Consulting, Finanzen, Vertrieb, Ingenieurswesen und Human Resources.

Das Management-Trainee-Programm

Tatsächlich kann die Trainee-Zeit im Bezug auf einen bestimmten Schwerpunkt sogar noch konkreter gestaltet werden. Ein Management- Trainee-Programm zielt deshalb darauf ab, die Trainees für Aufgaben in der Unternehmensführung vorzubereiten, so etwa bei der Firma Bosch. Dazu zählen:

  • die klare Zielposition im Managementbereich
  • sehr anspruchsvolle Aufgaben in der Projektumsetzung
  • die Vermittlung grundlegenden Wissens über Prozesse, Produkte und zentrale Themen der Firma
  • der Einsatz an wichtigen Schnittstellen im Unternehmen
  • das Mentoring durch die Führungskräfte

Anzeige

Ein solches Programm eignet sich besonders für diejenigen, die so schnell wie möglich die Karriereleiter emporklettern möchten. Das verlangt allerdings eine gewisse Belastbarkeit sowie Interesse an Themen wie Unternehmensorganisation, Business Development, Marktanalyse und Strategien.

Das Trainee-Studium

Die Bezeichnung mag im ersten Augenblick verwirren, immerhin gibt es im deutschen Ausbildungssystem auch noch das duale Studium sowie das berufsbegleitende Studium, bei denen die Zeit an der Hochschule und die Zeit im Betrieb parallel abgeleistet werden. Nicht anders verhält es sich beim Trainee-Studium, das sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • die Verbindung von theoretischer und praktischer Ausbildung
  • die Übernahme von gegebenenfalls anfallenden Studiengebühren
  • ein Gehalt während des Studiums
  • die Ausbildung zu einer Führungskraft im Unternehmen

Der praktische Teil der Ausbildung findet meist während der vorlesungsfreien Zeit statt, was das Trainee-Studium zu einer Belastung macht, die nicht unterschätzt werden sollte. Immerhin dürften die finanziellen Sorgen durch ein geregeltes Einkommen schon während des Studiums deutlich geringer sein als bei vielen anderen Studierenden. Hinzu kommt die Aussicht, nach dem erfolgreichen Abschluss gleich ins Unternehmen übernommen zu werden.

Nicht nur Vorteile

Es ist in vielen Fällen ein absolut legitimer und sinnvoller Schritt, den Berufseinstieg über ein passendes Trainee-Programm zu wagen. Das hängt aber zu einem nicht unbeträchtlichen Teil davon ab, wie seriös das jeweilige Programm in der Realität wirklich ist. Denn es bestehen zwei Probleme im Zusammenhang mit einem Karrierestart als Trainee:

  • Der Begriff „Trainee“ ist arbeitsrechtlich nicht definiert.
  • Folgerichtig ist der Begriff „Trainee-Programm“ ebenfalls nicht geschützt.

Das kann in ungünstigen Fällen schwerwiegende Konsequenzen haben, bedeutet aber generell, dass Trainees wie Praktikanten, Volontäre etc. auf besondere Weise in den Betrieb integriert werden müssten. Doch der Reihe nach: Was bedeutet es, dass es im Arbeitsrecht keine genaue Definition für den „Trainee“ gibt? Zunächst einmal bedeutet des beispielsweise, dass die Unternehmen theoretisch selber festlegen können, welche Vorstellungen sie von ihren Trainees hinsichtlich der Aufgabenstellungen, Mitwirkung im Unternehmen oder Rechten (etwa hinsichtlich der Kündigung, des Gehalts etc.) haben.

Keine klare Definition der Begrifflichkeiten

Was wiederum in der Praxis dazu führen kann, dass ein Traineevertrag nicht als „berufsausbildungsähnliches Rechtsverhältnis“ (gemäß dem Berufsausbildungsrecht) aufgefasst wird, sondern als Arbeitsvertrag. Ist das der Fall, steht aber die Arbeitsleistung und nicht die Einarbeitung – die ja weitestgehend als Ausbildung verstanden werden kann oder muss – im Vordergrund. Das ist zum einen ärgerlich, weil die Unternehmen sich auf diese Weise die Möglichkeit offenhalten, den Einarbeitungs- und Weiterbildungsaspekt aufgrund einer solchen vertraglichen Regelung komplett zu vernachlässigen.

Zum anderen ist aber für die Unternehmen selber möglicherweise gar nicht so unproblematisch, weil natürlich ungeachtet der fehlenden inhaltlichen Festlegung allgemeine Vorstellungen bezüglich der Gestaltung eines Trainee-Programms bestehen – im Zweifelsfall könnten die Trainees also das einklagen, was ihnen an Lehrinhalten vorenthalten wird oder etwa Schadensersatz einfordern.

Damit es erst gar nicht zu solcherlei Schwierigkeiten kommt, ist daher ein Mindestmaß an Vorsicht bei der Auswahl der Trainee-Stellen geboten. Das gilt bereits für das Konzept als solches und die verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten. Genauso gilt das aber auch für die (persönliche) Erwartungshaltung gegenüber dem Trainee-Programm.

Beides kann sich als gleichermaßen problematisch herausstellen, wie auch Christine Wegerich zu berichten weiß. Die Professorin für Personalmanagement und Personalentwicklung weist im Interview unter anderem darauf hin, dass es branchenspezifische Unterschiede geben kann, wenn es um die Zielsetzungen und konkreten Inhalte eines Trainee-Programms geht.

Und ein gutes Trainee-Programm erkennt man woran?

Es gibt darüber hinaus einige Punkte, die im Vorfeld geklärt bzw. beachtet werden sollten, um rechtzeitig einen Eindruck von der Qualität eines Trainee-Programmes zu gewinnen. Punkte, die darüber Aufschluss geben können, wären zum Beispiel:

  • ein mehrstufiger Auswahlprozess, der von einem Assessment Center durchgeführt wird
  • ein strukturierter Ablauf von Einarbeitung und Ausbildung, bei dem es einen festen Ansprechpartner/Mentor gibt
  • die Übernahme eigener Aufgaben und Projekte nach der Einarbeitungszeit
  • fachliche und persönliche Weiterbildungen
  • die Zielposition, die am Ende der Traineezeit besetzt wird, ist mit einem eigenen Verantwortungsbereich und einem höheren Gehalt verbunden

Bei allen Ansprüchen ist es trotzdem wichtig, nicht den Blick für die Realität – sprich: den beruflichen Alltag – zu verlieren. Der macht es bisweilen eben doch schwierig, die gewünschten Anforderungen kontinuierlich zu erfüllen. Da wird die Zeit gerne einmal (oder häufiger) knapp und der persönliche Austausch mit den Verantwortlichen kommt dann schnell zu kurz. Oft genug kann das trotzdem auf friedlichem Wege und über ein Gespräch geklärt werden.

Ändert sich die Betreuungssituation daraufhin allerdings immer noch nicht, muss das schon als ein Indiz für die mangelnde Qualität des Programms gewertet werden – der Trainee wird dann womöglich nur als billige Arbeitskraft für die unliebsamen Aufgaben betrachtet, dem weiter aber keine Aufmerksamkeit entgegenbracht werden müsste.

Trainee-Programm oder Direkteinstieg – der richtige Weg ins Berufsleben

Die Frage, ob nach dem Abschluss eher der direkte Weg in einen Job gegangen werden soll oder doch eher der (vermeintlich) vorsichtigere über ein Traineeprogramm ist letztlich eine des persönlichen Geschmacks. Beide Optionen haben ihre jeweiligen Reize, am Ende kommt es aber darauf an, welche berufliche Perspektive für einen selbst die wünschenswerteste ist. Nicht leicht zu beantworten, denn über diese Frage streiten auch die Experten. Eine Vielzahl von Faktoren können den Ausschlag für die eine oder die andere Variante geben. Welche sind das auf der Seite des Trainee-Programms?


Anzeige
  • Aufgabenbereiche:
    Bei einem Direkteinstieg ist der Aufgabenbereich von Anfang an klar umrissen, die Einarbeitung entsprechend fokussiert. Die Bewerbung ist schließlich auf eine bestimmte, eindeutig definierte Stelle eingegangen, für die das notwendige Fachwissen – zumindest weitestgehend – bereits vorhanden ist.
    Das Trainee-Programm ist in dieser Hinsicht eher als Orientierungsmöglichkeit zu verstehen, bei der Wissen aus ganz unterschiedlichen Bereichen vermittelt wird. Der Vorteil liegt erst einmal darin, erste Erfahrungen in verschiedenen Abteilungen sammeln zu können. Umgekehrt liegt der Nachteil darin, dass vorab noch nicht geklärt ist, auf welche Stelle diese Einführung letztlich hinführen soll.
  • Sicherheit:
    Es mag zwar je nach Berufsfeld und Umständen der Einstellung anders sein, trotzdem bietet der Direkteinstieg zumindest die Möglichkeit, einen unbefristeten Vertrag angeboten zu bekommen. Für Trainees dürfte das jedoch zu ganz großen Ausnahmen gehören, für gewöhnlich sind die Verträge auf einen bestimmten Zeitraum befristet. Eine unbefristete Einstellung ist dann beispielsweise von den Leistungen während der Trainee-Zeit abhängig (allerdings gilt es selbst bei unbefristeten Verträgen, die sechsmonatige Probezeit zu bestehen) und keineswegs garantiert.
  • Gehalt:
    In manchen Fällen dürften selbst für Direkteinsteiger die Gehälter im ersten Job noch weit entfernt von dem sein, was mit der entsprechenden Berufserfahrung später verdient werden könnte. Im Durchschnitt liegen diese Gehälter aber immer noch über denen von Trainees, nämlich zwischen fünf und zehn Prozent. Das kann von Unternehmensseite damit argumentiert werden, dass ein Trainee eben noch nicht als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt werden kann und seine Einarbeitung und Ausbildung ja schließlich Kosten verursacht.
    Außerdem ist das niedrigere Gehalt nur ein zeitweises Problem, nach der Übernahme wird die Entlohnung natürlich angeglichen – sofern diese Übernahme nach dem Beenden des Trainee-Programms tatsächlich stattfindet. Was wieder zum Punkt „Sicherheit“ führt.

Aus Weiterbildungsperspektive bietet ein richtig durchgeführtes Trainee-Programm wiederum die besseren Optionen. Selbst wenn nach der befristeten Trainee-Stelle keine unbefristete Festanstellung wartet, können die Erfahrungen gewinnbringend im Lebenslauf angeführt werden. Das bedeutet aber andererseits auch wieder, nach den sechs, 12, 18 oder 24 Monaten der Ausbildung einen neuen Job finden zu müssen.

Wer gerade damit anfängt, sich eine Existenz aufzubauen, steht aus diesem und anderen Gründen unter Umständen vor nicht unerheblichen Problemen: Darunter fällt auch das heutzutage so wichtige Thema Mobilität. Wenn nur ein befristeter Arbeitsvertrag vorgewiesen werden kann, erschwert das in den meisten Fällen die Anschaffung eines Autos, zumindest über einen Kredit. Die Banken gewähren das nötige Kleingeld, sofern sie es überhaupt tun, nur unter bestimmten Umständen und zu schlechteren Konditionen. Gefordert werden in solchen Fällen häufig zusätzliche Sicherheiten oder einen Bürgen – keine besonders guten Voraussetzungen, um als junger Mensch beruflich und privat endlich unabhängig zu sein.

Befristung contra Planungssicherheit

Generell ist es in allen Lebensbereichen, in denen eine gewisse Planungssicherheit wünschenswert oder erforderlich wäre, deutlich weniger einfach. Selbst bei mündlichen Versicherungen, über die Befristung hinaus eine Anstellung im Unternehmen zu finden, ist das nicht gegeben. Für den Arbeitgeber sind derartige Zusagen rechtlich nicht bindend, darauf verlassen kann man sich als Arbeitnehmer im Zweifelsfall also nicht. Stattdessen müssen die Fristen eingehalten werden, um im ungünstigsten Fall wenigstens Arbeitslosengeld beziehen zu können und nicht mit einer Sperrzeit belegt zu werden.

 

Einfach so aus einem befristeten Vertrag aussteigen, weil sich an anderer Stelle möglicherweise eine unbefristete Anstellung aufgetan hat, ist aber auch nicht ohne Weiteres machbar: Eine Kündigung kann nur außerordentlich eingereicht werden, d.h. ohne einen gewichtigen Grund kann das bisherige Arbeitsverhältnis nicht einfach beendet werden. Zumindest dann nicht mehr, wenn die übliche sechsmonatige Probezeit bereits vollendet ist. Einziger Vorteil: Der Arbeitgeber selbst ist ebenfalls an die Umstände einer außerordentlichen Kündigung gebunden.

Selbst wenn befristete Arbeitsverträge auch für andere Berufseinsteiger – denn hiervon sind keineswegs nur die Trainees betroffen – nicht unüblich sind, macht es die Regelungen gemäß Arbeitsrecht keineswegs einfacher. Da bleibt letztendlich nur ein genauer Blick auf den Wortlaut des eigenen Vertrags und die offene Nachfrage bei unklaren Punkten.

Und welcher ist nun der richtige Weg ins Berufsleben?

Apropos unklare Punkte. Ungeklärt ist ja nach wie vor die Frage, auf welchem Weg man denn nun am besten in das Berufsleben starten soll. Die schlechte Nachricht in diesem Zusammenhang vorneweg: Eine pauschale Antwort kann hier niemand erwarten. Am Ende hängt die Entscheidung pro oder contra Trainee-Programm oder Direkteinstieg immer vom Einzelnen ab, von den Plänen für die Zukunft, von den Voraussetzungen und vielen anderen Faktoren.

Schließlich erschöpfen sich für viele die Möglichkeiten gar nicht in diesen beiden Optionen, manch einer möchte seinen frisch erreichten Bachelor vielleicht lieber vorher noch zu einem Master aufwerten und erst dann auf Jobsuche gehen. Das hängt natürlich vom Berufsfeld und den erforderlichen Qualifikationen ab, denn zwingend ist ein Master-Abschluss nicht, in manchen Bereichen aber doch wieder förderlich. Dadurch schiebt sich der Berufseinstieg wiederum nach hinten und es kommt entsprechend später Geld in die Kasse.

Für den Anfang und als kleine Hilfestellung vielleicht einmal folgende Zusammenfassung:

Ein Direkteinstieg ist für diejenigen, die

  • aufgrund ihres bisherigen Bildungswegs bereits ausgemachte Experten/Spezialisten für ein bestimmtes Fachgebiet sind;
  • lieber so schnell wie möglich an größeren Projekten mit mehr Verantwortung mitwirken möchten;
  • nach Planungssicherheit suchen und deswegen auf unbefristete Arbeitsverträge und höhere Einstiegsgehälter setzen.

Ein Trainee-Programm kommt für diejenigen in Frage, die

  • generalistisch ausgebildet sind und diesen Weg gerne weiter – also auch im Unternehmen – beschreiten wollen;
  • die viel Wert auf allgemeine Weiterbildung in vielen Bereichen legen und gleichzeitig gerne auf ein bestimmtes Karriereziel hinarbeiten möchten;
  • zwar eigenverantwortlich arbeiten wollen, aber die Absicherung durch die begleitenden Mentoren zu Beginn des Berufslebens zu schätzen wissen;
  • sich damit anfreunden können, nicht nur an einem Standort zu arbeiten.

Ohne Frage sind die genannten Punkte in vielerlei Hinsicht genau die pauschalen Antworten, die eingangs als unmöglich abgetan wurden. Aber ohne Verallgemeinerungen geht es nicht einmal bei der schwierigen Entscheidung zwischen Trainee-Programm oder Direkteinstieg. Ein wichtiger Vorteil (von vielen anderen wissen Trainees aus unterschiedlichsten Branchen zu berichten), den Trainees in jedem Fall haben, ist die Flexibilität. Die praktischen Erfahrungen und das theoretische Wissen, das ihnen während der Ausbildungszeit vermittelt wird, lässt sich später in deutlich größerem Umfang in anderen Arbeitsbereichen nutzen.

Somit stehen die Chancen selbst dann nicht schlecht, wenn es nach der Zeit als Trainee nicht im selben Unternehmen weitergehen sollte. Diese Art der Flexibilität, die es einem erlaubt, in verschiedenen Bereichen arbeiten zu können, falls es in der eingeschlagenen Richtung nicht wie gewünscht funktionieren sollte, ist natürlich nicht für jeden geeignet.

In einem seriösen Trainee-Programm – und davon gibt es inzwischen eine Menge – sollten Fragen bezüglich der Zukunftsperspektive aber ohnehin ein Thema sein. Und gute Kandidaten, die ihre Chance zu nutzen und die vom Arbeitgeber investierten Leistungen zu rechtfertigen wissen, sollten über ihr zeitlich befristetes Trainee-Programm gute Aussichten haben, längerfristig ein Teil des Unternehmens zu bleiben. Es liegt also immer auch am Einzelnen, das Beste aus dem Trainee-Dasein herauszuholen.

Ein Beitrag des externen Autoren Tobias Neubauer