Erfahrungsberichte aus der MINT-Praxis

Grau ist alle Theorie, die Praxis ist MINT: Echte MINT-Maniacs zeigen dir ihre Welt.

Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist, Physiker und Moderator

Wie ich gelernt habe, was ich tue… Es ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Schule und Universität sind dabei nur eine Station, die wahre Schule ist das Leben selbst.

Warum ich liebe, was ich tue… Zeigt sich an der Leidenschaft und Selbstbestimmtheit meines Handelns. Es gibt keine Vorlage, jeder sollte seinen Weg suchen.

Wär auch dein Ding? Dann bitte… prüfe, ob es wirklich DEIN Weg ist. Gesellschaftliche Vorstellungen, das Image eines Berufs oder gar der jeweilige Status vernebeln den klaren Blick, denn am Ende geht es darum sich mit den eigenen Stärken und Schwächen in einem Beruf zu finden. Nur dann kann man Außerordentliches leisten und dabei Momente der Erfüllung finden.

MINT-Fächer sind cool, weil… Die Veränderungen unserer Welt vorwiegend von Wissenschaft und Technik geprägt werden. Wer diese Fächer beherrscht, kann mithelfen, unsere Welt aktiv zu gestalten. 


Johann Beurich, der DorFuchs, vermittelt als rappender YouTuber Mathe-Wissen

Wie ich gelernt habe was ich tue… Ich hab vor allem in meiner Freizeit versucht, in den Dingen, die mir Spaß machen (wie Musik, Mathematik, Videos drehen), voran zukommen und einfach auch mal mehrere Hobbys zu kombinieren.

Warum ich liebe, was ich tue… Weil ich meine Faszination für Mathematik ausleben und an andere weitergeben kann, was dazu auch noch für viele eine große Hilfe ist.

Mein Rat… Versuche nicht ›normal‹, sondern du selbst zu sein! Falls du Mathematik genießen kannst, dann tu das! Aber vergiss neben dem abstrakten Denken die Welt und die Menschen um dich herum nicht.

MINT-Fächer sind cool, weil… Es hier um all das geht, was direkt in der Logik und Natur selbst stecken, sodass wir sie überall anwenden können.


Anna Koehler, Visual Effects Artist bei YAGER Development GmbH, Berlin

Wie ich gelernt habe was ich tue… Die Basis für meinen Beruf habe ich schon früh gelegt, indem ich viel gezeichnet habe, bevor ich überhaupt wusste was und wer ich später einmal sein möchte. Mit 22 habe ich beschlossen, eine spezielle Schule zu besuchen, die sich gezielt an zukünftige Videospieleentwickler richtet. Mit viel Fleiß, einer Menge Übung und Lernen habe ich es dann schließlich in die Gamesindustrie geschafft.

Warum ich liebe, was ich tue… Je nach Spiel kann ich mich im Stil meiner Effekte kreativ austoben und teilweise sehr verrückte Dinge bauen. Es gibt zwar Grenzen, doch die darf ich meist ausloten. Kreative Problemlösung sowie cleveres Nutzen der vorhandenen Technik sind an der Tagesordnung. Außerdem machen Explosionen und Blitze aus Pixeln so manche langen und anstrengenden Arbeitstage ziemlich wett.

Mein Rat… Seid immer neugierig. Nehmt so viel Wissen auf wie es geht und denkt niemals, dass das Lernen irgendwann endet. Setzt euch in den Kopf in der Videospielebranche zu arbeiten und sucht euch Mittel und Wege dort hin zu kommen. Macht Fehler, analysiert sie, lernt daraus, wiederholt sie nicht. Und natürlich habt Spaß woran ihr arbeitet.

MINT-Fächer sind cool, weil… Sie uns zum Einen die Welt erklären können und zum Anderen die Fähigkeiten vermitteln, selbst etwas beizutragen. Gerade für die Videospieleentwicklung sind sie wichtig. Wenn ich nicht weiß wie etwas funktioniert, kann ich es auch nicht überzeugend bauen. 


Vince Ebert, Physiker, Kabarettist, Moderator und Autor

Wie ich gelernt habe, was ich tue… Ich habe Physik studiert. Die erste Idee, Wissenschaft mit den Gesetzen des Humors zu vermitteln, kam mir, als ich im Physik-Labor ein Schild mit der Aufschrift sah: »Bitte nicht mit dem verbleibenden Auge in den Laser gucken!«

Warum ich liebe, was ich tue… Ich stehe fast jeden Abend vor Hunderten von Menschen auf der Bühne, die sich darauf freuen, Wissenschaft auf eine andere Art erklärt zu bekommen. Und die zahlen auch noch Geld dafür. Das ist doch großartig! Es ist ein großes Privileg, einen Beruf zu haben, auf den man sich jeden Tag freut.

Wär auch dein Ding? Dann bitte… Üben, üben, üben. Am Anfang ist es ziemlich frustrierend, auf einer Bühne zu stehen und zu realisieren, dass man nicht besonders gut ankommt. Meiner Meinung nach ist ›Talent‹ vor allem die Fähigkeit, hart zu arbeiten und den Mut zu haben, vieles in den Sand zu setzen.

MINT-Fächer sind cool, weil… Man ohne dieses Wissen über aktuelle Themen wie zum Beispiel Klimawandel, Energieversorgung, Gentechnik oder Altersvorsorge nicht mitreden kann. Ohne MINT-Wissen gäbe es keinen Ottomotor, keinen Kühlschrank und keine Röntgenstrahlung. Ohne die Erfindung der Glühbirne müssten wir sogar heute noch bei Kerzenlicht fernsehen.


Thomas Reiter, ehemaliger Raumfahrer und ESA-Direktor für ›Bemannte undRobotische Forschung‹ am Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum

Wie ich gelernt habe, was ich tue… Die Ausbildung als Astronaut bei der ESA unterteilt sich in zwei Phasen: eine Art Grundausbildung, in der alle Kandidaten mit der grundlegenden Funktionsweise der Bordsysteme von ISS und Sojus sowie der wissenschaftlichen Anlagen an Bord der ISS vertraut gemacht werden. In dieser Zeit beginnt auch das russische Sprachtraining und praktisches Training, zum Beispiel zur Steuerung der Sojus-Raumkapsel, des Robotikarms der ISS und die Ausbildung für Außenbordeinsätze. Diese Phase dauert etwa ein bis zwei Jahre. Danach beginnt das spezifische Training für die Mission, zu der man eingeteilt wird. Diese Phase dient der direkten Vorbereitung der Mission. Ich hatte im Rahmen der Mission »Astrolab« etwa 30 verschiedene wissenschaftliche Experimente durchzuführen, war für die Wartung von verschiedenen Bordsystemen zuständig und habe einen Außenbordeinsatz (EVA – extra-vehicular activity) gemacht.

Warum ich liebe, was ich tue… Die Arbeit als Astronaut begeistert mich aus verschiedenen Gründen: Man arbeitet zusammen mit vielen Wissenschaftlern an Themen, welche die Grenzen unseres Wissens erweitern und das Leben hier auf der Erde verbessern sollen. Man betritt sozusagen wissenschaftliches Neuland. Der Blick aus dem Weltraum auf unseren Planeten, ebenso wie der Blick in die Tiefen unseres Universums, ist überwältigend. Es gibt nach meiner Auffassung nichts auf unserer Erde, was sich damit vergleichen lässt. Hinzu kommt das Gefühl der Schwerelosigkeit, das einen alle drei Dimensionen des Raumes ohne jegliche Mühe eröffnet. Und: Ich bin davon überzeugt, dass Menschen immer versuchen, das Unbekannte zu erkunden, das liegt wohl in unseren Genen. Auch wenn wir uns auf der ISS in ›nur‹ 400 Kilometern über der Erdoberfläche bewegen, verstärkt es den Wunsch, irgendwann einmal zum Mond, zum Mars oder sogar noch weiter hinaus zu reisen. Diese Missionen bereiten wir mit der Arbeit an Bord der ISS ebenfalls vor.

Wär auch dein Ding? Dann bitte… Bewahre dir deine Neugier, Unbekanntes erforschen zu wollen, und sei bereit, dafür auch Risiken in Kauf zu nehmen. Als Astronaut muss man ein naturwissenschaftliches- oder ingenieurwissenschaftliches Studium absolviert haben, etwas Berufserfahrung mitbringen, mindestens eine Fremdsprache sehr gut beherrschen, gesund, fit und ein guter Teamplayer sein.

MINT-Fächer sind cool, weil… Sie die Voraussetzung für ein natur- oder ingenieurwissenschaftliches Studium sind, und man als Forscher unser Wissen über die Funktion des Lebens und unseres Universums erweitern – oder als Ingenieur neue Maschinen entwickeln kann, die uns das Leben hier auf der Erde erleichtern können oder uns sogar in den Weltraum reisen lassen.


Anzeige

Anzeige