Lambert T. Koch

Hochschulporträt: Bergische Universität Wuppertal

Die Bergische Universität Wuppertal besticht durch frische Ideen, junge Professoren und attraktive Studienangebote. Rektor Lambert T. Koch über die gelebte Einheit von Forschung, Lehre und Transfer im Gespräch mit audimax.

Herr Prof. Koch, Sie sind seit 2008 Rektor der Bergischen Universität Wuppertal. Wie hat sich die Uni seitdem entwickelt?

Der deutliche Anstieg der Studierendenzahl von 13.500 auf 21.000 belegt die gesteigerte Attraktivität der Studienangebote im Bereich der Lehre. Neue Berufsfelder entstehen, der Arbeitsmarkt verändert sich. Darauf müssen wir reagieren können und tun das auch. Eine Steigerung um 100 Prozent im Bereich Drittmittel steht dafür, dass die BU auf ihrem Weg zur Forschungs-Universität gut vorankommt. Auch der ›Third mission‹-Bereich wird gestärkt, indem zivilgesellschaftliches Engagement der Studierenden gefördert wird. Alle drei Bereiche haben sich somit positiv entwickelt und zeigen, dass wir gute Leute an der BU haben, die zusammenwirken – für mich auch eine Mission: den Menschen, die hier arbeiten, das Gefühl zu geben, dass wir ein Team sind, gemeinsam etwas bewirken und gemeinsame Ziele haben.

Sie wurden zweimal zum Rektor des Jahres ernannt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Eine solche indirekte Art des Lobs ist ein wichtiger Gradmesser, dass man an bestimmten Stellen auf dem richtigen Weg ist. Wichtiger aber ist, dass dadurch auch eine positive Aufmerksamkeit auf die Institution fällt. Wenn dann die Homepage angeklickt wird, entdecken Studenten die tollen Möglichkeiten hier.

Sie waren auch Finalist beim Hochschulmanager des Jahres.

Ja, es handelt sich dabei um recht unterschiedliche Auszeichnungen: ›Hochschulmanager des Jahres‹ bewertet eher die Managementfähigkeiten, ›Rektor des Jahres‹ eher das Atmosphärische, was eine Rolle spielt, wenn Wissenschaft profiliert wird: also Wissenschaftler zusammengebracht, Strukturen geschaffen und Institutionen weiterentwickelt werden.

Können Sie hier Beispiele nennen?

Wir haben 2008 einen Leitbildprozess begonnen, an dem alle Hochschulgruppen beteiligt waren. So wurde ein ›lebendes Leitbild‹ geschaffen, an dem wir uns – gleich einer Mission – orientieren. Wir haben sechs Profillinien entwickelt, die die einzelnen Fakultäten über interdisziplinäre Zentren miteinander verbinden und die Fachkollegen wirklich zusammenbringen. Das ist eine Herausforderung, weil jedes Fach seine eigene Sprache, seine Ideen und Weltbilder hat. Im Bereich Energiewende etwa arbeiten Ingenieure mit Naturwissenschaftlern und Sozialwissenschaftlern eng zusammen. Bei großen Themen müssen die unterschiedlichen Fächer zusammengebracht und über die interdisziplinären Zentren gepusht werden.

» Es geht uns um ein eigenes, unterscheidbares Profil. Ob das nun die Schumpeter School ist oder die Sicherheitstechnik – für jeden Bereich können wir ein eigenes Profil benennen, das für Studierende sehr attraktiv ist.«
Prof. Dr. Lambert T. Koch,  Rektor der Bergischen Universität Wuppertal

Das Selbstverständnis der BU ist das einer modernen, eigenständigen Universität in humboldtscher Bildungstradition. Wie eigenständig kann eine Universität innerhalb des Systems agieren?

Es gilt immer, weiche und harte Faktoren zu berücksichtigen, aber es gibt Gestaltungsspielraum, etwa in Hinblick auf das Atmosphärische und unsere Vision von Bildung. Bildung ist mehr als Ausbildung. Zusätzlich zur Wissensvermittlung sehen wir die Entfaltung der Persönlichkeit als Mission. Wir haben die Aufgabe unsere Studierenden für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung zu sensibilisieren und zu motivieren.

Sie leben an der BU den humanistischen Ansatz?

Die Einheit von Forschung, Lehre und heute auch Transfer ist wichtiger denn je. In einer Zeit, in der nicht mehr nur fünf Prozent der jungen Menschen eines Altersjahrgangs studieren, sondern über 50 Prozent, muss das Verhältnis von Zivilgesellschaft und Wissenschaft ein anderes sein. Wissenschaft wird alltäglicher, infiltriert mehr die Gesellschaft und das Spektrum der Formate lebendiger Wissenschafts-Praxis-Kommunikation verbreitert sich. Es darf nicht nur in Sonntagsreden gesagt werden: Wir machen auch ein bisschen Wissenstransfer. Sondern wenn wir an dieser Stelle mit gutem Beispiel vorangehen, werden andere, traditionellere Universitäten folgen. So wie wir von unseren Partneruniversitäten lernen, können vielleicht auch wir an der einen oder anderen Stelle Vorbild sein.

Sie sind selbst Wirtschaftswissenschaftler, haben die Schumpeter School hier in Wuppertal mit aufgebaut. Was macht gerade diese Fächer so attraktiv?

Die Studierenden schätzen das klare Profil der Schumpeter School, das zugleich ein zeitgemäßes ist. Der Name Schumpeter steht ja nicht von ungefähr für die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, sondern signalisiert, dass die Themen Schumpeters bei uns Programm sind: das heißt der Zusammenhang zwischen unternehmerischem Engagement, Innovation und gesamtwirtschaftlicher Entwicklung. Es macht Sinn, BWL und VWL nicht getrennt zu sehen, sondern zu integrieren – über die Klammer Innovation und wirtschaftlicher Wandel. Die Wirtschaftsjuristen, die ebenfalls zur School gehören, sprechen über Rahmenbedingungen des Wirtschaftens und die Wirtschaftspsychologie über Unternehmereigenschaften. Wir haben sehr engagierte junge Professoren – jung, nicht nur vom Lebensalter, sondern auch von ihrer Einstellung – und ich denke, das Gesamtpaket aus Thema, Profil und Personal überzeugt die jungen Leute.

Wo sehen Sie weitere profilierte Fächer der Uni Wuppertal?

Da gibt es eine ganze Reihe. Unsere Teilchenphysiker zum Beispiel arbeiten an internationalen Großprojekten in der Schweiz und Argentinien mit. Im Bereich Digital Humanities werden die Forschungsmöglichkeiten über neue digitale Techniken erweitert und unsere Elektrotechniker arbeiten mit namhaften Industrieunternehmen aus aller Welt zusammen.

Infos rund um die Bergische Universität Wuppertal:

  • Speziell in den Fächern Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften erhält die Bergische Universität Wuppertal (BU) in Rankings Top-Bewertungen. Für Wiwis ist die Schumpeter School eine begehrte Adresse.
  • Die BU arbeitet mit der Junior-Universität zusammen, einer in Deutschland einmaligen Einrichtung mit eigener Infrastruktur, eigenem Gebäude, Budget und Personalstamm, um schon Kindern und Jugendlichen Bildung über ›Begeisterungspädagogik‹ nahezubringen.
  • Neben einem Zentrum für Weiterbildung und einem Career Service engagiert sich die BU für den Übergang ins Berufsleben auch in regionalen Netzwerken. So zum Beispiel bei KAOA (Kein Abschluss ohne Anschluss). Zudem organisiert die Uni zusammen mit dem AStA Exkursionen zu Firmen.

 


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