Prof. Dr. Wilhelm Schwick

Hochschulporträt: Fachhochschule Dortmund

Warum man sich Fachhoschule und Stadt Dortmund näher ansehen sollte, verrät der Rektor der FH Dortmund, Prof. Dr. Wilhelm Schwick, im Gespräch mit audimax

Herr Prof. Schwick, Sie sind seit 2009 Rektor der Fachhochschule Dortmund. Was hat sich seitdem verändert?

Wir sind eine zunehmend nachgefragte Hochschule in einer nachgefragten Stadt. Damals hatten wir etwa 8.500 Studierende – mittlerweile sind wir bei rund 13.500. Trotzdem haben wir es geschafft, das Qualitätsniveau gleichbleibend hoch zu halten. Der Kontakt der Lehrenden zu den Studierenden ist in allen unseren Fachbereichen sehr eng, gelernt wird in übersichtlichen Gruppen mit einem guten Betreuungsverhältnis. Wir bieten ein breites Studienangebot mit einem Fokus auf ingenieurwissenschaftliche Studiengänge. Gerade haben wir den bisherigen Fachbereich ›Informations- und Elektrotechnik‹ weiterentwickelt und mit neuen Studiengängen ergänzt. So starten wir hier zum kommenden Wintersemester mit den Angeboten ›Digitale Technologien‹ und ›Biomedizintechnik‹. Und wir bieten mittlerweile auch den vollständigen Bildungsgang an, vom Bachelor über den Master bis hin zu kooperativen Promotionen.

Wie ist das gelungen?

Das Studieninteresse ist deutlich gestiegen. Über den Hochschulpakt, eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, haben wir enorm profitiert. Mit den Mitteln aus dem Pakt haben wir vor allem zusätzliche Lehrende finanziert. Wir haben in den letzten Jahren aber nicht nur in Köpfe, sondern auch in Steine investiert, haben einige Gebäude gebaut, andere umgebaut und vor allem unsere Labore modernisiert. Wir haben zudem in Studiengängen den Numerus Clausus aufgehoben. Und wir sind aktiv dabei, junge Erwachsene aus nicht-akademischen Elternhäusern für ein Studium zu interessieren. Das klappt mehr und mehr. Wer durch die Mensa geht, wird sehen: Unsere Hochschule ist bunt – und darüber bin ich glücklich.

Wie sichern Sie die Qualität der Lehre?

Ein Kernproblem ist der Übergang von der Schule in die Hochschule: Da haben wir über das Bund-Länder-Programm ›Qualität in der Lehre‹ im Erstantrag und im Folgeantrag zusammen rund 13,5 Millionen Euro bekommen. Diese Mittel unterstützen direkt unsere Erstsemester. Sie werden individuell durch Mentoren betreut und gerade in den kritischen Fächern fachlich begleitet. Wir als Fachhochschule wollen viele junge Menschen mitnehmen und Bildungsbenachteiligungen abbauen.

Wie agieren Sie hier?

Wir reden zum Beispiel mit dem NRW-Schulministerium über die Frage der Studierfähigkeit von Schülern. Meine Wahrnehmung ist, dass die Curricula nicht schülerfreundlich, nicht einmal lehrerfreundlich sind. Ich habe mit Prof. Dr. Aloys Krieg, Prorektor für Lehre an der RWTH Aachen, ein alternatives Curriculum Mathematik entwickelt, das in den ›Studifinder‹ – ein Online-Tool zur Orientierung – eingeflossen ist. Es beruht auf einem ganz einfachen Prinzip: Weniger ist mehr. Es muss ganz solide gedacht und dafür gesorgt werden, dass die Kenntnisse, die junge Menschen für ein Studium brauchen, sicher sitzen. Nehmen Sie unsere Ingenieurwissenschaften. Absolventen dieser Studiengänge haben die besten Berufsaussichten, aber junge Menschen trauen sich diese Fächer oft nicht zu, aus Angst zu scheitern. Bei uns bekommen sie dann die Unterstützung, die sie brauchen. Eins der erfolgreichen Angebote ist der Mathe Help- Desk, bei dem Tutoren bei allen Fragen rund um die Mathematik unterstützen. Das führt dazu, dass unsere Studierenden besser studieren können. Das halte ich für uns hier in der Region für ganz grundlegend – für ganz NRW ist das wichtig.

Was kennzeichnet die Region als Studienstandort?

Das Ruhrgebiet ist ein dichter Hochschulraum. Dennoch empfinde ich hier keine Konkurrenzsituation. Hintergrund ist, dass die Studierenden häufig in der Nähe ihres Wohnortes studieren wollen. Circa 80 Prozent unserer Studierenden kommen aus Dortmund und der näheren Umgebung. Das ist einerseits eine finanzielle Frage – Stichwort ›Hotel Mama‹ –, andererseits wird die Region von vielen als sehr lebenswert empfunden. Sie hat gerade für junge Leute viel zu bieten und ist relativ preiswert. Ich bin selbst gebürtiger Dortmunder, wohne gerne hier und finde, dass die Stadt sich mächtig entwickelt hat.

Woran machen Sie diese Entwicklung fest?

Sie ist viel grüner, als es sich die meisten Leute vorstellen, und hat auch kulturell, sportlich und szenemäßig Einiges zu bieten. Und dann haben wir mittlerweile mit dem Phoenix-See ein Naherholungsgebiet, wo früher ein Stahlwerk stand.

Das klingt attraktiv für Studierende.

Absolut. Zwar kommt das Gros hier aus dem näheren Umfeld, aber es gibt dadurch, dass wir stark gewachsen sind, auch einen großen Zuzug. Salopp gesprochen studiert das halbe Sauerland bei uns. Da sind wir eine der ersten Adressen. Dortmund ist ein Magnet geworden, das hat sicher auch mit der ›echten Liebe‹ beim Fußball zu tun – keine Frage.

Wie sieht es mit der Jobsituation aus?

Wir haben eine durchschnittliche Wartezeit von drei Monaten, bis die Leute nach Abschluss einen Job haben – das ist keine Selbstverständlichkeit und deshalb besonders erfreulich. Das gilt für Bachelor- und für Masterabschlüsse.

Wie erklären Sie sich die geringe Wartezeit auf den Job?

Bei uns wird anwendungsorientiert studiert und Praxisnähe gelebt. Unsere Lehrenden haben vor ihrem Lehrauftrag mindestens drei Jahre in einem Unternehmen gearbeitet, insofern sind die Studierenden ganz nah dran an den Entwicklungen und Erfordernissen der Berufswelt. Außerdem haben wir ausgezeichnete Kontakte zu Unternehmen in der Region, von denen die Studierenden profitieren, zum Beispiel bei ihren Praxissemestern, bei Industrieprojekten oder bei Examensarbeiten. All dies eröffnet ihnen sehr gute Job-Chancen.

Ein Schlusssatz zum Motto ›We focus on students‹:

Es gibt einen Umstand an Hochschulen, der mir sehr gegen den Strich geht. Das ist die Prüfungsdichte und Prüfungslast für Studierende. Wir wollen stärker im Sinne der Studierenden handeln. Wir haben ihre Bedarfe im Blick, wir wollen sie bestmöglich coachen, gerade auch mit guten Unterstützungsangeboten in den ersten Semestern.

Infos rund um die FH Dortmund

  • Die FH Dortmund ist mit etwa 13.500 Studierenden eine der größten Fachhochschulen in Deutschland. Als besonders etabliert gilt der Fachbereich Informatik mit knapp 2.800 Studierenden, in dem es auch den größten Anteil an kooperativen Promotionen gibt.
  • Seit 2009 hat die FH Dortmund ihr Drittmitteleinkommen fast verdoppelt, überwiegend durch Forschungserfolge, etwa beim Wettbewerb FH-Kompetenz mit der Einwerbung des neuen Instituts für Digitalisierung und bei FH-Impuls, der Förderung forschungsstarker Fachhochschulen im Bereich Energie und Mobilität.
  • Die FH Dortmund ist Teil der European University Association (EUA), einem Forschungsverbund von Fachhochschulen in Deutschland, und Mitglied von RuhrValley, einem Zusammenschluss der Hochschule Bochum, der Fachhochschule Dortmund und der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen.
  • Mehrere Investitionsprogramme führten zu modernster Ausstattung in Fachbereichsmitteln (Rechnerausstattung, Laborausstattung etc.).
  • Der coolste Club: Die Leser der Zeitschrift Musikexpress wählten das FZW auf den dritten Platz der besten Clubs Deutschlands.

  • Freizeitgestaltung: Segeln auf dem Phoenix See

  • Beliebtester Prof laut MeinProf: Prof. Dr. Burkhard Lenze, Fachbereich Informatik

  • Wohin mit Papi: Deutsches Fußballmuseum

  • Wohnungskosten: 8,97 € / m² (Quelle: Mietspiegel)
  • Die größte Studentengruppe: Informatiker mit mehr als 2.800 Studierenden

 


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