Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Gather

Hochschulporträt: TU Dortmund

Mitten im Ruhrpott gehen Aufbruch und Kontinuität Hand in Hand. Über gelebten Wandel an der TU Dortmund berichtet Rektorin Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Gather.

Frau Prof. Gather, seit 2008 sind Sie Rektorin der TU Dortmund, treten im Herbst 2016 Ihre zweite Amtszeit an. Welche Errungenschaften kennzeichnen Ihre erste Amtszeit?

Eine der größten Herausforderungen, die wir an der TU Dortmund gemeistert haben, war der starke Anstieg der Studierendenzahl: Vor acht Jahren waren noch 22.000 Studierende hier eingeschrieben, seit dem vergangenen Wintersemester sind es 33.500. Um allen möglichst gute Studienbedingungen zu bieten, haben wir neue Gebäude gebaut, die Belegzeiten der Hörsäle ausgedehnt und zusätzliche Lehrkräfte eingestellt. Ein Erfolg war auch die Einführung der bedarfsorientierten Budgetierung.

Was hat es mit dem Masterplan Wissenschaft auf sich?

Die Vernetzung mit der Stadt und der Region ist uns wichtig. Dazu haben wir zusammen mit anderen Wissenschaftseinrichtungen und der Stadt den ›Masterplan Wissenschaft Dortmund‹ erarbeitet. Das Strategiepapier enthält 100 Maßnahmen, auf die wir uns 2013 geeinigt haben und die bis 2020 umgesetzt werden sollen. Gemeinsam wollen wir Dortmund als Wissenschaftsstandort stärken.

Sie verfügen über weite internationale Erfahrung: Indien, USA, Frankreich, Australien. Was konnten Sie hieraus mitnehmen?

Bei meinen Forschungsaufenthalten im Ausland habe ich erlebt, wie sich Wissenschaft in vielen Systemen ihren Weg bahnt. Sie kann unter sehr unterschiedlichen Bedingungen erfolgreich sein. Das Streben nach neuen Erkenntnissen und Innovationen ist ein universeller, globaler Motor.

Funktioniert Wissenschaft heutzutage nur noch global?

In der Wissenschaft steht man auch im globalen Wettbewerb. Internationale Kooperationen bringen die Forschung voran. Die länderübergreifende Zusammenarbeit hat meines Erachtens aber auch friedensstiftende Wirkung. Sie fördert das gesellschaftliche Zusammenwachsen.

Sie sind Mathematikerin, Professorin für Statistik. Inwiefern hilft Ihr Fachwissen bei der Leitung einer Technischen Universität?

Im Fach Statistik genießt man das Privileg, mit vielen anderen Wissenschaftsdisziplinen zusammen forschen zu können. Ich war Sprecherin eines Sonderforschungsbereichs, in dem Kolleginnen und Kollegen aus Medizin, Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Informatik zusammengearbeitet haben. Solche Kooperationen ermöglichen spannende Einblicke in die verschiedenen Fachgebiete, ihre Terminologie und ihre Forschungsfragen. Dieses Verständnis für verschiedene Fachkulturen ist auch für das Amt der Hochschulleitung von Vorteil.

Die TU Dortmund unter die zehn besten Universitäten Deutschlands zu bringen, ist ein ambitioniertes Ziel für Ihre zweite Amtszeit.

Mein Ziel ist es, dass die TU Dortmund in verschiedenen Bereichen zur Spitzengruppe zählt, nicht nur in der Forschung, auch in Lehre oder Chancengleichheit. Unter den jungen Universitäten Deutschlands, die in den vergangenen 50 Jahren gegründet worden sind, zählen wir in internationalen Rankings schon zu den Top Ten. Im DFG-Förderatlas und in den QS World University Rankings erreichen wir in mehreren Disziplinen bundesweit Spitzenplätze. Für unser Inklusionskonzept haben wir 2016 den Zero Award erhalten. Auch bei den forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der DFG gehören wir zur Spitzengruppe.

Sicher auch eine gute Ausgangsposition für weitere Felder.

Ein Rektorat sollte eine Kultur des Ermöglichens pflegen. An der TU Dortmund zeigt sich das auch in der Leitidee ›Beste Köpfe berufen‹. Damit wollen wir erreichen, dass unsere Universität auch in Zukunft forschungsstark und leistungsfähig ist. Viele Prozesse, die zum Erfolg führen, sind langwierig. Dafür brauchen wir auch eine serviceorientierte Verwaltung, die die Wissenschaft unterstützt und Bürokratiehindernisse abbaut.

Welche Rollen spielen hierbei Verbünde wie etwa die Universitätsallianz (UA) Ruhr?

Die UA Ruhr zwischen der TU Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen gibt es nun schon seit fast zehn Jahren. Wir kooperieren unter dem Motto ›Gemeinsam besser‹. Zusammen zählen wir 115.000 Studierende und rund 1.300 Professuren. Wir bündeln unsere Kräfte: Zur Internationalisierung betreiben wir gemeinsam drei Verbindungsbüros in den USA, Russland und Lateinamerika. Zudem wollen wir in der nächsten Runde der Exzellenzinitiative gemeinsame Anträge stellen.

Ist diese Kräftebündelung disziplinbezogen?

Die UA Ruhr zählt mehr als 100 Kooperationen in Lehre, Forschung und Verwaltung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den beiden gemeinsamen Profilbereichen: Materials Chain und Resolv – Ruhr Explores Solvation. An der TU Dortmund liegt ein weiterer Fokus auf der Wirkstoffforschung: Hier kooperieren wir erfolgreich mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen vor Ort, etwa dem MPI für molekulare Physiologie, aber auch mit dem Bio- MedizinZentrum im benachbarten Technologiepark. Gerade durch die räumliche Nähe gelingt der Transfer in die Wirtschaft – auch durch das bundesgeförderte Projekt ›tu-startup‹ – hier sehr gut.

Sicher ein Alleinstellungsmerkmal ...

Der Technologiepark Dortmund, der 1985 neben unserem Campus entstanden ist, ist mit mehr als 300 Unternehmen heute der erfolgreichste Technologiepark in Deutschland. Die Menschen in Dortmund haben Erfahrung mit dem Strukturwandel, es herrscht Aufbruchsstimmung.

Ihr Programm lautet ›Innovativ, kommunikativ, einzigartig‹ – Was macht die TU Dortmund einzigartig?

Die TU Dortmund hat ein besonderes Profil aus Natur- und Ingenieurwissenschaften, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften. Uns kennzeichnet eine Reihe einzigartiger Studiengänge und Fakultäten, etwa Statistik, Bio- und Chemieingenieurwesen, Raumplanung, eine breit aufgestellte Lehrerbildung, Rehabilitationswissenschaften oder Wirtschaftspolitischer Journalismus. Mit DELTA haben wir als einzige Universität weltweit einen eigenen Teilchenbeschleuniger. Das sind Alleinstellungsmerkmale, die uns zu einem attraktiven Partner für erfolgreiche Verbünde machen.

Infos Rund um die TU Dortmund:

  • Das Ruhrgebiet ist die fünftstärkste Wissenschaftsregion in Deutschland. Allein Dortmund zählt mit der Technischen Universität, der Fachhochschule und weiteren Einrichtungen rund 50.000 Studierende.
  • In fünf Fächern des Forschungsförderatlas der DFG landet die TU Dortmund unter den Top Ten: Produktionstechnik, Werkstofftechnik, Informatik, Statistik, Wirtschaftswissenschaften.
  • Neben dem Campus der TU Dortmund befindet sich Deutschlands größter Technologiepark mit rund 10.000 Arbeitsplätzen und über 300 Firmen.
  • Seit 2002 hat die TU Dortmund knapp 200 Gründungen und Ausgründungen aus der Wissenschaft begleitet, betreibt mit dem EXIST-Projekt ›tu-startup‹ aktiv Gründungsförderung.
  • Studiengänge wie Medizinphysik oder Wissenschaftsjournalistik mit integriertem Volontariat machen das Fächerangebot einzigartig. 

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