Foto: frank mckenna/Unsplash

Hilfe mal andersrum!

Was können wir von Entwicklungsländern lernen? Zwei deutsche Studenten sammeln Ideen.

Ganz einfach ausgedrückt sieht Entwicklungshilfe zumeist so aus:

Entwicklungsländer lernen von uns. Warum das Ganze nicht mal umkehren? Das denken sich Kerstin Göpfrich und Karl Christoph Gödel. Die beiden Physikstudenten der Uni Erlangen, die derzeit ihre Masterarbeiten im Rahmen eines Forschungsprojekts an der University of Cambridge schreiben, nahmen 2011 an einer Sommerschule in Sambia teil. »Immer wieder«, erinnern sich die Studenten, »wurden wir gefragt, wie Sambia von deutschland lernen könnte. Irgendwann drehten wir die Frage um und wollten wissen, was Deutschland von Sambia lernen kann. Ständig bekamen wir dieselbe enttäuschende Antwort: nichts. Als unsere sambischen Freunde uns aber in deutschland besuchten und unsere Situation erlebten, gaben sie andere, oft überraschende und vielversprechende Antworten. Resignation zu unternehmergeist zu machen – das schien im Kleinen zu funktionieren.« ›AidReversed‹ war geboren.

Mit ihrem Projekt haben es sich Göpfrich und Gödel zum Ziel gesetzt, Potenziale von Entwicklungsländern zu sehen und zu nutzen. Außerdem soll der Blickwinkel geändert werden, mit dem wir in Europa Entwicklungsländer betrachten. »In den Medien hört man schließlich viel über Hunger, Armut, Kriminalität und Aids. Bilder entblößter Kinder sollen unser Mitleid wecken, damit wir helfen. Geld geben oder aufgeben – das sind die Optionen, vor die wir gestellt werden.« Diese Ansicht ist Kerstin Göpfrich und Karl Christoph Gödel jedoch zu einseitig. Daher möchten die beiden ein differenzierteres Bild darstellen und solche Entwicklungen portraitieren. Indem sie Ideen sammeln, die auch im europäischen Kontext als wertvoll und innovativ gelten, hebt ihr Projekt alle Nationen auf eine Stufe. »Gleichzeitig wollen wir«, ergänzt Göpfrich, »mit AidReversed Entwicklungsländer stärken und fragen: ›Wie können wir von euch lernen?‹ Entwicklungsländer sollten schließlich genau wie wir in Europa von Wissensexport profitieren.« Eine feste Frauenquote zum Beispiel ist in Ruanda kein Thema. Trotzdem sind 40 Prozent der Kabinetts- und 56 Prozent der Parlamentsmitglieder weiblich. Und warum konnte die Wirtschaftskrise Afrika so wenig anhaben? Wer glaubt, die Antworten zu kennen und auch sonst Ideen und Anregungen zur Entwicklungszusammenarbeit hat, kann diese zum Beispiel in Form eines Essays auf der Homepage und im geplanten Buch von AidReversed präsentieren. Mögen die Ansätze noch so kreativ und unterschiedlich sein, in einem Punkt sind sich sich Göpfrich und Gödel einig: »Die Frage, was wir von Entwicklungsländern lernen können, ist wichtig und wird sicher in der Zukunft noch wichtiger werden. Es ist an der Zeit, sie zu stellen!«


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