Immer den Anden nach
Immer den Anden nach Caspar Diederik / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

Immer den Anden nach

Martin Neitzkes ›Radtour‹ durch Südamerika – im Dienste seiner Magisterarbeit

Es gibt Studenten, denen die tägliche Radstrecke an die Uni schon das Nötigste abverlangt und dann gibt es Martin Neitzke. Der Student der Sportwissenschaft an der TU Darmstadt hat die Recherchen für seine Magisterarbeit räumlich etwas ausgedehnt. Von Ecuador nach Chile, immer den Anden entlang. Viereinhalb Monate war er auf dem Andentrail, einer der härtesten und längsten Mountainbikestrecken der Welt, unterwegs, hat insgesamt 11.000 Kilometer zurückgelegt, 100.000 Höhenmeter überwunden und fünf Länder vom Fahrradsattel aus gesehen.

Was er herausfinden wollte? Die Auswirkungen von Übertraining auf Körper und Psyche. Etwas, das er nicht nur anhand dreier Probanden untersucht hat, auch er konnte Veränderungen feststellen. »Wenn die nötige Erholung ausbleibt, reagiert man auf bestimmte Situationen definitiv gereizter. Am Anfang der Tour konnte uns schlechtes Wetter die Laune nicht verderben, zum Ende konnten wir es nicht mehr so entspannt nehmen «, erklärt Neitzke. Zwischenzeitlich verleideten schlechte Verhältnisse oder die fehlende sportliche Motivation die Stimmung zusätzlich. Wettgemacht wurden schlechte Phase durch Landschaften wie der Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt in Bolivien. Einen Tag lang, 100 Kilometer weit fuhr der Student über den See und verlor sämtliche Relationen: »Normalerweise kann ich Geschwindigkeiten und Distanzen auch ohne Tacho einschätzen, aber auf dem See gab es keine Orientierungspunkte. « Ein sehr beeindruckendes Erlebnis, das ihm ein Esel ein paar Tage zuvor um ein Haar streitig gemacht hätte. Dieser stand auf der Straße, Martin konnte nicht bremsen und kollidierte mit dem Grautier. Tagelang war unklar, ob er die Tour abbrechen musste. Was nicht eintrat – im Gegensatz zu den zahlreichen Witzeleien, die ab sofort seinen Weg begleiteten, sobald ein Esel in Erscheinung trat. Auch mit Meerschweinchen hatte er zu kämpfen – wenn auch mit Messer und Gabel. »Für mich gehört zu Reisen in eine fremde Kultur auch das Probieren des landestypischen Essens dazu – auch wenn eine Portion Meerschweinchen nicht sehr üppig ist«, sagt Martin.

Trotzdem war die Reise, abgesehen von kulinarischen Genüssen und einmaligen Ausblicken, nicht mit Urlaub gleichzusetzen. Täglich saß der Student bis zu sieben Stunden im Sattel, abends musste das Material gepflegt, die Probanden befragt und die Daten in den Computer eingegeben werden. Trotzdem hat ihm der Andentrail mehr als wissenschaftliche Erkenntnisse gebracht. »Ich habe einen ganzen Kontinent bereist und gelernt, mich innerhalb einer Gruppe zurechtzufinden«, erklärt Martin.

Im Moment schreibt er seine Magisterarbeit und wertet die Ergebnisse aus. Eine größere Tour steht in naher Zukunft nicht an, aber zusammen mit einem Freund, dem Sieger des Andentrails, überlegt er, eine eigene Tour zu organisieren. Drei, vier Wochen durch Kuba – viva la bicicleta!


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