Plaza Real in Barcelona
Skaramelka / pixabay

Alle wollen nach Spanien? Prof. Torsten Kirstges erklärt, wie Urlaubstrends entstehen

Was angesagt ist, bestimmt oft, wohin es uns zieht. Tourismusforscher Torsten Kirstges, Professor an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven, erklärt, wie diese Trends entstehen

Herr Prof. Kirstges, wohin zieht es die Deutschen im Urlaubsjahr 2017?

Die Trenddestinationen in diesem Jahr sind eindeutig wieder die Kanaren und die Balearen, insbesondere Mallorca. Der Anteil Spaniens an allen längeren Reisen der Deutschen liegt bei circa 13 Prozent; Italien kommt auf acht Prozent. Die Lieblingsdestination der Deutschen ist und bleibt allerdings das eigene Land, das circa 30 Prozent als Urlaubsdestination nutzen.

Beispiel Spanien: Welche Faktoren sind für den Reisetrend dorthin verantwortlich?

Natürlich spielt der Preis eine große Rolle: Nähere Ziele sind wegen der kürzeren Anreise oft günstiger, durch massenhafte Angebote kommen Kostenvorteile zum Tragen. Auch die typischen 4-S-Reisemotive der Jüngeren – Sonne, Strand, Spaß und Sex – werden von den spanischen Inseln bedient. Hinzu kommt eine ›Weg-von‹-Motivation: Zahlreiche Ziele kommen für viele Urlauber wegen Terrorgefahr und Krise nicht in Frage und vergleichbare Alternativen sind begrenzt.

Barcelona ist schon lange eine beliebte Urlaubsdestination. Wie lange dauert es, bis sich ein Reiseziel erstmals zum Trendziel entwickelt?

Meistens durchlaufen Destinationen einen touristischen Lebenszyklus: Zuerst entdecken Backpacker ein neues Reiseziel. Dann sprechen sich die Vorzüge des Ortes herum – heute meist über Soziale Medien, was den Prozess immens beschleunigt. Schließlich werden auch Reiseanbieter auf die Destination aufmerksam: Zuerst bieten Studienreiseveranstalter Touren an, danach folgen Pauschalangebote. Diese Entwicklung kann Jahre dauern, auch abhängig von der Präsenz in den Medien.

Irgendwann ist der Trend Geschichte. Warum?

Das liegt unter anderem an der Gruppe von Touristen, die die Abwechslung liebt und gerne immer wieder Neues entdecken will. Diese Reisenden legen oft viel Wert auf das ›Ursprüngliche‹, das natürlich flöten geht, wenn sich eine Destination als Massenziel etabliert hat. Dann zieht der Touristenstrom der Neugierigen eben weiter.


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