Altersvorsorge für Studenten: Bausparen, Riestern, Anlegen?
Altersvorsorge für Studenten: Bausparen, Riestern, Anlegen? Erich Ferdinand/ Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

Altersvorsorge für Studenten: Bausparen, Riestern, Anlegen?

Schon beim Berufseinstieg solltest du deine Rente im Blick haben: Welche Anlagen sich lohnen und welche du getrost links liegen lassen kannst

Bausparen, Riestern, Anlegen – klingt irgendwie sehr nach Bourgeoisie und wenig nach Spaß? Damit im wohlverdienten und hart erarbeiteten Ruhestand aber auch wirklich jeden Tag frische Semmeln drin sind, ist es nötig, so früh wie möglich ein paar Moneten auf die Seite zu schaffen.
 

Altersvorsorge als Student: Wirklich notwendig?

Herr Schofer, muss ich denn wirklich schon als Student fürs Alter vorsorgen? Es ist doch noch so lange hin …
Das ist in der Tat richtig. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es während des Studentenlebens sehr schwer ist, Geld auf die Seite zu legen. Aber ein wichtiger Faktor lässt sich bei der Altersvorsorge durch nichts aufholen – nämlich der Faktor Zeit.

Rendite und Risikoflexibilität spielen natürlich bei der Altersvorsorge auch hinein, aber die Zeit lässt sich nicht aufholen. Wenn ich jetzt zu einem gewissen Zinssatz Geld anlege, müsste ich, wenn ich das erst zehn, 20, 30 Jahre später mache, deutlich mehr aufwenden, um auf das gleiche Ziel zu kommen. Wenn man sich das vor Augen führt, kann man tatsächlich auch mit sehr kleinen Summen schon relativ viel erreichen. Es gibt ja unzählig viele Varianten der Vorsorge.

Die Rente, die man vom Staat bezieht, bringt einen wahrscheinlich noch nicht viel weiter, oder?
Es ist ein Problem, dass man einfach nicht weiß, was es in Zukunft noch geben wird. Jeder weiß, dass die Bevölkerungspyramide kippt, und es ist relativ ungewiss, welche Einschnitte es in diesem System noch geben wird. Insofern lassen sich auch die Leistungen, die man später daraus erhält, überhaupt nicht vorhersagen. Jeder hat natürlich die Möglichkeit, private Vorsorge zu betreiben, das fängt bei einfachen Geldanlagen auf einem Tages- oder Festgeldkonto an, geht über Bausparverträge und Versicherungen bis Fonds oder Direktanlagen in Aktien oder Zertifikaten.

Wenn ich mein Geld nur auf einem Sparbuch anlege, ist die Sicherheit sehr hoch, allerdings sind die Renditeaussichten auch gering. Wenn ich Direktanlagen in Aktien wähle, ist das Risiko hoch, aber die Renditemöglichkeiten sind auch entsprechend höher.

So muss jeder zunächst sehen:

  • Welche Risikoneigung habe ich überhaupt?
  • Mit welchem Minimum kann ich leben, wenn das Geld auch mal weniger wird?
  • Und natürlich muss jeder die Frage klären: Welchen Zeithorizont habe ich?

Das ist wichtig, vorab abzuklären, denn wenn jemand sagt, er möchte sein Geld für zwei bis drei Jahre anlegen, weil er sich dann etwas kaufen, in eine neue Wohnung ziehen und einen Umzug finanzieren möchte, dann spielen natürlich andere Kriterien eine Rolle, als wenn jemand sagt, er hat Geld, das er wirklich erst in 30, 40 Jahren benötigt. Deshalb ist immer das Ziel, das ich mit der Vorsorge verfolge, ganz wichtig. Wenn ich von Altersvorsorge rede, meine ich tatsächlich das Geld, das ich wirklich erst ab 60, 65 Jahren bekomme.

 

Wie schaffst du es als Student, Geld zurückzulegen?

Es geht also nicht ums kurzfristige Sparen, sondern das Anlegen auf lange Sicht.  
Das Entscheidende ist, dass man auf dieses Geld wirklich verzichten kann und es vorher nicht anrührt. Die größte Gefahr bei der Vorsorge besteht wohl darin, dass man im Falle einer guten Wertentwicklung die schwarzen Zahlen auf seinen Kontoauszügen sieht und das Geld dann jetzt für Konsumzwecke aufwendet. Altersvorsorge bedeutet immer aktuellen Konsumverzicht für Geld, das in der Zukunft zur Verfügung steht. 

Kennen Sie irgendeinen Trick, der davor bewahrt, es sofort auszugeben?
Versicherungen werden ja immer dafür gescholten, dass die Kosten einer Versicherungspolice in den Anfangsjahren anfallen und dadurch das Vertragskapital geringer ist als das eingezahlte Kapital. Das sorgt aber auch für den Disziplinierungseffekt, dass man nicht an dieses Geld rangeht, weil die Verträge daraufhin abgeschlossen werden, im Alter sein Kapital zu erhalten. Es gilt wirklich: aus den Augen, aus dem Sinn. Mag sein, dass Versicherungen bei Studenten unter einem angestaubten Image leiden. Man kann natürlich aber auch über Investmentfonds ganz gut an den Renditen der Kapitalmärkte partizipieren und so etwas fürs Alter zurücklegen. 

Aktien anzulegen erfordert aber sicher mehr Aktivität als eine Versicherung, die, einmal abgeschlossen, für Jahre vor sich hinblubbert.  
Wenn man Direktanlagen in Aktienfonds oder Zertifikate vornimmt, muss man sich in der Tat häufig damit befassen und auch Umschichtungen vornehmen. Wenn man das Ganze im Rahmen einer Versicherungspolice abschließt, kann man gewisse Vertragsbestandteile anwählen, sodass man nicht jedes Jahr dort agieren muss. Dann nimmt der Versicherer gewisse Umschichtungen vor. Vorher legt man eine Risikostruktur fest und bestimmt, wie hoch der Aktienanteil der Police sein soll. Wenn es enorme Wertentwicklungen an den Aktienmärkten gibt, kann dieser Anteil auch steigen.

Dann sorgt dieser Vertragsbestandteil, der sich „Rebalancing“ nennt, dafür, dass es auch wieder auf den ursprünglichen Stand umgeschichtet wird. So ist das Risiko nicht erhöht und man muss selbst gar nicht aktiv werden. Das ist sehr sinnvoll – denn gerade wenn ich als junger Mensch so einen Vertrag abschließe, dann wird in meinem Leben noch so viel passieren – erster Job, Familie, Hausbau und so weiter. Da muss ich solche Verträge anpassen können, sodass sie sich den einzelnen Lebensphasen anpassen. 
 

Riestern für Studenten

Einen pauschalen Rat geben Sie also keinem, der bei Ihnen Hilfe sucht?  
Nein, definitiv nicht, es hängt von so vielen Faktoren ab. Jeder Mensch ist anders. Man kann vielleicht sagen, Riester ist für jeden definitiv sinnvoll, weil ich eine Förderung mitnehmen kann, aber was ich dort genau anwähle, ist wieder eine ganz individuelle Geschichte. 


Gibt es noch andere Varianten, die der Staat definitiv unterstützt?
Es gibt ja das sogenannte 3-Schichten-Modell. Das beginnt in der ersten Schicht mit der Basis- oder Rüruprente. In der zweiten Schicht geht es um die Riesterrente beziehungsweise betriebliche Vorsorge und die dritte Schicht sind die staatlich nicht-geförderten Produkte. Bei den staatlich geförderten Varianten geht es darum, Steuern sparen zu können. Aber die kann ich ja nur sparen, wenn ich auch welche zahle. Es gibt einen Grundfreibetrag von 8.004 Euro im Jahr. Wenn ich darunter verdiene, zahle ich sowieso keine Steuern. Unter diesen Umständen ergeben eine Rüruprente und eine betriebliche Vorsorge keinen Sinn. 

Es existieren also in diesem Rahmen auch keine Tricks, wie ich Steuern sparen könnte?  
Nein, definitiv nicht, weil es eben diesen Grundfreibetrag gibt. Ich würde auch niemals eine Vorsorge abschließen, nur um Steuern zu sparen. Das ist sicher das Falscheste, das man tun kann. Leute, die nur Steuern sparen wollen, machen meistens schlechte Anlagen. Ich muss mich fragen:

  • Was will ich eigentlich erreichen, warum will ich Geld zurücklegen?
  • Wie lange kann ich darauf verzichten?
  • Welches Risiko möchte ich eingehen?

Und dann nähert man sich an und guckt, ob es auch noch Möglichkeiten gibt, die der Staat fördert. Bei Studenten ist der erste Schritt tatsächlich die Riesterrente. Wenn ein Student aber einen Minijob ausübt, ist er grundsätzlich nicht riesterberechtigt.

Er darf nur dann eine Riesterrente abschließen, wenn er den Rentenbeitrag, den der Arbeitgeber finanziert, noch aufstockt. Studenten müssen den Rentenbeitrag auf 19,6 Prozent aufstocken, das heißt bei einem Einkommen von 200 Euro im Monat sind dies 9,20 Euro an zusätzlicher Belastung, die an die gesetzliche Rente abgeführt wird. Zusammen mit dem Eigenbeitrag von 60 Euro pro Jahr in die Riesterrente erhalten Studenten eine Grundzulage von 154 Euro pro Jahr. Sprich der Eigenbeitrag zur Riesterrente von 60 Euro pro Jahr plus 110,40 Euro als Rentenbeitrag zur gesetzlichen Rente pro Jahr ergibt 154 Euro Grundzulage. Personen unter 25 Jahren bekommen zusätzlich einmalig 200 Euro. Bei anderen Einkunftshöhen sinken beziehungsweise steigen die monatlichen Belastungen für die gesetzliche Rentenversicherung. 

Da blicke noch einer durch …  
Man muss natürlich auch wissen, dass Riester tatsächlich für die Rente dient. Ich komme frühestens, das ist jetzt auch neu, mit dem 62. Lebensjahr in Rente. Und ich kann es vorher nicht für irgendwas verwenden. Wenn ein Student jetzt sagt, diese 154 sind ja geschenkt, ich mache das mal zehn Jahre und nehme dann dieses Geld, um einen Umzug oder ein neues Auto zu finanzieren, geht das nicht. Ich komme wirklich erst mit 62 Jahren an dieses Geld heran. 

Und was passiert, wenn das Renteneintrittsalter noch mal nach hinten verschoben wird?  
Wer sie im vergangenen Jahr abgeschlossen hat, konnte noch mit 60 in Rente gehen beziehungsweise Leistungen aus der Riesterrente beziehen. Wer jetzt abschließt, kann das erst mit 62. Das bleibt für ihn dann auch bestehen. Aber es wird in den kommenden Jahren sukzessive angehoben. Wer Vorsorge betreiben möchte, für den ist es also sinnvoll, das so früh wie möglich zu machen, da das Rentenalter schrittweise auf das 67. Lebensjahr angehoben werden wird.  

Wichtigster Faktor bei der Altersvorsorge: Zeit

Was gibt es außerdem noch Wichtiges zu beachten?  
Für Studenten ist der Faktor Zeit wirklich das Wichtigste. Zeit und Anlageziel sind die allerwichtigsten Bestandteile. Ansonsten gibt es aus staatlichen Fördergesichtspunkten nichts mehr, was man noch machen kann. Einen Umstand gibt es noch, auf den Studenten achten müssen: Es gibt ja nicht nur die Vorsorge, sondern auch die Absicherung von gewissen Risiken, die dem eigentlich voransteht. Es nützt natürlich nichts, wenn ich irgendwo 20.000 Euro gespart habe und auf der anderen Seite fließt das Geld dann ab, weil ich ein existenzielles Risiko nicht abgesichert habe.

Es gibt im Prinzip nur drei existenzielle Risiken:

  • Eine Krankenversicherung hat jeder Student im Regelfall.
  • Die Haftpflicht ist meistens über die Eltern geregelt, wenn Studenten eigenes Geld verdienen aber nicht mehr, dann müssen sie eine eigene haben.
  • Das dritte ist das Thema Berufsunfähigkeit. Das bläue ich jedem ein: Je früher er sich auch darum kümmert, desto günstiger ist es für ihn, weil er dann einen besseren Vertrag erhält.

Das größte Risiko besteht darin, sich Geld aufzubauen, aber das Existenzrisiko nicht abgesichert zu haben, sodass das aufgebaute Geld sofort dafür aufgezehrt wird, weil ich eventuell nicht mehr arbeiten kann oder ein Haftpflichtrisiko nicht abgedeckt habe. 

Das funktioniert also wie eine Art Pyramide.  
Genau. Die Allianz hat das mal ganz gut umschrieben: Versicherung, Vorsorge, Vermögen. Deswegen fängt die Beratung immer so an: Ich sichere Risiken ab, damit Geld, das ich mir aufbaue, nicht abfließt. Dann gehe ich in den Bereich Vorsorge, da sprechen wir über Riester und Co. Vermögen betrifft dann denjenigen, der wirklich alles abgedeckt hat – Versicherungen und Vorsorgekapital, der kann dann daran gehen und sich um das kümmern, was noch übrig bleibt. Das betrifft aber den geringsten Prozentsatz überhaupt in Deutschland. Deswegen rate ich auch immer von überflüssigen Versicherungen ab – die sollte man eliminieren, denn da kann man bei vielen noch Gelder frei machen.
 


Info: Andreas Schofer hat einst BWL studiert und mit zwei Kommilitonen das Portal cecu.de gegründet. Die Beratungsplattform, die übrigens laufend ihre Themenfelder erweitert, liefert umfangreiche Infos – von Krankenkassen und Versicherungen über Geldanlagen, Baufinanzierung und Steuern bis hin zur Altersvorsorge.


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