Mal ehrlich: Containern?

audimax-Redakteurin Petra denkt laut über das Für und Wider des Containerns nach

Containern gehen ja oder nein? (K)Eine schwere Entscheidung. Foto: @raffiklopes / unsplash

Mein Bauch: will regelmäßig gefüllt werden. Mein Geldbeutel: war als Studentin öfter mal leer. Andere in der gleichen Situation greifen zu einer extremen Variante: Um nicht vor leeren Tellern zu darben, gehen sie Containern, holen sich ihr Essen aus dem Supermarkt-Abfall. Tragbar? Jein.

Innerlich tadle ich mich als Redakteurin nun selbst: Ey, Meinungsbeiträge sollen gefälligst auch eine Meinung transportieren. Ja, klar. Aber die Welt teilt sich nun mal nicht verlässlich in Schwarz und Weiß. Und beim Containern kann ich mich nicht recht entscheiden.

Einerseits finde ich es als Mensch mit ausgeprägtem ökologischen Gewissen natürlich gut, dass durch den Griff in die Abfalleimer Lebensmittel gerettet werden. Deutschlandweit landen nach Angaben des WWF jährlich rund 18 Millionen Tonnen im Müll, 14 Prozent davon, also knapp 2,6 Tonnen, fallen allein im Groß- und Einzelhandel an. Durch Containern wird verhindert, dass eingesetzte Produktionsmittel – all das Wasser, die Düngemittel, die Arbeitskraft – nicht verschwendet und die schrumpelige Aubergine, der Joghurt in angeknackster Packung oder der abgelaufene Aufstrich ihrem eigentlichen Zweck, Menschen satt zu machen, zugeführt werden. Dem Gewissen schmeckt Containern sozusagen hervorragend und so scheint es vielen zu gehen. Denn die Containerbewegung wurzelt nur bedingt in wirtschaftlicher Not. Häufig will damit bewusst ein Zeichen gesetzt werden.

Trotzdem bleibt ein fauler Nachgeschmack. Denn: Containernde Lebensmittelretter machen sich hierzulande strafbar – Diebstahl und Hausfriedensbruch bringen sie auf die Anklagebank. Ins Kittchen für den kostenlosen Weltverbesserungs-Kürbis – nein, danke. Also, sauber bleiben und sein lassen? Moment mal. Die eigentliche Frage ist doch gar nicht, ›Containern, ja oder nein‹. Sondern: Wieso werden eigentlich diejenigen bestraft, die verschwendete Nahrungsmittel bergen – und nicht diejenigen, die sie wegwerfen? Das sollte umgekehrt und Lebensmittelverschwendung eine Straftat sein.

Um die nicht noch zu befeuern, kauft Schrumpelgemüse und nutzt eure Meinungsmacht als Verbraucher auf allen Kanälen. Und Handelsunternehmen: Sorgt dafür, dass ihr weniger wegwerfen müsst – oder verschenkt unverkäufliche Ware legal an Foodsharing-Bewegungen. Dann muss niemand mehr containern – und ich mir nicht den Kopf zerbrechen. 

Du siehst das ganz anders als unsere Chefredakteurin Petra? Dann schreib ihr! Mail an herr@audimax.de.


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