Wie verhalte ich mich im Assessmentcenter richtig? Foto: @jonathanvez/unsplash

Das Assessmentcenter meistern

Assessmentcenter gehören zu den meistgenutzten Auswahlverfahren bei Großunternehmen. Durch gezieltes Training ist optimale Vorbereitung möglich

Wenn sich Maximilian Faschan an das Assessmentcenter, kurz AC, der Unternehmensberatung Accenture zurückerinnert, ist es die hohe Schlagzahl an Gesprächen, Rollenspielen und Cases, die den stärksten Eindruck hinterlassen hat. »Der Tag war vollgepackt, der straffe Zeitplan war die größte Herausforderung«, erzählt der 24-Jährige, der seit Mai als Technology Consulting Analyst bei Accenture beschäftigt ist. »Rückblickend betrachtet spiegelt das Assessmentcenter aber auch unseren Arbeitsalltag als Berater wieder und ich finde es sehr gut, dass dies so real abgebildet wird«, sagt Faschan.

So hätten nicht nur die Recruiter die Möglichkeit, Bewerber zu testen. »Auch für mich als Kandidat ist es wichtig zu prüfen, ob dies wirklich ein Job für mich ist!«
 

Vorbereitung aufs Assessmentcenter

Assessmentcenter bei denen Unternehmen Bewerber in einer Art Testlabor vor jobtypische Probleme und Aufgaben stellen, um ihren Umgang damit zu bewerten, haben sich als strukturiertes Auswahlverfahren in Deutschland etabliert. »Gerade große Unternehmen mit einer hohen Anzahl an Neuzugängen und komplexen Anforderungsprofilen setzen gerne Assessmentcenter ein«, urteilt AC-Experte und Coach Tobias Meier. »Aus einem Assessmentcenter lässt sich die Eignung für eine Stelle viel besser als aus einem Vorstellungsgespräch ableiten. Diesem Nutzen steht der höhere Aufwand und die höheren Kosten im Vergleich zu einem Interview entgegen. Deshalb sind ACs meist auf die großen Firmen beschränkt.«

Viele Teilnehmer hingen dem Irrglauben an, dass die fachliche Eignung im Mittelpunkt des ACs steht, weiß Tobias Meier von der Assessment Center Academy. Eine gute Ausbildung und praktische Erfahrung erkenne man jedoch bereits an den Unterlagen und in einem Vorstellungsgespräch. »Im Assessmentcenter geht es daher einen Schritt weiter: Kann ein Kandidat Entscheidungen mit unvollständigen Informationen treffen? Kann er priorisieren? Besitzt er sehr gute analytische Fähigkeiten? Kann er andere von seinen Ideen überzeugen?« Auf diese Art von Aufgaben solle man sich vorbereiten. Accenture-Consultant Maximilian Faschan trainierte in zwei Schritten: Erst wälzte er Literatur zu den Themen Fallstudien und Bewerbungsverfahren, dann spielte er Cases auf Online-Plattformen durch. »So konnte ich eine gewisse Routine entwickeln. Das hat mir Ruhe gegeben und mich sicherer gemacht.« Besonders in Erinnerung geblieben ist Faschan ein Fall, den er trotz mangelndem Fachwissen bewältigen musste. »Es ging um eine bestimmte SAP-Architektur. Bisher hatte ich mich mit dieser Thematik nicht wirklich auseinandergesetzt, es war völlig neu für mich«, berichtet der Unternehmensberater. »Nach dem ersten Schock bin ich die Aufgabe analytisch angegangen und habe mich durch gezieltes Fragen herangetastet. Danach bin ich ans Whiteboard gegangen und habe den Prüfer bestmöglich durch die Analyse geführt. Ich war schon ein wenig stolz, die Aufgabe gut bewältigt zu haben.« Zugleich nahm der AC-Kandidat eine wichtige Erfahrung mit: »Du musst nicht unbedingt von Beginn an bei jedem Thema ein Experte sein. Du musst aber die grundsätzliche Fragestellung oder Herausforderung erkennen, um die Aufgabe bewältigen zu können.«
 

Das erwartet dich im Assessmentcenter

Klassische Aufgaben, die in vielen Assessmentcentern eingesetzt werden, sind die Gruppendiskussion, in der Teams eine Lösung für ein Problem finden müssen, die Postkorbübung, in der es eine Vielzahl an Informationen zu bewerten und zu bearbeiten gilt, und die Präsentation, in der die Teilnehmer sich selbst oder ein vorgegebenes Thema vorstellen. Diese Aufgaben lassen sich sehr gut üben, so AC-Coach Meier. »In der Gruppendiskussion ist zum Beispiel vorprogrammiert, dass Bewerber auf Teilnehmer mit einer anderen Meinung treffen. Also kann ich mir vorab überlegen, wie ich mit einem solchen Konflikt umgehen will. Eine möglicher Lösungsweg wäre: objektive Kriterien wie einen Kosten-Nutzen-Vergleich einzusetzen, um die Vorschläge der Gruppe zu bewerten. Ein solches Kriterium lässt sich unabhängig vom Thema und dem Verhalten der anderen einsetzen. So präsentiert sich der Bewerber als lösungsorientierter Teamplayer.«

 

Mit Selbstbewusstsein im Assessmentcenter überzeugen

Die Vorstellung, wie Versuchskaninchen in einem Glaskasten behandelt zu werden, hat aber auch zahlreiche Legenden um die Assessmentcenter entstehen lassen – zum Beispiel, dass gezielt Konflikte unter den Bewerbern gestreut werden, um zu prüfen, wer sich am besten durchsetzt. Die Berichte von Kandidaten, die Assessmentcenter durchlaufen haben, klingen jedoch meist anders: »Während ich zuvor natürlich aufgeregt war, nahm die Nervosität durch eine sehr wertschätzende und professionelle Atmosphäre schnell ab«, erzählt die 27-jährige Janika Glaser, die mittlerweile als Consultant im Bereich Management Diagnostics & Development bei der Unternehmensberatung Kienbaum beschäftigt ist. »Ich hatte stets das Gefühl, auf Augenhöhe behandelt und nicht absichtlich unter Stress gesetzt zu werden. Die positiv­ste Überraschung kam am Ende des Verfahrens, als ich ein ausführliches Feedback zu meinen gezeigten Stärken und Entwicklungsfeldern bekam.«

AC-Coach Tobias Meier rät, mit Selbstbewusstsein in ein AC zu gehen: »Bewerber müssen sich klar machen, dass das Unternehmen bereits großes Interesse an ihnen hat. Eine Einladung zu einem Assessmentcenter ist bereits ein großes Kompliment!«


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