Lass dich von Brainteasern nicht aus der Ruhe bringen. Reine Übungssache. Foto: Pixabay

Brainteaser im Bewerbungsgespräch: Beispiele und Tipps

›Wie würden Sie die Hungersnot auf der Welt lindern?‹ Fragen dieser Art warten in so manchem Vorstellungsgespräch auf dich. Analytisches Denken ist gefragt! Welche Klassiker es gibt und wie du sie knackst

Brainteaser: Was ist das?

Ein Brainteaser ist eigentlich eine kleine Fallstudie. Sie braucht weniger Zeit als ein ›Case‹ und ist oft gepaart mit einem Überraschungseffekt. So ist die Frage ›Wie viele Friseure gibt es in Deutschland?‹ unter den Brainteasern genauso ein Klassiker wie die Aufgabe ›Wie schwer ist Manhattan?‹.

»Insbesondere Personaler von Unternehmensberatungen, Investmentbanken und der Konsumgüterindustrie nutzen diese Denksport-Aufgaben«, betont Stefan Menden, Herausgeber des Ratgebers ›Brainteaser im Bewerbungsgespräch‹. Der Gründer der Karriere-Community squeaker.net hat inzwischen einen neuen Trend ausgemacht: »Aktuell verwenden auch Start-up-Unternehmen vermehrt Brainteaser bei ihrer Personalauswahl.«

Beispiele für Brainteaser im Bewerbungsgespräch

Es gibt verschiedene Formen von Brainteasern. Bei einer der wichtigsten Kategorien ist mathematisches Denken gefragt, auch wenn die Aufgabe auf dem ersten Blick gar nicht so aussieht und der Bewerber deshalb meint, die Frage ohne Grundrechenarten beantworten zu können.

Beispiel: »Eineinhalb Hühner legen an eineinhalb Tagen eineinhalb Eier. Wie viele Eier legt ein Huhn an einem Tag?«
Wer jetzt spontan »Ein Ei« sagt, liegt falsch. Stattdessen sollte er den Dreisatz aus Schultagen bemühen. Danach legt ein Huhn 2/3 Eier am Tag.

Bei einer weiteren Brainteaser-Variante geht es weniger um Mathe als vielmehr um Logik. Es ist also folgerichtiges und analytisches Denken gefragt.

Beispiel: »Welcher Tag ist morgen, wenn vorgestern der Tag nach Montag war?«
Die richtige Antwort ist Freitag.

Eine andere Methode funktioniert nach dem ›Trial and Error‹-Prinzip. Solche Aufgaben lassen sich nicht einfach nach einem mathematischen oder logischen Muster lösen, auch dann nicht, wenn es um Zahlen geht wie beim ›Wasser schöpfen‹:

Beispiel: »Aus einem Brunnen soll Berta einen Liter Wasser schöpfen. Sie hat jedoch nur einen Drei-Liter-Kanister und einen Fünf-Liter-Kanister dabei. Kann Berta mit nur zwei Versuchen genau einen Liter Wasser schöpfen?«
Die Antwort lautet: Ja, nämlich dann, wenn sie zuerst den Drei-Liter-Kanister füllt und in den Fünf-Liter-Behälter umschüttet. Anschließend füllt sie noch einmal den Drei-Liter-Behälter. Auch dieses Wasser wird wieder in den Fünf-Liter-Kanister umgefüllt bis er voll ist. So bleibt ein Liter übrig.
 

Brainteaser, die kreative Lösungsansätze erfordern

Manche Aufgaben fordern den Bewerber zum ›Out-of-the-box‹-Denken heraus: Dabei sollen die Kandidaten den vorgegebenen Rahmen verlassen und kreative Lösungsansätze entwickeln. Das Problem dabei ist oft, dass komplizierte Formulierungen oder überflüssige Details in der Aufgabenstellung den Blick auf das Wesentliche verstellen können.

Ein Klassiker unter diesen Brainteasern ist die Frage: »Was ist mächtiger als Gott, noch böser als der Teufel? Die Armen haben es, die Reichen brauchen es. Und wer es isst, der stirbt.«
Die Antwort lautet: Nichts.

Die Frage »Wie schwer ist Manhattan?« gehört zu den sogenannten Schätz-Aufgaben. Solchen Brainteasern ist gemein, dass der Bewerber nicht alle Informationen hat, die er eigentlich für die Aufgabenbewältigung braucht.

Entscheidend für die Lösung ist deshalb eine gute Mischung aus mathematischem Grundwissen, Allgemeinbildung und Kreativität. So lassen sich in der Regel Annahmen treffen, die logisch aufgebaut und überzeugend sind. Eine bezifferbare Antwort auf die Frage nach dem Gewicht Manhattans gibt es ohnehin nicht. Neben dem Schätzen nutzen Personaler auch kleine Logikaufgaben als Brainteaser, etwa Zahlenreihen oder Figurenfolgen, wie du sie aus Intelligenztests kennst.
 

Vorbereitung auf Brainteaser wichtig

Wer als Bewerber weiß, dass er mit solchen Brainteasern konfrontiert werden kann, hat schon einen ersten wichtigen Schritt getan: Er hat sich informiert. Und das empfiehlt Stefan Menden Studierenden und Hochschulabsolventen gleichermaßen. Denn Personaler nutzen Brainteaser auch im Recruiting-Prozess von Praktikanten und Berufseinsteigern.

Auch die Psychologin Nina Becker, die bei dem Start-up-Unternehmen JustBook Mobile GmbH für das Recruiting zuständig ist, rät: »Studenten sollten sich mit Büchern vorbereiten, so verlieren sie die Angst vor Brainteasern und verstehen, wie sie aufgebaut sind. Zur Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch gehört es, einige dieser Aufgaben unbedingt durchzuarbeiten.«

Neben der Lektüre von Büchern und der Internetrecherche ist auch die Kommunikation mit Kommilitonen wichtig. Denn so erfahren Studierende, welche Unternehmen Brainteaser nutzen und welche nicht.

So wichtig Recherche und Information auch sind, Studierende sollten auf gar keinen Fall Brainteaser auswendig lernen. Denn beim Brainteaser kommt es nicht so sehr auf die richtige Antwort, sondern auf den Lösungsweg an. Dazu Stefan Menden: »Die Personaler interessieren sich für das logische Denken, das mathematische Können und die Kreativität der Kandidaten. Deshalb überzeugen sie nachvollziehbare Annahmen und sinnvolle Rechenprozesse und nicht auswendig gelernte Antworten.« Der Weg ist also das Ziel.

Tipps für Brainteaser: Ruhe bewahren, Gedankenkette darlegen

Der 30-jährige Jörg Lederbauer aus München hat eigene Erfahrungen mit Brainteasern im Bewerbungsgespräch: »Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und dem Interviewer seine Gedankenkette transparent und schlüssig darzulegen.« Bewerber sollten sich einen roten Faden überlegen und dann das Problem in Teilaufgaben strukturieren. Es sei unbedingt erforderlich, seine Gedanken, Prämissen und Annahmen dem Interviewpartner mitzuteilen.

Jörg Lederbauer hat zuerst Maschinenbau studiert und dann einen Master in Financial Management gemacht. In den letzten zwei Jahren war er bei Roland Berger Strategy Consultants als Senior Consultant tätig. Heute arbeitet er für BMW.

Auf jeden Fall sollten Bewerber genau zuhören und bei Unklarheiten nachfragen. Denn so lassen sich viele Verständnisprobleme lösen. Und noch etwas ist bei der Bearbeitung von Brainteasern hilfreich: »Sicheres Kopfrechnen kann über den Erfolg entscheiden. Deshalb sollten sich Kandidaten vor dem Interview die wichtigsten Formeln aus Mathe und Physik einprägen«, so Menden.

Es kommt bei der Bearbeitung von Brainteasern auch auf die richtige innere Einstellung an: »In einem Vorstellungsgespräch sollte man entspannt und authentisch sein«, erklärt auch Ludwig Fazel, Senior Consultant von Roland Berger Strategy Consultants. »Das Ziel eines Brainteasers ist es nicht, den Gesprächspartner vor eine unlösbare Aufgabe zu stellen. Brainteaser sind meist schnell lösbar, auch wenn die Bewerber am Anfang grübeln müssen.«

Schließlich will das Unternehmen wissen, wie sich ein Kandidat verhält, sollte er nicht direkt auf die Antwort kommen. Gibt der Bewerber gleich verzweifelt auf oder versucht er, mit Ausdauer zu einem sinnvollen Ergebnis zu kommen? Wer erfolgreich sein will, sollte also nicht zu früh das Handtuch werfen, sondern durchatmen und einen anderen Lösungsansatz versuchen.


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