Fragen in Diaform auf einem braunen Holztisch
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Unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch

Auch wenn das Vorstellungsgespräch manchmal wie ein Verhör wirkt – alle Fragen stellen dürfen Personaler nicht. Welche Fragen im Bewerbungsgespräch unzulässig sind, liest du hier

Das Vorstellungsgespräch ist für viele neben der Gehaltsverhandlung der unangenehmste Teil eines Bewerbungsverfahrens – man ist aufgeregt, will sich optimal präsentieren und muss sich eventuell auch noch fiesen Fragen stellen. Die Antwort auf diese zu finden, ist nicht immer leicht und entspricht oft einer Gratwanderung. Doch nicht alle Fragen sind auch zulässig und müssen beantwortet werden.

Diese Fragen sind unzulässig: Arbeitsrecht

Grundsätzlich gibt es vier Fragenbereiche, nach denen im Bewerbungsgespräch nicht gefragt werden darf. Alle von ihnen betreffen das Privatleben:

1) Fragen zur Familienplanung

Die Familienplanung hat zwar auch Auswirkungen auf deine Arbeit und die Firma, ist aber zunächst einmal privat und darf etwa auch nicht die Entscheidung über die Einstellung beeinflussen. Unzulässige Fragen zu diesem Themengebiet könnten sein:

  • Fragen zum Familienstand
  • Fragen zur sexuellen Neigung
  • Fragen zu einer bestehenden Schwangerschaft
  • Fragen zum Kinderwunsch
  • Fragen zum Partner oder anderen Familienmitgliedern und Verwandten

Etwas anders sieht es aus, wenn die angestrebte Tätigkeit von Schwangeren nicht oder nur eingeschränkt ausgeführt werden darf – etwa weil sie mit großer körperlicher Anstrengung verbunden ist. Auch andersherum können Bewerber direkt die Familienplanung ansprechen, wenn sie etwa ständige Geschäftsreisen vermeiden wollen. Hier ist aber große Sensibilität gefragt.

2) Fragen zur gesundheitlichen Situation

Neben den Fragen zur Familie und deren Planung sind auch Fragen zur gesundheitlichen Situation im Vorstellungsgespräch nicht erlaubt. Dazu zählen Fragen …

  • … zum derzeitigen Gesundheitszustand
  • … zu einer Behinderung
  • … zu vergangenen Erkrankungen und deren Dauer
  • … zu schweren Krankheiten in der Familie

All diese Fragen darf der Personaler nicht stellen. Doch auch hier kannst du das Thema wieder selbst ansprechen, wenn du etwa bestimmte Tätigkeiten aufgrund deines Gesundheitszustands vermeiden möchtest.

3) Fragen zu privaten Ansichten

Deine persönliche Meinung zu religiösen Fragen oder politischen Themen geht den Personal-Entscheider erst einmal nichts an, dementsprechend sind auch Fragen zu diesem Themenblock tabu. Folgende Bereiche sind unerlaubt:

  • Fragen zu Religion und Konfession
  • Fragen zu einer Parteizugehörigkeit oder auch nur der politischen Einstellung
  • Fragen zu einer Gewerkschaftszugehörigkeit

Diese Fragen darf der Personaler nicht stellen – entsprechend musst du auch nicht darauf antworten.

4) Generelle Fragen zum Privatleben

Ganz allgemein kann man sagen, dass dein Privatleben für die Bewerbung und die Stellenbesetzung irrelevant ist. Der Personaler darf also auch nicht danach fragen. Hobbies oder Ehrenamt stellen hier vielleicht noch Ausnahmen dar und können für den Personal Entscheider durchaus interessant sein. Entsprechende Fragen zu beantworten, dürfte aber auch nicht schwerfallen und hilft eventuell sogar, dich selbst im besten Licht darzustellen. Denn ehrenamtliches Engagement oder ein Teamsport weisen ja auf gute charakterliche Eigenschaften hin. Fragen zum Privatleben, die beispielsweise tabu wären sind diese Fragen …

  • … zu Vorstrafen, Straftaten, Gefängnisaufenthalten
  • … zum Umgang mit Geld
  • … zu einer möglichen Verschuldung
  • … zu den Vermögensverhältnissen der Familie

Auch hier gibt es natürlich wieder Ausnahmen – Vorstrafen oder Straftaten sind natürlich relevant, wenn du Jurist oder (Polizei-)Beamter werden willst. Strebst du einen Job als Banker oder Kassierer an, ist oft ebenfalls ein polizeiliches Führungszeugnis nötig und deine privaten Vermögensverhältnisse, insbesondere Schulden, spielen eine Rolle.

Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch: Schwangerschaft

Da die Frage zu einer Schwangerschaft besonders relevant ist, gehen wir auf diese noch einmal speziell ein. Fragen nach einer Schwangerschaft müssen sich grundsätzlich nur Kandidatinnen gefallen lassen, die sich auf eine Stelle beworben haben, die bei bestehender Schwangerschaft nur eingeschränkt oder gar nicht ausgeführt werden kann. In diesem Fall müssen die Bewerberinnen wahrheitsgemäß antworten – tun sie das nicht, kann der Arbeitgeber den Vertrag später anfechten.

Hier ist aber gegebenenfalls schon vorher eine Überlegung wert, ob man sich überhaupt auf eine entsprechende Stelle bewirbt. Hier sollte berücksichtigt werden, welche Aufgaben wahrgenommen werden können und welche nicht. Machen letztere nur einen kleinen Teil des Jobs aus, lassen die meisten Arbeitgeber meist mit sich reden. Kann jedoch vielleicht nur ein Fünftel der Aufgaben erfüllt werden, ist die Lage schon anders. Legitim ist es aber tatsächlich, sich schwanger auf eine Schwangerschaftsvertretung zu bewerben. Die Bewerberin muss auch hier nicht zuvor angeben, dass sie schwanger ist. Ein entsprechender Fall kam vor das Landesarbeitsgericht Köln – das entschied, dass der Arbeitsvertrag in diesem Fall nicht angefochten werden kann.

Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch: Behinderung

Dasselbe wie für Schwangere gilt auch für behinderte oder schwerbehinderte Menschen. Grundsätzlich müssen diese ihre Beeinträchtigung nicht von sich aus mitteilen. Anders ist das wiederum dann, wenn der Bewerber die geforderte Arbeit nicht oder nur eingeschränkt erbringen kann. Ist eine bestimmte körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit eine entscheidende Voraussetzung für einen konkreten Arbeitsplatz, darf der Arbeitgeber fragen, ob der Bewerber an entsprechenden gesundheitlichen, seelischen oder anderen Beeinträchtigungen leidet. In allen anderen Fällen ist eine solche Frage unzulässig und muss nicht oder nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden.

Viele Unternehmen fragen mittlerweile in Ihren Bewerbungsportalen eine Behinderung ab – um die Bewerber dann bei gleicher Qualifikation gezielt zu bevorzugen. Zu einer Angabe ist ein behinderter Bewerber allerdings nicht verpflichtet. Es liegt vielmehr in seinem eigenen Ermessen, ob er den eventuell künftigen Arbeitgeber über seine Behinderung informieren möchte und dadurch gegebenenfalls bestimmte Vorteile im Bewerbungsverfahren genießt. Tipps zur Bewerbung  mit Behinderung haben wir für dich im Artikel ›Richtig bewerben mit Behinderung‹ zusammengefasst.

Unzulässige Fragen beim Bewerbungsgespräch: Reaktion & Verhalten

Jetzt weißt du, welche Fragen um Bewerbungsgespräch unzulässig sind und nicht gestellt werden dürfen. Doch wie reagierst du richtig, falls der Personaler doch nach einem solchen privaten Thema fragt? Nicht gut wirkt es natürlich, wenn du zum Beispiel antwortest „Dazu sage ich nichts“ oder „Das dürfen Sie nicht fragen“. Erstens wirkt es direkt leicht verdächtig, zweitens verspielst du so eventuell einige Sympathiepunkte und drittens: Ein Vorstellungsgespräch ist ja auch mit unerlaubten Fragen noch kein Verhör.

Direkt auf die Frage antworten musst du deswegen trotzdem nicht. Eine ausweichende Antwort ist genauso in Ordnung wie eine Notlüge. Kommt später die Wahrheit heraus, darf dein Chef dir das nicht übelnehmen oder dich gar bestrafen. Möglich ist auch eine Gegenfrage mit Augenzwinkern, zum Beispiel: „Oh, ist eine Schwangerschaft eine Voraussetzung für diese Stelle? Das muss ich in der Stellenanzeige überlesen haben.“ Das erfordert vielleicht etwas Mut, zeigt aber Selbstbewusstsein und dass du in schwierigen Situationen souverän reagieren kannst. Grundsätzlich kannst du auch einfach zurückfragen, was das Erfragte mit der angestrebten Position zu tun hat.

Egal, für welche Antwort du dich entscheidest, am allerwichtigsten ist es, Ruhe zu bewahren und vor allem sachlich zu bleiben. Folgt allerdings eine unzulässige Frage nach der anderen, solltest du dich fragen, ob du in einem solchen Unternehmen arbeiten willst und gegebenenfalls das Gespräch abbrechen. Auch in diesem Fall solltest du aber höflich und sachlich bleiben und dich für die Zeit und das Gespräch bedanken.


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