Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch: Strategien

'Erzählen Sie doch mal etwas über sich!' Uff! Ohne Vorbereitung schwer zu machen. Mit unseren Strategien meisterst du diesen Punkt des Bewerbungsgesprächs ohne Probleme.

Selbstpräsentation: Lerne deine Persönlichkeit kennen!

Viele Bewerber sprechen im Vorstellungsgespräch über sich, als ob sie sich gerade das erste Mal selbst begegnen. Das hat einen einfachen Grund: Wir denken zwar in der Regel über uns selbst nach, sprechen aber so gut wie nie über uns als Person mit all ihren Facetten. In der Folge machen Bewerber einen unbestimmten, blassen Eindruck.

Sieh das Gespräch wie ein Theaterstück, bei dem du dich einem Publikum vorstellst. Wie ein Regisseur stellst du deine verschiedenen Persönlichkeitsaspekte zusammen. Mit der folgenden Übung kannst du dich recht schnell selbst darstellen.

Betrachte die folgenden Aspekte und denke dir zu jedem drei Punkte:
 

  • Was sind deine Fähigkeiten?

Damit sind Handlungskompetenzen gemeint (z.B. Präsentieren, Projekte leiten, Produkte entwickeln).
 

  • Was sind deine Kenntnisse?

Hier kommt es auf deine kognitiven Fähigkeiten und dein Wissen an (z.B. Autocad, Filtertechnik, Antriebstechnik).
 

  • Wie steht's um deine Motivationen und Interessen?

Hier geht es darum, wofür du dich im beruflichen Umfeld begeistern kannst (z.B. neue Dinge zu erfinden, Prozesse zu optimieren, Menschen zu führen).
 

  • Welche Eigenschaften hast du?

Damit sind Persönlichkeitseigenschaften gemeint, wie z.B. ausdauernd, kooperativ, kreativ.
 

  • Welche beruflichen Werte sind dir wichtig?

Was ist dir in deinem Berufsleben am wichtigsten (z.B. großer Handlungsspielraum, klare Arbeitsabläufe, internationaler Kontext)?
 

  • Was sind deine Überzeugungen / Glaubenssätze?

Jeder hat Grundüberzeugungen, die sich häufig durch Volksweisheiten prägnant ausdrücken lassen. Personaler versuchen manchmal, diese herauszufinden, indem sie nach deinem ‘Lebensmotto’ fragen. Beispiele: »Vertrauen ist die Grundlage für Zusammenarbeit«, »Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser«, »Wenn man die richtigen Fragen stellt, hat man bald die Lösung« etc.).
 

  • Was ist deine Identität?

Für wen hältst du dich, welche Rolle spielst du im Vergleich zu anderen? Personaler sind manchmal sehr dankbar für griffige Selbstbeschreibungen. Beispiel: Tüftler, Verkäufer, Leithammel.

Selbstdarstellung im Vorstellungsgespräch: Stimmige Zusammenhänge sind wichtig!

Wenn du nun zu jedem Punkt drei Beispiele gefunden hast, lege diese nebeneinander. Der Clou liegt nun darin, stimmige Zusammenhänge zu finden. So erhältst du drei vollständige Persönlichkeitsbeschreibungen, die du zusammenhängend in jeweils passender Reihenfolge kurz darstellen kannst.

Beispiel:
»Ich war immer schon ein Tüftler. Ich liebe es, neue Dinge zu entwickeln und zum Laufen zu bringen. Ich habe mich früh mit Autocad beschäftigt und interessiere mich vor allem für Antriebstechniken. Ich glaube, jedes Problem ist mit den richtigen Fragestellungen über kurz oder lang lösbar. Deshalb kann ich mich sehr ausdauernd mit einem Problem beschäftigen, wenn klare Arbeitsabläufe mir die Ruhe dazu lassen.«

Wenn du so eine Beschreibung von dir aus anbietest, wirkst du gleich farbiger und gibst mehr Informationen über dich, als wenn du nur kurz auf eine Frage antwortest. Zudem bist du in der Lage, im Gespräch die Ebenen zu wechseln: Wer auf eine Frage nach seinen Kompetenzen in gebotener Kürze zusätzlich seine Werte und Identität beschreiben kann, zeigt Souveränität und tut dem Fragenden einen Gefallen.
 

Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch: Dein Leben als Film!

 

Informationen bleiben am besten haften, wenn sie in einer Geschichte verpackt sind. Menschen und Sachverhalte werden überzeugender, wenn sie im Rahmen einer Geschichte präsentiert werden. Daher habe ich oben die Darstellung einzelner Aspekte mit einem praktischen Beispiel beziehungsweise einer Geschichte enden lassen. Was du mit einzelnen Aspekten machen kannst, gilt auch für deinen gesamten Lebensweg: Stell dir vor, dein Leben sei ein Plot für einen guten Film. Es sollte eine Geschichte mit einer Spannungskurve sein, interessanten Akteuren, Träumen und Hoffnungen, überwundenen Schwierigkeiten und einem Happy End.

Bei der Selbstpräsentation geht es nicht darum, deinen Lebenslauf herunterzuleiern - den hat der Personaler im Zweifelsfalls schon vor deiner Einladung zum Vorstellungsgespräch gelesen. Auch gilt es, nicht die gleichen Worte wie in deinem Anschreiben bzw. Motivationsschreiben zu wählen. Das Anschreiben ist so formuliert, dass es sich geschrieben gut anhört, im Bewerbungsgespräch kommt es auf eine flüssige und natürliche Wortwahl an die sich sicherlich von deiner Schriftsprache unterscheidet.

Personaler versuchen, mit bestimmten Fragen bestimmte Informationen zu erhalten. Wenn man zum Beispiel herausfinden möchte, ob ein Bewerber gut im Team arbeiten kann, sind mehrere Fragen möglich:

  • »Welche Erfahrungen haben Sie mit der Arbeit im Team gemacht?«
  • »Stellen Sie sich vor, Sie müssten... (jetzt kommt eine längerer Beispielsfall, der meistens ein Dilemma beinhaltet). Was würden Sie tun?«
  • »Was bedeutet für Sie Teamfähigkeit

Hier gilt folgendes Prinzip:
Anstatt auf eine einzelne Frage zu antworten, versuche gleich herauszufinden, worum es dem Fragenden geht und biete ihm gehaltvolle Informationen an. Persönlichkeitseigenschaften und andere oben genannte Merkmale kannst du umfassend darstellen, wenn du den Dreischritt ‘Begriff, Definition, Beispiel’ berücksichtigst. Dabei kann die Reihenfolge variieren.

Beispiel für eine gute Antwort:

»Ich halte mich für ziemlich teamfähig. Teamfähigkeit bedeutet nach meinem Verständnis, erfolgreich mit anderen Menschen arbeitsteilig für ein Ziel zu arbeiten. Ich erinnere mich an ein Projekt während meines Studiums, als ich....«


Kurz: Würze dein Leben mit Dramatik, damit dein Gegenüber nicht einschläft. Stell dir vor, er wäre dein Kinozuschauer.
Für die ‘Dramatisierung’ deines Lebenslaufs kannst du folgende Zutaten verwenden: Eine Geschichte bewegt sich auf ein Ziel zu. Im laufenden Film sind sich Held und Zuschauer dieser Tatsache aus Spannungsgründen häufig nicht bewusst. Im Vorstellungsgespräch sitzen Held und Zuschauer aber zusammen und blicken auf die Geschichte zurück.
Das bedeutet: Das Ziel des Ganzen muss jetzt klar sein. Das ist der rote Faden, den sich Personaler sehnlichst wünschen, damit die Einstellung als sinnvoller Schlusspunkt der bisherigen Reise erscheint. Versuche also, in jeder Station deines Lebens Konstanten zu finden, die am Ende den roten Faden ergeben:

»Schon mein Vater hatte sich damals überlegt, Solarzellen aufs Dach zu setzen ... In der Schule haben wir mit Solarmodulen experimentiert ... Spätestens nach Besuch einer Messe für Umwelttechnik war mir klar, dass ich Elektrotechnik studieren und mich mit erneuerbaren Energien beschäftigen will ... Bei meinem Praktikum bei ... habe ich auch ... Klar, dass Ihr Unternehmen vor diesem Hintergrund für mich erste Wahl ist.«

Wie bei jeder guten Geschichte ist auch hier ein verantwortungsbewusster kreativer Umgang mit der ‘Wahrheit’ erlaubt. Nutze kleinere Krisen oder Niederlagen als Spannungsgeber. Viele Bewerber versuchen, diese zu verschleiern, dabei sind sie von unschätzbarem Wert. Wenn du darstellst, wie du aus einer Niederlage gelernt und das Beste daraus gemacht hast, bist du im wahrsten Sinne der ‘Held’ der Geschichte. Wer immer nur gewinnt, ist langweilig und nicht unbedingt sympathisch.

Wichtig sind des weiteren interessante Akteure. Wenn du erzählst, was du an anderen Menschen bewunderst, wie andere dir geholfen haben oder wie du mit bestimmten Personen umgegangen bist, kannst du Personalern in einer kurzen Sequenz sehr viele Informationen über dich geben. Ideal eignen sich Lehrer, Professoren, Praktikumsbetreuer, Studienkollegen oder Geschwister.

Am Ende zählt vor allem eins: ein gutes Gefühl beim Zuhörer, damit er gerne mit dir arbeiten möchte.


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