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Branchen, Laufbahnen & Co: Wie du als Beamter Karriere machst

Beamter – diesen Berufswunsch hegen nur wenige Jugendliche oder junge Erwachsene. Irgendwie klingt das Wort langweilig und, zugegeben, die Beamten genießen nicht unbedingt den besten Ruf in der Gesellschaft. Dahinter steckt aber eigentlich nichts anderes als Unwissenheit und ein bisschen Neid, denn Beamte haben finanziell viele Vorteile, welche Angestellte oder Selbstständige nicht genießen. Welche sind das also und wie kannst du als Beamter Karriere machen?

Definition und Vorteile vom sogenannten „Beamtentum“


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Das Beamtentum selbst ist eigentlich gar kein Beruf, sondern nur ein Überbegriff für viele verschiedene Berufe, welche laut Definition „eine Gruppe des Personalkörpers der Administrative eines Gemeinwesens“ bilden. Auf gut Deutsch: Als Beamter arbeitest du im Staatsdienst und daraus ergibt sich eine sogenannte Fürsorgepflicht. Der Staat kümmert sich also um dich – während der Dienstzeit sowie darüber hinaus. Die konkreten Vorteile, welche sich für dich aus diesem Öffentlichen Dienst ergeben, sind zum Beispiel:

  • Sicherer und „unkündbarer“ Arbeitsplatz – ausgenommen die Entlassung aus disziplinarischen oder gesundheitlichen Gründen.
  • Überdurchschnittliche Gehälter mit hohem Netto-Anteil, da die Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung entfallen.
  • Dementsprechend besteht eine private Krankenversicherung mit all ihren Vorteilen gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen sowie ein Anspruch auf staatliche Beihilfe durch den Bund oder das betreffende Bundesland.
  • Sollte es zum Krankheitsfall kommen, haben Beamte Anspruch auf eine unbegrenzte Entgeltfortzahlung.
  • Anstelle einer Rente, erhalten Beamte eine Pension, deren Höhe sich ebenfalls nach den Dienstjahren richtet, allerdings in der Regel deutlich über den gesetzlichen Rentenzahlungen liegt. Beamte leben somit im Alter meist besser als vergleichbar verdienende Angestellte oder Selbstständige.
  • Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für Beamte deutlich einfacher. Sie erhalten für Kinder nicht nur mehr Lohn, sondern können in der Regel auch problemlos Teilzeit- oder Gleitzeitmodelle nutzen.
  • Beamte genießen finanzielle Vorteile bei Versicherungen und Banken, welche häufig spezielle Sonderkonditionen wie niedrige Zinssätze auf Kredite offerieren.
  • Es besteht in den meisten Beamtenbranchen die Möglichkeit der stetigen Fortbildung und somit Erweiterung oder Veränderung des eigenen Berufszweigs.

Nachteile: Wie sieht die andere Seite der Medaille aus?

Wie immer im Leben, hat aber natürlich auch das Beamtentum nicht nur Vorteile, sondern auch den einen oder anderen Nachteil. So haben Beamte beispielsweise kein Streikrecht und wenn du einmal krank werden solltest, erhältst du den Zuschuss nicht immer sofort. Das bedeutet, du musst unter Umständen erst einmal aus eigener Tasche in Vorleistung gehen. Zudem ist der Beruf in vielen Branchen sehr starr, sprich du hast wenig Flexibilität, wenn du beispielsweise umziehen möchtest.

Obwohl die Jobs in der Regel überdurchschnittlich bezahlt sind, gilt das nicht unbedingt für Fach- und Führungskräfte. Diese können teilweise in der freien Wirtschaft mehr Geld nach Hause bringen. Schlussendlich entscheiden sich die meisten Beamten aufgrund der hohen Sicherheit und der Pension für diese Laufbahn – und ebenso viele Menschen aufgrund der Nachteile bewusst dagegen. Ob das Beamtentum zu dir passt, kannst du also nur selbst entscheiden.

Beamtenbranchen: Welche Tätigkeitsfelder stehen dir zur Auswahl?

Wie bereits erwähnt, ist „Beamter“ per se kein Beruf. Stattdessen ist der Begriff sozusagen ein Status, welchen du in vielen verschiedenen Berufen erlangen kannst. Insgesamt bieten die Behörden aktuell rund 130 verschiedene Ausbildungsberufe an sowie zahlreiche weitere Möglichkeiten, nach einem Studium in den Staatsdienst einzutreten. Bei der großen Auswahl ist gewiss auch etwas nach deinem Geschmack dabei – wenn du eben die Laufbahn als Beamter anstrebst. Folgende sind demnach nur einige wenige von vielen Beispielen, in welchen Bereichen du verbeamtet Karriere machen kannst:

  • Behörden und Ämter: Viele Menschen denken bei dem Wort „Beamtentum“ direkt an die Mitarbeiter auf den Ämtern. Das ist richtig, jedoch längst nicht der einzige potenzielle Einsatzort. Wer aber will, kann durchaus bei den Behörden oder Ämtern tätig werden. Die Auswahl hierbei ist groß. Möchtest du beim Bauamt arbeiten, bist du beispielsweise als Bauaufsichtsbehörde tätig, sprich du begleitest Baugenehmigungs- und Bauordnungsverfahren bei Bauprojekten. Unterschieden wird hierbei noch einmal zwischen dem Hochbau-, Tiefbau-, Baurechts-, Bauverwaltungsamt und dem Bauhof. Andere Ämter beschäftigen sich hingegen mit den Themen Datenverarbeitung, Auto und Verkehr, Patent und Marken, Arbeit und Soziales oder Wirtschaft und Finanzen – hier ist die Liste aber noch deutlich länger.

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  • Lehramt: Lehrer sind nicht zwangsläufig verbeamtet, jedoch gibt es entsprechende Beamtenstellen an öffentlichen Schulen. Wie viel du dabei verdienst, hängt von deiner Laufbahn sowie der Art der Schule ab. Entscheidest du dich für diesen Beruf, musst du dabei noch weitere Besonderheiten beachten. So kannst du also Lehrer beispielsweise nicht jederzeit Urlaub nehmen, sondern musst dich nach den Ferienzeiten richten. Zudem sind die Arbeitszeiten eher ungewöhnlich und setzen sich zumeist aus mehreren Vormittagen und einigen Nachmittagen vor Ort sowie der Vor- und Nachbereitung im Homeoffice zusammen.  Rabea Blinn hat ihre Erfahrungenen im Studium  für den Bereich Geschichte und Englisch für uns zusammengefasst.
  • Polizei: Ein Ordnungshüter zu werden, ist für viele Jugendliche und junge Erwachsene ein echter Traumberuf. Allerdings ist der Einstieg in die Polizei nicht ganz einfach, denn hierfür müssen im Bewerbungsverfahren viele verschiedene Tests bestanden werden. Informationen dazu findet man im Netz. Einmal geschafft, unterscheiden sich die Laufbahnen hinsichtlich Gehalt, Tätigkeit & Co stark voneinander. Du kannst beispielsweise zur Schutzpolizei gehen und dort Unfälle aufnehmen sowie Streife fahren. Doch auch in den Bereichen der Kriminalpolizei, Wasserschutzpolizei, Verkehrspolizei, Kampfmittelbeseitigung, Interpol, Spezialeinheiten oder sogar im Polizeiorchester kannst du tätig werden – und auch damit ist die Liste noch lange nicht zu Ende.
  • Bundeswehr: Einer der größten Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst ist die Bundeswehr. Hier kannst du als Freiwilliger Wehrdienstleistender eintreten, als Zeitsoldat oder du wirst anschließend sogar verbeamteter Berufssoldat. Im Gegensatz zur Polizei, ist der Einstieg hier deutlich leichter, jedoch hängen die Laufbahn sowie Karriereperspektiven stark von deiner Vorbildung ab. Unterschiede gibt es zudem in den Einsatzbereichen: Bei der Bundeswehr kannst du Pilot werden, Fallschirmjäger, Gebirgspionier, Feuerwehrmann, aber auch einfach ein Büromitarbeiter, IT-Spezialist, eine Krankenschwester – oder andere „normale“ Berufe mit dem Bund als Arbeitgeber.

Diese Beispiele gehören zu den häufigsten und beliebtesten Einsatzfeldern für Beamte. Jedoch machen sie bereits deutlich, wie vielfältig die Möglichkeiten sind. Zu den weiteren Optionen gehört die Landschaftsgärtnerei, die Mediengestaltung, das Handwerk, das Sozialwesen und, und, und…

Es ist daher sinnvoll, dass du dich erst einmal fragst, welcher Beruf zu dir passt und ob du das Beamtentum anstrebst oder eher nicht. Wenn ja, so findest du gewiss bei irgendeinem Amt, einer Institution oder einem anderen öffentlichen Arbeitgeber eine Möglichkeit, genau diesen Beruf als Beamter zu ergreifen beziehungsweise zu erlernen. Ausnahmen bestätigen die Regel!

Karriere & Laufbahnen: Dein Weg in den Öffentlichen Dienst

Eines haben jedoch viele dieser Berufe gemeinsam: Sie sind in verschiedene Laufbahnen unterteilt. Welche Laufbahn du ergreifen kannst, hängt von deinem Abschluss sowie weiteren Faktoren wie deinem Alter, deiner Eignung & Co ab. Diese Laufbahnen bestimmen wiederum darüber, wie viel Geld du verdienen und wie hoch du in der Hierarchie aufsteigen kannst. Prinzipiell gibt es den

  1. einfachen,
  2. mittleren,
  3. gehobenen und
  4. höheren Dienst.

Für den einfachen sowie mittleren Dienst absolvierst du in der Regel eine Ausbildung. Möchtest du allerdings in den gehobenen oder höheren Dienst, benötigst du ein abgeschlossenes Studium. Der Quereinstieg ist in einigen Berufen zwar durchaus möglich, allerdings benötigst du dafür die richtigen Qualifikationen sowie einen Funken Glück. Aufgrund des Fachkräftemangels werden einige Beamtenbranchen mittlerweile aber immer liberaler, auch was Zugangsvoraussetzungen oder Altersgrenzen angeht. Wenn das Beamtentum also dein Traum ist, ist es definitiv einen Versuch wert. Bestenfalls informierst du dich dann frühzeitig darüber, welche Qualifikationen du für deine Traumkarriere mitbringen müsstest und bei welchem Arbeitgeber du später arbeiten könntest – denn vielleicht bietet er auch direkt eine entsprechende Ausbildung, ein duales Studium oder eine andere Einstiegsmöglichkeit für dich an. Ansonsten studierst du bestenfalls erst einmal auf eigene Faust beziehungsweise absolvierst eine passende Ausbildung und versuchst anschließend mit einer klassischen Bewerbung dein Glück im Öffentlichen Dienst. Viel Erfolg!

Ein Beitrag der externen Autorin Anja Klein.