Mann hängt verkehrtherum in der Luft an einem Seil

Arbeiten im Risikomanagement

Wo unternehmerisch gehandelt wird, entstehen Risiken. Risikomanager passen auf, dass diese dem Unternehmen nicht zum Verhängnis werden.

Machen wir uns es erst einmal einfach und stellen uns folgendes vor: Du vermietest deine Wohnung an einen Untermieter. Dieser ist vertraglich verpflichtet, dir seine Miete pünktlich aufs Konto zu überweisen. Das ist mit Risiken verbunden, die du minimieren möchtest, daher lässt du eine Kaution hinterlegen oder dir eine Gehaltsabrechnung zeigen. Ein Restrisiko aber bleibt. So ähnlich verhält sich das bei Arvato Infoscore. Arvato Infoscore gehört zum Bertelsmann-Konzern und bietet seinen Unternehmen Unterstützung bei der kaufmännischen Betreuung von Kundenbeziehungen.

Dazu gehören auch sämtliche Dienstleistungen, die den Zahlungsfluss betreffen

Und – das haben wir gerade geklärt – wo es um Geld geht, gibt es Risiken, denen entgegengetreten werden muss. Andreas Kulpa, Fachbereichsleiter Consulting Services im Geschäftsbereich Risk Management, kann das genauer erklären:

»Das Unternehmen unterstützt mit dem Geschäftsbereich Risk Management alle risikoorientierten Entscheidungen entlang des Kundenlebenszyklus durch die Bereitstellung von Bonitätsdaten, die Entwicklung von Scoring-Lösungen und die Automatisierung von Kundenmanagementprozessen.«

Ein Beispiel dazu gibt Kulpa gleich mit:

»Im Bereich Risk Management Operations beispielsweise arbeiten vor allem Experten im Risiko- und Betrugsmanagement für den E-Commerce.«

So soll gewährleistet werden, dass es möglichst nicht zu Zahlungsausfällen für die Onlinehändler kommt.

Wer nun denkt, es gehe hier um ein paar Euro, auf denen der Kunde sitzen bleibt, liegt nicht ganz richtig

»Ein Risikomanager bei Arvato Infoscore kann schnell 100 Millionen Euro oder mehr Umsatz unserer Kunden betreuen.« Und das läuft so ab: »Der Tag unseres Teams Risk Management beispielsweise beginnt bei allen mit der obligatorischen Überprüfung der Risikomanagement-Kennzahlen des Vortages. Dazu gehört die Überwachung der Anfrage-, Prüfungs- und Entscheidungsergebnisse. Zuerst vergleicht der Risk Manager die Zahlen für alle Kunden im Überblick und dann Kunden für Kunden im Zeitverlauf. Die Prüfung erfolgt tage-, wochen- und monatsweise. Erkennt der verantwortliche Mitarbeiter hier bereits Auffälligkeiten, nimmt er eine Detailprüfung vor. Ein typischer Fall für eine solche Auffälligkeit kann dabei eine ganz einfache Ursache haben. In Rücksprache mit den verantwortlichen Ansprechpartnern beim Kunden, die diese Veränderung erwartet haben, wird die Auswirkung der Portfolioveränderung auf die Risikostruktur und damit die Zahlartenentscheidungen geprüft.« So kann der Kunde sicher gehen, dass Unregelmäßigkeiten schnell bemerkt werden und ihnen auf den Grund gegangen wird.

Nicht nur bei der Betreuung von Zahlungsflüssen, sondern vor allem auch bei Versicherungen spielt Risikomanagement eine wichtige Rolle

Wie bei Talanx International. Als Sub-Holding der Talanx-Gruppe gehören ihr sowohl zahlreiche kleinere Versicherungsgesellschaften als auch der zweitgrößte Versicherer Polens an – logisch, dass es zahlreiche Risiken gibt.

»Im Grunde kann man sagen, dass bei Talanx International nahezu jedes Risiko auftritt, bis auf die im Krankenversicherungsgeschäft, das in Versicherungen auftreten kann«, erklärt Helge Reinsch, Aktuar, studierter Ingenieur und Mathematiker und Leiter quantitatives Risikomanagement.

In seinem Unternehmen gibt es drei Bereiche, für die Reinsch auf der Suche nach zukünftigen Risikomanagern mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten ist. »Für das quantitative Risikomanagement werden im Wesentlichen Mathematiker im Bereich der Modellentwicklung und des Modellbetriebes eingesetzt. Vorstellbar sind für uns aber auch Wirtschaftsingenieure oder Physiker mit einer mathematischen Orientierung. Für das qualitative Risikomanagement suchen wir nach Absolventen der Studienrichtung BWL, gerne mit Schwerpunkt Recht, da hier die Erstellung von Richtlinien und deren Umsetzung im Vordergrund stehen. Für den Bereich Reporting sind für uns Mitarbeiter der Fachrichtung BWL mit Kenntnissen aus dem Controlling oder der Bilanzierung sowie Mathematiker mit Wirtschaftshintergrund interessant. Dies ist wesentlich durch die Nähe zum Controlling begründet.«

An seiner Arbeit reizt Reinsch vor allem der Umgang mit verschiedensten Kollegen aus 14 Ländern, in denen sich die einzelnen Versicherungsgesellschaften befinden. Nicht nur, weil hier unterschiedliche Mentalitäten aufeinandertreffen, sondern auch, weil Kosten und Nutzen auf individuelle lokale Gegebenheiten angepasst werden müssen, arbeitet Reinsch gerne als Risikomanager. Auch die große Verantwortung, die er trägt, empfindet er als besonders spannend:

»Das neu entstehende Aufsichtsrecht in den Gesellschaften umzusetzen und die notwendigen Prozesse mitzugestalten, ist aus meiner Sicht eine einmalige Gelegenheit, Ideen zu realisieren und sich selbst einzubringen.«

Sich selbst einbringen – so lautet die Devise auch bei Ernst & Young. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen besitzt ebenfalls eine Risikomanagement-Abteilung. Ihre Mitarbeiter sorgen dafür, die Risiken ihrer Mandanten zu minimieren und die Performance zu erhöhen, um so den Unternehmenswert zu steigern – nicht nur hierzulande, sondern oft auch in internationalen Beratungsprojekten.

»Unsere Risikomanager«, erklärt Marcus K. Reif, Leiter Recruiting und Employer Branding, »befassen sich inhaltlich mit den Themen der organisatorischen beziehungsweise strategischen Rahmensetzung für sämtliche Risikofunktionen eines Unternehmens. Dazu zählen Risikomanagement, Internes Kontrollsystem, Interne Revision und Compliance. Darüber hinaus helfen wir unseren Mandanten, die jeweiligen Prozesse und Methoden der einzelnen Risikofunktionen zu definieren und auszugestalten – vom Design bis zur Umsetzung. Dabei konzentrieren wir uns neben dem Zusammenspiel der vier Risikofunktionen vor allem auf die Quantifizierung und Aggregation von Risiken sowie deren Integration in die Unternehmenssteuerung.«

Die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen ist ungebrochen. »Der Bereich des Risikomanagements«, weiß Reif, »ist unser am stärksten wachsender, ein pulsierender und faszinierender Beratungsbereich.« Daher ist es kein Wunder, dass laufend Neueinsteiger gesucht werden – ganz egal, ob Bachelor- oder Masterabsolventen.

»Wir suchen Menschen, die etwas bewegen und mehr als eine Karriere wollen«, so Reif. »Als Teamplayer stellen sie ihre soziale Kompetenz unter Beweis und verfügen über gute Englisch- sowie IT-Kenntnisse. Zudem sollten Bewerber überzeugendes Auftreten und ausgeprägte analytische sowie konzeptionelle Fähigkeiten mitbringen.«

Natürlich gilt gerade für angehende Risikomanager: Erste Praxiserfahrung während des Studiums macht sich gut.  Wer mit seiner Onlinebewerbung das Interesse der Personaler weckt, wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen und trifft dort auf Recruitingexperten und die zukünftigen Kollegen aus dem Fachbereich. Marcus K. Reif betont gerne, wie wichtig das persönliche Gespräch ist: »Im Bewerbungsgespräch überzeugen uns Kandidaten, die auch live so gut sind wie ihre Bewerbung und uns nachhaltig beeindrucken.«

Wem das gelingt, der kann sich auf eine steile Karriere freuen – ganz ohne Risiko.


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