Frau in Boot auf See
Die Versicherungsbranche steckt mitten in der Digitalisierung Foto: @rpnickson/unsplash

Aufbruchstimmung in der Versicherungsbranche

Der Digitale Wandel erreicht auch die Versicherungsbranche. Genauer gesagt, befindet sie sich mittendirn. Wie Digitalisierung & Co. zum Umdenken in Banken und Versicherungen führen, liest du hier

Die Kunden sind ihren Banken voraus: In Deutschland nutzte im Jahr 2016 bereits jeder zweite Bankkunde das Internet für Geldgeschäfte, europaweit sind es 49 Prozent – Tendenz steigend. Angaben des Beratungsunternehmens McKinsey zufolge haben europäische Retailbanken bislang jedoch erst 20 bis 40 Prozent ihrer Prozesse digitalisiert, neun von zehn Banken investieren weniger als 0,5 Prozent ihrer Ausgaben in digitale Entwicklungen. Die drohende Folge: Digitale Nachfrage und Angebot decken sich nicht mehr. In der Versicherungsbranche zeigt sich ein ähnliches Bild – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung: Knapp 74 Prozent der 18- bis 34-Jährigen gaben in einer Umfrage des Softwareherstellers Adcubum an, dass Versicherungsunternehmen den Sprung ins digitale Zeitalter noch nicht geschafft haben. Fakt ist: Hier besteht Handlungsbedarf für etablierte Marktgrößen. In beiden Branchen existieren mittlerweile Konkurrenten, die im Fahrwasser der Digitalisierung erst wirklich groß wurden: Im Versicherungsgeschäft drängen InsurTechs, im Bankensektor FinTechs auf den Markt.

Mittendrin in der Digitalisierung

Die gute Nachricht ist: Die Unternehmen schlafen nicht. Die meisten befinden sich mittendrin im digitalen Wandel, der nahezu alle Prozesse des Versicherungs- und Bankgeschäfts berührt. So drückt es auch Sven Roth, Mitarbeiter der KfW-Bankengruppe aus: »Die KfW beschäftigt sich mit der Digitalisierung und steckt noch in den Anfängen«. Der Verantwortliche für Personalmarketing und Employer Branding beschreibt, wie sich das Kreditinstitut mit der Thematik auseinandersetzt: »Um am Puls der Zeit zu sein, wurde ein Digital Office gegründet, das als Inkubator des Themas innerhalb der KfW fungiert.« In diesem Digital Office, so Roth weiter, streckten Mitarbeiter quasi ihre Fühler in den Markt aus, um digitale Trends aufzuspüren, die auf das Geschäftsmodell der KfW einzahlen könnten. Interessante Start-ups werden kontaktiert, erst kürzlich testete die Bankengruppe in Zusammenarbeit mit einem solchen Unternehmen beispielsweise die Blockchain-Technologie.

Anforderungen im Wandel

Mit der fortschreitenden Digitalisierung geht auch ein Wandel der Anforderungen an potenzielle Mitarbeiter einher. Roth erklärt hierzu: »Zukünftig wird es wichtig sein, Prozesse von der analogen in die digitale Welt zu transportieren. Dafür ist ein technisches Grundverständnis unerlässlich«. Ähnlich sieht es Silvia Klein, Gruppenleiterin Recruiting bei der R+V Versicherung: »In nahezu allen Tätigkeitsfeldern muss künftig digitales Wissen vorhanden sein«. Klein nimmt davon nicht-technische Versicherungsberufe keineswegs aus: Auch technikferne Tätigkeiten, bei denen es dann unter anderem um die Veränderung bei der Sammlung, Analyse, Aufbereitung und Bereitstellung von Daten und Informationen gehen wird, seien von der Digitaliserung stark betroffen. Für Wirtschaftswissenschaftler stehe deshalb eine Schwerpunktverlagerung auf Konzeption, Informationsbeschaffung und -bewertung an. »Wirtschaftswissenschaftler, benötigen mehr und tiefergehende digitale Kompetenzen wie beispielsweise in der Auswertung von Statistiken oder in der digitalen Analyse und Beurteilung großer Datenmengen«, so Klein weiter. Da in Zukunft vor allem akademische Routinetätigkeiten wegfallen, würden Selbstmanagement, kollaboratives Arbeiten und lebenslanges Lernen zunehmend wichtiger – eine Anforderung, die wohl auch auf Wiwis im Bankensektor zutrifft. Erfolg, folgert Klein, habe nur derjenige, der schnell und flexibel auf Veränderungen reagiert. Ein Schluss, der im digitalen Zeitalter für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gleichermaßen gilt.


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