Mann sieht mit Lupe auf einen Würfel

Arbeitsfeld Controlling

Nach dem Studium ins Controlling? Dann solltest du auch als Informatiker und Unternehmensberater agieren

Fangen wir mit dem an, was in Stellenbeschreibungen für Controller gerne ziemlich weit hinten steht. Controller müssen nach wie vor auch die (notgedrungen) pedantische Aufgabe eines Aufpassers übernehmen: Welche Abteilung hat wann wieviel ausgegeben? Wer hat seine Ausgaben nicht korrekt abgerechnet? Welche Produktion hat wie viel Ausschuss? Und sind die Bilanzen in der Filiale korrekt? Das ›Erbsenzählen‹, also die genaue Prüfung betriebswirtschaftlicher Vorgänge gehört immer noch zu den zentralen Aufgabenbereichen von Controllern. Dies soll und wird sich vermutlich auch nicht ändern. Trotzdem hat sich der Verantwortungsbereich von Wirtschaftswissenschaftlern, die ins Controlling gehen, deutlich erweitert. Unternehmen erwarten nun vor allem ›Gestaltung statt Verwaltung‹. »Natürlich brauchen Controller nach wie vor eine gewisse Zahlenverliebtheit. Zahlen aber sind nicht der Weisheit letzter Schluss«, sagt Gerhard Radinger, seit 15 Jahren Trainer und Partner der CA Controller Akademie am Wörthsee bei München. Ein guter Controller müsse darüber hinaus in der Lage sein, diese Zahlen zu interpretieren und daraus Rückschlüsse für Empfehlungen zu ziehen. Gerade das mache den Beruf heute weitaus spannender als er es früher gewesen sei.

Controller als Entscheider

Drei Punkte nennt Radinger, die das moderne Controlling für Wirtschaftswissenschaftler so interessant und abwechslungsreich machen: Zum ersten die Nähe zum Management, denn »Controller sind diejenigen, die alle wesentlichen Entscheidungen mit vorbereiten«. Controller seien zum Businesspartner des Managements avanciert und agieren immer öfter auf Augenhöhe zu den Entscheidern, sagt er. Zweitens, die Breite des Aufgabenspektrums, »von Finanzthemen über operative Funktionen zu Entwicklung, Produktion und Personal sowie den Betrieb an sich«. Und drittens der Spagat im Umgang mit einerseits den betriebswirtschaftlichen Hard Facts und andererseits den zwischenmenschlichen Vermittlungsleistungen. »Controlling ist heute auch das ›Rüberbringen‹ von Entscheidungen und hat deshalb viel mit Psychologie zu tun«, betont Radinger.

Controlling bei der Allianz

»Eigentlich hatte ich mich für externes Rechnungswesen interessiert und meine Praktika entsprechend ausgerichtet. Erst als ich im Zuge meines Masterstudiums ein Praktikum als Controllerin bei der Allianz absolviert habe, ist mir klar geworden, wie vielseitig der Beruf geworden ist. Deshalb habe ich mich nach dem Praktikum hier auch um eine Controlling-Stelle beworben«, sagt Martina Freier. Gemeinsam mit vier weiteren Referenten und dem Referatsleiter ist die 28-Jährige heute für den Bereich AK und Kosten zuständig. »AK steht für Arbeitskapazität. Wir sind also für alles verantwortlich, was sich im Spannungsfeld zwischen Personalcontrolling und Kostencontrolling bewegt«, erklärt sie. Dazu gehören unter anderem Plan-Ist-Vergleiche, bei denen sie analysiert, in welchen Abteilungen ausreichend Manpower für anstehende Aufgaben zur Verfügung steht und wo etwa eine ›Unter-AK‹ vorliegt. Wenn eine Abteilung beispielsweise umfangreiche Schadensfälle bei Fahrzeugen zu bearbeiten hat ist es ihre Aufgabe, über einen möglichen Engpass zu informieren und gegenzusteuern.

Kenntnisse in Informatik immer wichtiger

Beispiele wie diese erklären, warum Controller sich bei der Allianz als Knotenpunkt zwischen dem Vorstand und den operativen Geschäftsbereichen sehen. »Wir sitzen genau dazwischen, um zu beraten und zu vermitteln«, sagt Freier. Dafür aber benötigt Martina Freier nicht nur umfangreiche wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse aus ihrem Studium. Sie muss auch in der Lage sein, die tatsächlichen Arbeitsumstände in den Abteilungen einschätzen und kommunizieren zu können. Und sie braucht Informatikkenntnisse, die über Durchschnittswissen in Excel oder PowerPoint hinausgehen.

Controller als Unternehmensberater

»Die IT hat das Controlling so stark verändert wie keine andere Anforderung an diese Berufsgruppe«, sagt Ingo von Holdt. Er ist freier Controller und Unternehmensberater und weiß, dass die Computer Controllern einen Großteil ihrer klassischen Kontrollaufgaben zwar abnehmen, die Software letztlich aber auch den Anspruch an den Beruf deutlich erhöht. Schließlich würden Kalkulationen oder Prognosen fast selbstständig von Computern übernommen. Viele traditionelle Rechen- und Überwachungsaufgaben sind nun automatisiert. Heute würden deshalb vor allem Controller gesucht, die IT wie selbstverständlich beherrschen, um Prozesse und Problemfelder als Ganzes zu Erfassen und diese dann dem Management anschaulich zu präsentieren. »Letztlich sind die Controller an prädestinierter Stelle um den Forecast ihres Unternehmens zu erfassen und zu erkennen, wo es hinsteuert«, sagt er. Ein Selbstverständnis als sowohl Controller als auch Prüfer und Unternehmensberater werde deshalb immer mehr zum Markenkern des ›Controlling 2.0‹. Bei festangestellten Controllern in den Betrieben sei das wünschenswert, bei freien Controllern nahezu Pflicht. Wer sich selbstständig macht muss ein gutes Gefühl für die Aufgabe und die Erwartungen der Kunden entwickeln. Nur als klassischer Controller zu arbeiten, würde den meisten Unternehmen nicht reichen. Sie interessieren sich beispielsweise nicht nur für eine Plan-Ist-Abweichung, sondern vor allem für Antworten auf die Frage, was einzelne Abteilungen oder das ganze Unternehmen in Zukunft besser machen können. Selbstständige Controller haben dabei den Vorteil, nicht automatisch im Unternehmenssüppchen zu kochen, sondern Erfahrungen von außen mit einbringen zu können.

Doch unabhängig davon, ob als fest angestellter oder freier Controller – die Chancen für Wirtschaftswissenschaftler, in diesem Bereich Karriere zu machen gelten weiterhin als gut bis hervorragend. Allerdings werde eines immer wichtiger, meint zumindest Trainer Gerhard Radinger: sich von allzu großer Datenverliebtheit lösen zu können. Immer noch ist einer der größten Fehler, sich an den bloßen Zahlen festzuhalten und die Rückschlüsse zu vernachlässigen. Oberste Regel in seinen Seminaren sei deshalb, den Controllern keine Excel-Tabelle in die Hand zu geben, meint er augenzwinkernd. Denn die erkenne man am Ende des Tages ohnehin nicht wieder.


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