Frau sitzt am Arbeitsschreibtisch

Berufseinstieg im Controlling

Wer Zahlen mag ist schon mal richtig auf dem Weg ins Controlling. Was es sonst noch braucht? Bitte weiterlesen!

»Ja!« »Nein!« »Ja, aber ...« »Nichts, aber!« »Und wenn wir die Zahlen ein wenig ...?« »Nein!«

Geben wir dem Gespräch ein Gesicht: Ein Manager spricht mit einem Controller, ersterer würde gerne ein Auge zudrücken, bei zweiterem wird das aber auf taube Ohren stoßen – wenn er weiß, dass diese ›Zahlenschubserei‹ keinen Mehrwert für das Unternehmen bringen wird. Und somit sind wir schon beim Profil eines zukünftigen Controllers angelangt.

»Zu den wichtigsten Eigenschaften gehören die Fähigkeit, Informationen kritisch zu hinterfragen und diese so aufzubereiten, zu analysieren und zu kommunizieren, dass die Ansprechpartner damit in der Lage sind, sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Und dafür braucht es oft eine große Portion Durchsetzungsfähigkeit, um die richtigen Informationen zu bekommen oder die Umsetzung von Empfehlungen herbeizuführen«, erklärt Daniela Mannesson, Senior Controller Financial Planning & Analysis bei Danone.

Die 34-Jährige fügt hinzu, dass ebenso wie ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft, der Wille und die Fähigkeit, die eigene Arbeit kontinuierlich zu verbessern von essenzieller Bedeutung sind.

Die Zeiten, in denen Controller ausschließlich herausragende analytische Fähigkeiten mitbringen mussten, sind vorbei

Selbstredend, dass diese immer noch in einem sehr hohen Maße vorhanden sein müssen. Aber: Wer in diesem Feld seine Zukunft sieht, braucht neben der Leidenschaft, von Beginn an Verantwortung übernehmen zu wollen, ein gesundes Maß an Pragmatismus und Umsetzungsstärke sowie das richtige Engagement und den Willen, etwas bewegen zu wollen. Jens Plinke von Henkel erwartet von Absolventen außerdem, dass sie ihr Studium zügig und mit guten Noten absolviert, erste Erfahrungen in Praktika oder Projekten gesammelt haben und sich außeruniversitär oder sozial engagieren.

»Wichtig ist uns, dass die Studenten von Beginn an einen hohen Praxisbezug sowie einen internationalen Fokus im Auge haben«, fährt der 41-jährige Senior Employer Branding Manager fort.

An diesem Punkt mögen sich vielleicht viele Studenten überlegen, ob sie mit der soeben zitierten ›eierlegenden Wollmilchsau‹ mithalten können. Locker! Denn kein Unternehmen erwartet den perfekten Einsteiger, der gleich am ersten Tag den kompletten Betrieb umkrempelt und eine Analyse nach der anderen aus dem Ärmel schüttelt. Bei Danone sorgt ein »umfassender, sehr herzlich und persönlich gestalteter Integrationsprozess dafür, dass sich die Einsteiger schnell zurechtfinden«, betont Mannesson. Bei gezielt organisierten Meetings mit den jeweiligen Ansprechpartnern bekommen die ›Neuen‹ einen umfassenden Einblick in die Aufgabengebiete und den Umfang der Zusammenarbeit. »Somit können die Einsteiger Kontakt zu Mitarbeitern aufbauen und wissen, an wen sie sich wenden können«, erklärt sie. Auch bei Henkel steht primär das Kennenlernen der Kollegen im Vordergrund. ›Onboarding E-Books‹ helfen bereits vorab, den Einstieg vorzubereiten, indem sie ausgewählte Informationen über den neuen Arbeitgeber bereitstellen. »Dies hilft ihnen dabei, sich schnell zurechtzufinden sowie die internen Prozesse zu verstehen. Im ersten Gespräch mit dem Vorgesetzten erhalten die Einsteiger ihren Einarbeitungsplan und weitere nützliche Checklisten, die dabei helfen, den ersten Wochen eine Struktur zu geben«, erläutert Plinke. 

Das hört sich doch schon mal sehr gut an!

Erst ankommen, dann angreifen – und das im Sinne von Verantwortung übernehmen. Unabhängig davon, ob der Einstieg direkt oder per Traineeprogramm erfolgt, erhalten Einsteiger bei den meisten Firmen sehr schnell eigene Projekte. Kraft Foods bietet im Rahmen des Junior-Management-Programms den Nachwuchsführungskräften einen Direkteinstieg an, der von Beginn an die volle Jobverantwortung für eine konkrete Stelle mit fest definiertem Aufgabenprofil bedeutet.

»Im Finanzbereich ist das Programm für eine Dauer von etwa drei Jahren angelegt und sieht eine fundierte Ausbildung in zwei Kernbereichen vor: dem Marketingcontrolling und dem Werkscontrolling«, erklärt Daniela Grießinger von der Human-Resources-Abteilung.

›On-the-Job‹ lautet die Devise, das heißt, dass »der Kollege ab dem ersten Tag seinen eigenen Verantwortungsbereich in seinem Team bekommt, den er für eine Dauer von circa zwölf bis 18 Monaten wahrnimmt. Danach rotiert er in einen zweiten Kernbereich«. Hinzu kommen ›Off-the-Job‹-Maßnahmen, die Kraft Foods in Form von fachspezifischen als auch bereichsübergreifenden Trainings anbietet. Regelmäßige Leistungsbeurteilungsgespräche identifizieren dabei den jeweiligen Bedarf für den Einsteiger. 


zitat Christina KremerAuch bei der HypoVereinsbank ist der Zeitplan nicht in Stein gemeißelt

Abhängig von Vorerfahrungen und Praktika durchläuft der Trainee verschiedene Stationen, die ihn in die vorher festgelegte Zielposition führen. Dabei ist der Rahmen grob gesteckt, aber es gibt einen ›Flexibilitätspuffer‹, der eine Verlängerung des Aufenthalts in einer Abteilung bedeuten kann oder auch einen zusätzlichen Auslandsaufenthalt ermöglicht. Max Lehmann, Leiter Talent Center der HypoVereinsbank, weiß, dass den Einsteigern vor allem in Zeiten von Bologna und Leistungsdruck eine flexible Handhabung des Programms zugutekommt. In regelmäßigen Gesprächen zwischen Trainee und dem Talentmanager werden die Ziele gemeinsam definiert und ein grober Zeitplan angepeilt. »Zwölf bis 15 Monate sind der Richtwert für das Programm. Die Trainees werden auch erst dann versetzt, wenn die von beiden Seiten angestrebte Zielposition frei ist«, erklärt Lehmann und fügt hinzu: »Es gibt durchaus Trainees, die nicht auf ihrer Zielposition, sondern im Nachbarbereich gelandet sind, weil sich herausgestellt hat, dass sie dort besser hineinpassen. Das erfolgt natürlich im gegenseitigen Einverständnis.« In der Regel sitzt der Trainee spätestens sechs Wochen vor Ende des Trainings in der Abteilung, in der er später arbeiten wird. »Er arbeitet schon im Kreise seiner Kollegen, im Zweifel sitzt er sogar schon an seinem Schreibtisch«, sagt der 34-Jährige.  Das heißt also übersetzt, dass sich diejenigen Studenten, die mit einer Karriere im Controlling liebäugeln, sehr gut aufgehoben sein werden – unabhängig davon, ob sie direkt oder über ein Traineeprogramm einsteigen. Wer einsteigt, steigt auf. Interne und externe Karrieremöglichkeiten der Unternehmen bieten allumfassende Weiterbildungen je nach Bedarf:

»Welche fachlichen und persönlichen Fortbildungsmaßnahmen der Mitarbeiter wahrnimmt, ist Teil einer individuellen Vereinbarung zwischen ihm und seiner Führungskraft. Für Nachwuchsführungskräfte gibt es zudem noch ein verpflichtendes Leadership-Programm«, sagt Marleen Hinzmann, Recruiterin beim Online-Händler Otto.

Fortbildungen sind vor allem dahingehend wichtig, dass auch der Controlling-Bereich kein statischer ist. Das Tätigkeitsfeld von Controllern wird in Zukunft weiter technik- und informatiklastig werden. »Diese Sparte entwickelt sich mehr und mehr zu einer internen wirtschaftlichen Beratungsfunktion, arbeitet zunehmend innovativ und geht unternehmensstrategischen Fragestellungen nach«, fährt Hinzmann fort. Christina Kremer, Leiterin Employer Branding/Personalmarketing der Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf, kann hier nur zustimmen:

»Die Arbeit des Controllers als Projektmanager und nicht mehr nur als ›Ansprechpartner für Zahlen‹ gewinnt mehr an Bedeutung. Die Entwicklung von immer komplexeren Systemen erfordert, dass der Controller ein tiefergehendes Verständnis der Projekte in den einzelnen Bereichen entwickelt.«

Noch nie hatte das Bild des Controllers weniger mit seinem Klischee zu tun als heute. Wie dieses aussieht und warum sich ein Einstieg ins Consulting lohnt: Wir haben die gefragt, die gerade mitten drin sind. Bis dann! 


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