Foto von aneinandergereihten Tabletten

Controller packen aus

Irgendwann werden Klischees langweilig: Einsteiger im Controlling packen aus – von Hülsenfrucht-Vergleichen, Zahlentänzen und Verantwortung.

Das Thema Controlling - wir fangen jetzt dort an, womit wir in der letzten Ausgabe aufgehört haben:

Controller und die ihnen anhaftenden Vorurteile. würde jeder Controller für jedes laut ausgesprochene und leise gedachte Klischee einen euro bekommen, könnte er wohl das Unternehmen, in dem er tätig ist, kaufen – aus der Portokasse: schließlich sind sie erbsenzählende Blockierer, die mit ihrer langweiligen und steifen Art konservative Meinungen vertreten und völlig humorbefreit Zahlen hin- und herschubsen. so manchem Controller treibt dies das wasser in die Augen, weil er auf solche Aussagen nur mit einem herzhaften Gähnen antworten kann.

»Jung, dynamisch und überhaupt nicht steif« beschreibt Marina Bender sich und ihre Kollegen bei der HypoVereinsbank

Die 28-Jährige ist mit einem einjährigen Traineeprogramm im Bereich Risiko-Controlling ins Unternehmen eingestiegen und ist seit Juli 2011 im gleichen Bereich für die Gesamtbanksteuerung zuständig. nach ihrem statistikstudium an der Ludwig-Maximilians-Uni München war Bender sehr zahlennah, gleichzeitig aber auch sehr wirtschaftsfern. Auch deshalb fiel ihre wahl auf den Risk-Controlling- Bereich, da sie hier einen sehr großen Überblick über Bank und wirtschaft erhalten konnte. »wir befassen uns mit allen Risikoarten aller Portfolien der Bank und wir haben mit fast allen Bereichen Kontakt – man lernt in viele Richtungen und wird, was Risikocontrolling betrifft, zum Generalisten.« Quartalsweise erstellt sie zusammen mit ihren Kollegen verschiedenen Reports. »Zwei Monate eines Quartals sind wir damit beschäftigt, die Daten zu sammeln und aufzubereiten, Reports zu erstellen«, erklärt Bender und fügt hinzu, dass sie weiter die grundsätzlichen Modelle, die unternehmensintern noch in Benutzung sind, noch mal analysiert und gegebenenfalls verbessert werden.

Dass verbessern manchmal leichter ist, als die Verbesserungsvorschläge an den Mann zu bringen – davon kann ewa Penczek ein Lied singen. Und weiß deshalb, dass ein Controller eine gute Portion Durchsetzungskraft braucht. Die 24-Jährige hat Finanz- und Rechnungswesen an der warschauer wirtschaftshochschule studiert, hat 2011 ihren internationalen Master in Management abgeschlossen, hat eines ihrer vier Auslandspraktika bei Henkel in Düsseldorf absolviert und ist seit Anfang 2012 dort als Junior Controller im ›Functional Controlling‹ tätig. Die vielen Abkürzungen und die neuen Kollegen hat sie schritt für schritt kennengelernt, trotzdem fehle es ihr manchmal noch an Geduld. nicht nur hinsichtlich neuer Prozesse:

»Ich muss geduldiger werden, schließlich bedarf es seine Zeit, falsche Zahlen zu korrigieren«, betont Penczek und führt weiter aus, was Controller in spe mitbringen sollten: »neugierde, Genauigkeit und die Fähigkeit, alle Abläufe überblicken zu können.«

Und damit ist noch lange nicht schluss: Controller müssen kontaktfreudig sein, weil sie es mit vielen Menschen aus anderen Abteilungen zu tun haben und sich loyal verhalten – schließlich sollen die Kollegen wissen, dass sie den Controllern vertrauen können. Kollegen, die mehr sind als solche. Für die Junior Controllerin ist das Unternehmen Henkel wie eine Familie, in der man sich gegenseitig stützt. Dass sie jeden Tag gerne in die Arbeit geht, liegt aber auch daran, dass sie ihre Arbeit, wie es auch bereits Bender von der HypoVereinsbank beschrieben hat, als sehr dynamisch und aktiv bezeichnet.

Böse Zungen könnten jetzt immer noch behaupten, dass der Akt der Zahlenschubserei schließlich auch ein dynamisch- aktiver Prozess ist

Falsch behauptet! Ohne Controlling hätten sehr viele Unternehmen ein Kosten-nutzen- Problem, wüsste die Führungsetage nicht, wo gespart werden müsste oder welche Umstrukturierungen vonnöten sind, damit der ›Laden‹ runder läuft. Controlling ist Arbeit nah am Management. Deshalb hat sich auch Christian Kaminski fürs Controlling entschieden:

»Hier warten managementnahe Aufgaben auf mich. Außerdem bedeutet die Projektarbeit Abwechslung und ich bekomme einen guten einblick in aktuelle Daten und ergebnisse. Darüber hinaus stehen aber auch strategien für Zukunftsplanungen und sonderanalysen im Fokus.«

Der 24-Jährige absolviert momentan das ›General Management Traineeprogramm‹ bei der Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf. wie auch ewa Penczek hatte er anfangs mit vielen neuen eindrücken und Instrumenten ein wenig zu kämpfen:

»Die Anwendung der bis dahin noch unbekannten Datenbanken sowie die verschiedenen Strukturen der Kostenarten waren zu Beginn meiner Tätigkeit eine echte Herausforderung.«

Mittlerweile hat er schon einige Projekte mitbetreut, die sich inhaltlich immer wieder voneinander unterscheiden: IT-lastig oder steuerngeprägt – von Routine kann Kaminski nicht sprechen.

Langeweile? Auch Christine Küppers, Junior Controllerin im Zentralcontrolling von Otto, kennt diese nicht

Alleine durch die ständigen Veränderungen im Distanzhandel und im E-Commerce kann diese erst gar nicht aufkommen. Schließlich sind verantwortungsvolle Tätigkeiten nur äußerst selten als langweilig bekannt:

»Durch die Aufarbeitung relevanter Unternehmensdaten stellt das Controlling die Grundlagen für teilweise weitreichende Vorstandsentscheidungen bereit.«

Deshalb erachtet sie es auch als sehr wichtig, dass zukünftige Controller die Interessen des Unternehmens bestmöglich vertreten, um so zu dessen Geschäftserfolg beizutragen. Wie war das vorhin gleich nochmal mit ›Die blockieren doch nur die Abläufe‹? Und da wir gerade dabei sind, ist es auch an der Zeit sich das ›sozial inkompetent‹ aus den Köpfen zu schlagen. Denn Controller könnten, selbst wenn sie wollten, kein einsames Dasein ohne Kommunikation zur Außenwelt fristen. Denn was nützen die hohe Affinität zu Zahlen und große analytische Fähigkeiten, wenn die Ergebnisse nicht weitergetragen werden? Küppers weiß, dass bei Otto auf eine hohe Sozialkompetenz und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten Wert gelegt wird. Es ist unter anderem auch die intensive Zusammenarbeit mit anderen Bereichen, die für die 24-Jährige das Besondere an ihrer Arbeit ausmacht.

Doch wie sieht die Arbeit eines Controllers eigentlich genau aus?

Martin Dietze, der das ›Junior Management Programm für Führungsnachwuchskräfte‹ bei Kraft Foods absolviert und im Rahmen dessen zurzeit im Werks-Controlling tätig ist, gestaltet sich selten ein Tag wie der andere. Grundsätzlich verbringt er den Tag im Büro und mit Kollegen in Besprechungen.

»Hierbei stehen vor allem die Analyse und die Planung von finanziellen Ergebnissen im Vordergrund. Neben laufenden Soll-Ist-Analysen und einer regelmäßigen Budgetplanung unterstützen wir bei der Kalkulation von Neuprodukten, Produktivitätsprojekten und Investitionsvorhaben «, erklärt der 28-Jährige.

Zusätzlich unterstützen er und sein Team die Fachbereiche und das Management auch in vielen nicht-finanziellen Fragestellungen mittels Analyse und Erhebung von Kennzahlen, beispielsweise um den Energieverbrauch der Werksstandorte vergleichbar zu machen. Wenn es um die Entwicklung von Neuprodukten geht, ist die Ausgangsbasis nicht selten ein weißes Blatt Papier: »In einem langen Abstimmungsprozess wird mit vielen Schleifen ein marktreifes Konzept entwickelt. Unsere Aufgabe in diesem Prozess ist es, die finanziellen Auswirkungen von verschiedenen Szenarien aufzuzeigen«, beschreibt Dietze und fährt fort, dass Einflussgrößen wie die erwartete Absatzmenge, der geplante Verkaufspreis und die Kostenstruktur des Artikels dabei ausschlaggebende Faktoren sind. Den Lohn seiner Arbeit kann er dann im Regal bewundern:

»Wenn das finale Produkt in den Läden steht, ist es ein tolles Gefühl, das Ergebnis in den Händen halten zu können.«

Und was zeigt uns das? Jawohl, es gibt ihn: Den leidenschaftlichen Controller, der sehr viel Spaß an seiner Arbeit hat und sogar offen darüber sprechen kann.


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