deutscher Adler mit Gebäuden als Muster
Controlling in Behörden audimax

Controlling in Behörden?

Staubmäuse pusten und Däumchen drehen? Controller in Behörden werden unterschätzt

»Es gibt nichts Unethischeres, als Ressourcen im Gesundheitsbereich zu verschwenden.«

Dieser Satz von Prof. Dr. Björn Maier, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Krankenhaus-Controller (VDKC) zeigt, welche Bedeutung Controlling auch über die Grenzen einer Behörde hinaus haben kann. Die Kernaussage gilt keineswegs nur für den Gesundheitssektor. Es sind schließlich unsere Euros, die in Behörden im Namen des Volkes auf die Ausgabenseite ins Buch eingetragen werden – gut, dass hier jemand ein Auge drauf hat.

»Jedwede Verschwendung von Ressourcen in einem Krankenhaus in Öffentlicher Trägerschaft erzeugt Engpässe bei der Versorgung von Schwerkranken. Es gibt nun einmal einen gesellschaftlichen Konsens über einen zumutbaren Höchstsatz an Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung. Mit diesem Geld muss dann auch gewirtschaftet werden.«


Auch bei der Verbrecherjagd muss Rechenschaft abgelegt werden. Thomas Maier, Leiter der Stabstelle Strategisches Controlling/Qualitätsmanagement des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg, fasziniert die Kombination aus Kriminalfällen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen innerhalb des Polizeicontrollings. Natürlich braucht es für diese Tätigkeit ein wenig mehr als die reine BWLer-Perspektive:

»Um Controlling innerhalb der Polizei richtig einsetzen zu können, ist ein grundsätzliches polizeiliches Verständnis für die Aufgaben und Themen der Kriminalpolizei erforderlich. Schließlich gibt es immer wieder Fragestellungen, die Ermittlungsarbeiten betreffen«, sagt Maier vom LKA. »Wichtig ist es auch, in Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Ermittlungsbereich zu bleiben, um über die reinen Zahlen hinaus ein Gefühl für die Materie zu bekommen und an aktuellen polizeilichen Entwicklungen dran zu bleiben.«

Vom Prinzip her verwenden Controller in Behörden die gleichen Instrumente, wie in privatwirtschaftlichen Unternehmen. Der Unterschied und damit auch die Herausforderung für behördliche Controller liegt vor allem darin, dass sie in einer Struktur und mit Menschen zusammenarbeiten, die nicht primär auf das Erwirtschaften von Gewinnen ausgerichtet sind. Hinzu kommt, dass es gerade in Spezialgebieten des behördlichen Controllings wie in Krankenhäusern oder LKAs eine eingehende Beschäftigung mit der Materie erfordert. Im medizinischen Bereich übernehmen zwar meist Ärzte oder Pflegefachleute den Part des Medizin- und Pflegecontrollings, dennoch muss auch der Zuständige für das kaufmännische Controlling über genügend Schnittstellenkompetenz verfügen, um beispielsweise im Investitionscontrolling für die Anschaffung eines neuen Computertomographen nicht ausschließlich die Gewinnmarge im Blick zu haben.

Björn Maier empfiehlt Berufseinsteigern im Krankenhauscontrolling ein Praktikum auf Station. Auf Tuchfühlung mit der medizinischen Praxis entwickeln sie so automatisch ein gewisses Verständnis für gewachsene Strukturen, die manchmal nicht ganz dem BWL-Lehrbuch entsprechen. Thomas Maier vom LKA Baden-Württemberg hat sich hingegen durch die Sonderlaufbahn Wirtschaftskriminalität für seine jetzige Position qualifiziert. Zehn Jahre lang arbeitete er zuvor nach seinem BWL-Studium in der freien Wirtschaft, schließlich durchlief er die einjährige Ausbildung für die Ermittlung in Wirtschaftsverfahren. Wer hätte gedacht, das Controlling beim Staat so herausfordernd und vielfältig sein kann? 


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