Kind sitzt auf großem Zahlenfeld

Karriere als Controller

Controller müssen akribisch arbeiten, brauchen ein hervorragendes Zahlenverständnis und sehr gute analytische Fähigkeiten. Doch das ist längst nicht alles.

Wenn man wissen möchte, wie es einem Unternehmen wirtschaftlich geht, fragt man den Controller

Er hat den Überblick über die Finanzen eines Unternehmens, erstellt Analysen und sorgt dafür, dass Abläufe und Prozesse effizienzsteigernd optimiert werden. Als internes Rechnungswesen zählt das Controlling zu den zentralen Abteilungen einer Firma.

Wichtig dabei sei nicht nur das Rechnen, sondern auch das Erkennen der Bedeutung hinter den Zahlen, meint Torsten Braunseis, Personalreferent bei der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG. Hohe Affinität zu Zahlen und hervorragendes Zahlenverständnis sind dafür natürlich die Grundvoraussetzungen. Aber Controller sind eben längst keine Rechenkünstler oder Zahlenjongleure mehr: Ihre Einsatzgebiete sind groß und decken sämtliche Unternehmensbereiche ab. Sie reichen vom Vertriebscontrolling über das Umsatzcontrolling bis hin zum Investitionscontrolling.
zitat torsten braunsels controlling

Nach wie vor werden Controller-Posten überwiegend mit Wirtschaftswissenschaftlern besetzt – das liegt schließlich nahe

Kümmern sie sich in mittelständischen Unternehmen im operativen Tagesgeschäft vorwiegend um die kurz- und mittelfristige Planung, verfolgen sie in großen Konzernen eher langfristige Ziele. »Für welches Arbeitsgebiet man sich bewirbt, ist auch eine Typfrage« betont Braunseis. Bei der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG arbeiten Controller sowohl konzernübergreifend für die Unternehmensgruppe als auch im E-Commerce und in den Immobiliengesellschaften des Unternehmens. Jeder Bereich hat eine unterschiedliche Firmenkultur. »Wer für die Holding-Gesellschaft tätig ist, muss vor allem langfristig und vorausschauend planen können«, meint Braunseis. Ein sehr fundiertes theoretisches Controlling-Wissen sei für einen Berufseinsteiger in dem eher konservativen Arbeitsumfeld unerlässlich. Ebenso werden hervorragende Englischkenntnisse vorausgesetzt, da die Unternehmensgruppe auf internationaler Ebene tätig ist. »Im E-Commerce und im Immobilienbereich ist oft Pragmatismus gefragt, hier geht es etwas hemdsärmeliger zu.« Die Controller in diesen Abteilungen müssen in der Lage sein, auch mit hoher Flexibilität zu arbeiten. »Das Tagesgeschäft im operativen Controlling kann sich sehr schnell ändern, die Mitarbeiter bekommen viele Ad-hoc-Anfragen von der Geschäftsleitung«, beschreibt Braunseis den Arbeitsalltag.

Das bestätigt auch Rolf Ballmann, Personalreferent bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW):

»Ein Controller sollte dementsprechend belastbar und stressresistent sein.«

Nicht selten landet unvorhergesehen eine Anfrage aus der Vorstandsebene auf dem Schreibtisch des Controllers, obwohl dieser möglicherweise schon mit anderen Themen ausgelastet ist.

»Deswegen ist es wichtig, Prioritäten setzen zu können«, rät Ballmann.

Controller müssen selbstständig und vorausschauend arbeiten, sie dürfen nicht erst auf Zuruf aktiv werden:

»Wer lieber abwartet, ist im Controlling fehl am Platz.«

Und ein Controller muss nicht nur analysieren, sondern seine Arbeitsergebnisse Kollegen und Vorgesetzten präsentieren und im Zweifel sogar verteidigen können. Hierzu gehört auch eine große Portion Selbstbewusstsein.

Als Mitarbeiterin im Personalcontrolling bei der Jungheinrich AG in Hamburg erstellt und steuert Eugenie Strohmann mit ihren beiden Kollegen die Personalkennzahlen der rund 11.000 Mitarbeiter, die das Intralogistik-Unternehmen weltweit beschäftigt. Jeden Monat analysiert sie, wie sich der Personalbestand entwickelt. Daraus werden regelmäßig planungsrelevante Reportings erstellt, die einen Überblick über die Ländergesellschaften, Geschäftsfelder oder auch Tätigkeitsgruppen des Konzerns geben. Auch die Personalkostenplanung ist im Personalcontrolling angesiedelt. Einmal im Jahr werden ausgewählte Personalkennzahlen für den ganzen Konzern in einem Bericht für den Vorstand zusammengefasst. Darin sind beispielsweise Kennzahlen enthalten, welche die Struktur der Belegschaft beschreiben, wie Frauen- und Ausbildungsquote, durchschnittliches Alter und Betriebszugehörigkeit. Häufig nehmen sie und ihre Kollegen zusätzlich eine Beraterfunktion ein und unterstützen die Fachbereiche bei der Entscheidungsfindung. Routine kehrt selten ein.

»Als in diesem Jahr die neue Regelung für Rundfunkgebühren in Kraft getreten ist, mussten wir die Anzahl der Mitarbeiter für jeden Standort liefern, wonach sich die pauschale Anzahl der Beiträge richtet«, erzählt die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Oder sie liefern Zahlen zu ganz alltäglichen Dingen – zum Beispiel, wie viele Mitarbeiterzeitschriften gedruckt werden müssen. Eugenie Strohmann schätzt die Abwechslung, die jeder Tag mit sich bringt.

»Jede Anfrage ist anders und man muss erst einmal überlegen, wie man die angeforderten Zahlen in die für den Endkunden auf einen Blick nachvollziehbare Form bringen könnte«, erklärt die 27-Jährige eine ihrer wichtigsten Aufgaben.

Hierzu gehören auch sehr gute Datenverarbeitungskenntnisse. Die Personalcontroller bei der Jungheinrich AG arbeiten hauptsächlich mit Excel. Neben den MS-Anwendungen sind vier weitere Systeme im täglichen Gebrauch.

»Generell braucht man hohe IT-Affinität in unserem Job als Controller, weil man mit sehr vielen verschiedenen Systemen arbeitet.«

Vor allem bei großen Unternehmen führt der Einstieg ins Controlling häufig über ein Traineeprogramm

Bei der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG werden Masterabsolventen in einem 24-monatigen Traineeprogramm an die Aufgaben im Controlling herangeführt und übernehmen frühzeitig eigene Projekte. »Daraus können aber auch weniger Monate werden – je nachdem, welche Voraussetzungen der Trainee mitbringt und wie er sich entwickelt«, sagt Personalreferent Braunseis. Die Traineestellen bei Tengelmann werden nur dann ausgeschrieben, wenn auch Bedarf da ist – denn die Unternehmensgruppe geht davon aus, dass derjenige im Anschluss eine feste Stelle besetzt. In Gesprächen mit Personalern und Abteilungsleitern sowie in einer Case Study können die Bewerber zeigen, dass sie ihr theoretisches Wissen aus dem Studium auch in die Praxis umsetzen können. Zwar wird im Controlling der Unternehmensgruppe überwiegend mit SAP und Excel gearbeitet, doch sind entsprechende Kenntnisse bei SAP kein Muss.

»Wer sich noch nicht mit SAP auskennt, wird entsprechend eingearbeitet und bekommt von uns eine Schulung«, sagt Braunseis.

Auch im Finanzcontrolling der LBBW werden regelmäßig Traineestellen besetzt, überwiegend mit Wirtschaftswissenschaftlern

Die Landesbank bevorzugt für die Traineeprogramme ebenfalls Masterabsolventen. Sie übernehmen mittelfristige Planungsthemen, erstellen Planvergleiche und Abweichungsanalysen und arbeiten bei der Weiterentwicklung der Instrumente zur Gesamtbanksteuerung mit.

»Wir legen großen Wert auf erste Praxiserfahrungen in Form von Praktika und Werkstudententätigkeiten und gute Englischkenntnisse, da die LBBW über Auslandsstützpunkte verfügt«, sagt Ballmann.

Außerdem sollten Bewerber entsprechende Studienschwerpunkte nachweisen können, am besten im Controlling oder Accounting. Die Auswahl der Seminare, die der Trainee im Laufe des Programms begleitend besucht, richtet sich nach seinem individuellen Stand. Erstes Ziel des Traineeprogramms ist nicht die spezielle Gewinnung von Führungskräften, sondern die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte im Controlling. Denn das Traineeprogramm führt direkt auf eine Zielposition als Referent.


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