Frau sitzt vor Computer und Handy und macht sich Notizen

Wiwis im Controlling

Sie haben die Finanzen fest im Blick und wachen so über das wirtschaftliche Unternehmenswohl. Ohne Controller geht nichts.

Erbsenzähler und Zahlennerd – mit diesen Klischees wurde der eine oder andere Controller bestimmt schon konfrontiert

Witze über ihn gibt es ebenfalls eine Menge. Wie wär’s zum Beispiel damit: ›Ein Pessimist, ein Optimist und ein Controller sitzen in einer Kneipe vor einem Glas. »Halb voll«, sagt der Optimist, »halb leer« meint der Pessimist.

»Das Glas ist für seinen Zweck 100 Prozent zu groß«, erklärt der Controller.

Ha ha ha! Klar ist nämlich auch, dass kein Unternehmen funktionieren könnte, würde sich niemand seiner Finanzen annehmen. Genau dafür gibt es Controller. Sie sind im internen Rechnungswesen tätig. Im Vordergrund stehen dabei die Analyse und die Planung all dessen, was mit Finanzen zu tun hat. Soll-Ist-Analysen, Budgetplanungen und die Kalkulation sämtlicher unternehmerischer Tätigkeiten Doch aufgepasst: Controller ist nicht gleich Controller. Je nach Unternehmensgröße gibt es einige Unterschiede, was das Aufgabenspektrum angeht. So sind Controller in mittelständischen Unternehmen Generalisten, die wesentlich breiter aufgestellt sein müssen. Das liegt vor allem an der engeren Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Abteilungen und betrieblichen Stellen.

»Darüber hinaus ist die Handson-Mentalität, die man in mittelständischen Unternehmen benötigt, ausgeprägter«, meint Silke Schwarten, Controllerin beim Duisburger Stahlhersteller Hüttenwerke Krupp Mannesmann.

In mittelständischen Unternehmen liegt der Schwerpunkt meist auf dem operativen Controlling, das eher einen kurz- und mittelfristigen Planungshorizont betrifft und den Unternehmenserfolg sicherstellen soll. In größeren Unternehmen dagegen arbeiten Controller strategischer, also über einen längeren Planungshorizont hinweg, und weitaus spezialisierter. Meist bearbeiten sie einen eingeschränkteren Aufgabenbereich, beispielsweise im Investitions-, Umsatz-, Vertriebs-, oder Marketingcontrolling. Vereinheitlichen lässt sich diese These aber nicht, schließlich arbeitet jedes Unternehmen anders. So wird beim Softwarehersteller Datev gar keine Trennung zwischen operativem und strategischen Controlling vorgenommen, wie Anthony Zeiner, Mitarbeiter im Zentralen Controlling, erklärt:

»Beide Themen lassen sich aufgrund der bestehenden Wechselwirkungen kaum trennen. Durch die Mittelfristplanung wird strategisch festgelegt, wo wir in fünf Jahren stehen wollen. Dies dient dann als Basis für die jährliche operative Budgetplanung. Das nennen wir integrierte Planung.«

Welch hohen Stellenwert das interne Rechnungswesen für Unternehmen hat, zeigt sich auch an den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der Unis und Hochschulen

In kaum einem Fach gibt es so viele Lehrangebote, auf kaum eine Richtung spezialisieren sich so viele Studenten. Kein Wunder, jemand der mit Geld umgehen kann, wird schließlich immer gebraucht. Controlling ist eben eine sichere Bank, auf die es sich nicht verzichten lässt.

Die erreiche man, so Julia Legge, Referentin Personalmarketing bei der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, am besten mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium, relevanten Praxiserfahrungen und Kenntnissen im Umgang mit der Software SAP. Know-how in SAP-CO, -FI und Microsoft Excel hält auch Silke Schwarten für unentbehrlich. Daher empfiehlt sie, schon während der Studienzeit den Schwerpunkt entsprechend auf das Controlling zu legen. Neben Fachwissen aus der Uni benötigen Berufseinsteiger außerdem ausgeprägte analytische Fähigkeiten, um Ordnung und Struktur in den Zahlensalat zu bringen. Da Finanzen meist sensible Themen sind, die aber regelmäßig kommuniziert werden müssen, sind Diplomatie und Teamfähigkeit schwer gefragt. Wer vor dem Management die Ohren anlegt, ist im Controlling allerdings nicht gut aufgehoben. Das interne Rechnungswesen gehört zu den zentralen Abteilungen im Unternehmen – klar, dass sich der Chef für die finanzielle Lage interessiert und in regelmäßigen Reportings darüber auf dem Laufenden gehalten werden möchte. Nicht nur dafür bedarf es einer Portion Mut.

»Der Mut, neues auszuprobieren und kreative Lösungen zu erarbeiten, ist im Controlling ebenfalls von Vorteil «, ergänzt Anthony Zeiner.

Der 27-Jährige ist nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften zunächst als Trainee bei Datev eingestiegen. Neben einem unbefristeten Arbeitsvertrag bekam er ein umfangreiches Einarbeitungsprogramm sowie einen eigenen Mentor verpasst. Auch bei ESG wird allen Berufseinsteigern ein Mentor, Vorgesetzter oder erfahrener Kollege an die Seite gestellt. Vor allem im ersten Jahr dürfen sich die jungen Controller Rat bei ihnen holen, bevor die Aufgaben dann selbstständig bearbeitet werden.

»Sinnvoll ist es, im operativen Controlling zu beginnen, um dann mit einiger Berufserfahrung in das strategische Controlling zu wechseln «, findet Julia Legge und rät: »Je nachdem, ob man eher ein strategisch-planender oder ein operativer Mensch ist, sollte man sich eher den einen oder den anderen Bereich aussuchen.«

Ist der Einstieg erst einmal geschafft, winken umfangreiche Weiterbildungsangebote. Anthony Zeiner weiß das zu schätzen:

»Wir bekommen einen Katalog mit einer Vielzahl fachlicher und persönlicher Entwicklungsangebote und -programme und bei Bedarf individuelle Ergänzung durch externe Weiterbildungsmaßnahmen.«

Ausgelernt hat es sich eben nie! Engagement und Mühe lohnen sich: Je nach Uniabschluss, Aufgaben und Unternehmen dürfen sich Controlling-Frischlinge über jährliche Einstiegsgehälter zwischen 45.000 und 48.000 Euro freuen.

Doch zurück zu Anthony Zeiner. Was er am Controlling spannend findet? »Eine typische Arbeitswoche gibt es nicht. Da sich unsere Produkte kontinuierlich weiterentwickeln und neue Geschäftsfelder erschlossen werden, sieht sich das

statistik manager controller

Controlling einem ständigen Wandel ausgesetzt. Bestehende Prozesse müssen also immer weiter optimiert werden, um dem Management eine bestmögliche informationsversorgung zu gewährleisten.« Ähnlich abwechslungsreich geht es bei Hüttenwerke Krupp Mannesmann zu: Abteilungsübergreifende Projekt- und Betriebsbesprechungen wechseln sich ab mit Diskussionen unter Controllingkollegen. Zahlenanalyse, Bewertung und die Veröffentlichungen der Ergebnisse für die betreffenden Abteilungen folgen, dazwischen stehen Routineaufgaben auf dem Plan, die sich aus regelmäßigen Analysen, deren Bewertung und Meetings zusammensetzen.

»Der ganzheitliche Blick auf das Unternehmen, die Bewertung und die Verfolgung der Erfolgshebel machen mir dabei besonders viel Spaß«, schwärmt Silke Schwarten, genau wie »die Analyse und Bewertung spannender Produktionsprozesse und ihrer Alternativen, in denen diese durchgeführt werden können.«

Reizvoll ist für Silke Schwarten auch die ständige Weiterentwicklung der Controllingsysteme, durch die sich ihre eigene Arbeit immer wieder verändert. Ganz nebenbei wird das Augenmerk eines Controllers laufend erweitert: Nachhaltigkeits- oder Green-Controlling heißen die Trends, die bereits am Controllinghorizont zu erkennen sind. Wer Herausforderungen sucht und Zahlen liebt, ist im Controlling also an der richtigen Adresse.


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