zwei Verkehrshütchen

Arbeiten in der Versicherungsbranche

Sie sind der kleine Bruder der Banken. Die ganz realen Risiken des Alltags sind das täglich Brot von Versicherungen.

Was haben Funklöcher, Fussballvereine und der Po von Jennifer Lopez gemeinsam?

Richtig, für alle gibt es spezielle, manchmal bitterernst und manchmal weniger ernst gemeinte Versicherungen. Exzessive Handynutzer können sich zum Beispiel gegen eine plötzliche Nichterreichbarkeit versichern, Fußballfans gegen den Abstieg ihres Lieblingsklubs, und von der Grande Dame des Latino-Schmonzetten-Pop heißt es, sie habe ihren Po dereinst mit 27 Millionen Dollar gegen mögliche Unfälle absichern lassen.

Das alles sind vielleicht etwas grelle Beispiele aus der Welt der Risiken und Policen, doch illustrieren sie sehr gut die Vielfalt der Versicherungswelt. Eine Vielfalt, die auch deine Karriere betrifft, solltest du dich für einen Einstieg in der Branche entscheiden.

Nehmen wir zum Beispiel Steffen Büttgenbach

Der 26-Jährige arbeitet als Strategischer Assistent des Finanzvorstands Lebensversicherung für die Zurich Insurance Group – einen der weltweit größten Erstversicherer, der in 170 Ländern rund 60.000 Mitarbeiter beschäftigt. Büttgenbach wurde einer von ihnen, als er sich nach seinem Abitur dazu entschloss, sich bei Zurich um ein duales Studium zu bewerben.

»Der Hauptgrund lag in der Aussicht, nach drei Jahren zwei Abschlüsse zu haben: den Bachelor und zugleich den Titel des Versicherungskaufmanns.«

Überdies sah Büttgenbach die Chance, die Theorie aus dem Studium schnell in eine tägliche Praxis umzusetzen. Als sich also die Personalbetreuer beim Bewerberauswahltag als ausgesprochen freundlich und wertschätzend entpuppten, gab Büttgenbach deshalb auch sofort seine Zusage. Drei Jahre studierte Büttgenbach zunächst auf Bachelorniveau an der FH Köln. Ehe er aber auf der Position landete, die er heute einnimmt, nahm er aber noch einen anfangs unverhofften Umweg über ein Masterstudium. »Damals wie auch heute war nicht ganz klar, welchen Mehrwert ein Masterstudium bringt«, sagt Büttgenbach zwar, er sagt aber auch, dass ihm nach seiner ersten Ausbildung etwas fehlte.

»Mein Wissensdurst war noch nicht gestillt.« Der folgerichtige Schritt: Unterstützt von Zurich, die ausgezeichnete Absolventen des dualen Bachelorstudiums generell zu einem solchen Schritt ermutigt, machte Büttgenbach aus einem Bachelor in ›Versicherungswesen‹ einen Master. »Dazu kann ich absolut raten.«


In dieser Zeit lernte Büttgenbach vor allem die internationale Seite von Zurich kennen. Als Werkstudent in der internen Revision verschlug es ihn unter anderem nach Spanien, Portugal und Italien. Bewusst eignete sich Büttgenbach ein Profil als ›Versicherungsallrounder‹ an und taucht heute als besagter strategischer Assistent tief ein in die Welt des Finanzwesens. Das freilich hätte er auch bei einer Bank haben können, doch begeisterte die Versicherungsbranche Büttgenbach mehr, »da sie nicht so abstrakt ist wie das Bankenwesen, sondern sich mit den konkreten Risiken des alltäglichen Lebens auseinandersetzt«.

Menschen gegen das Risiko abzusichern, als Kreditnehmer zahlungsunfähig zu werden, ist beispielsweise das Geschäftsfeld, in dem die BNP Paribas Cardif sich im Privatkundengeschäft eine marktführende Position erarbeitet hat. Als Produktspezialist, oder genauer: als Distribution Manager für eben diese Versicherung tätig ist Zoltan Schiszer, VWL-Absolvent der Uni Augsburg und 32 Jahre alt. Aus Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen, an Fragen wie der nach dem Zustandekommen von Preisen auf dem Markt und dessen Mechanismen, entschied sich Schiszer für sein Fach. Dass er nach seinem Abschluss für Versicherungen tätig würde, war da alles andere als ausgemacht, und tatsächlich war es einem Zufall geschuldet, dass er in dieser Branche landete. Was er freilich nicht bereut, denn  »mit jedem Projekt wird man mit anderen Herausforderungen konfrontiert«, wie Schiszer den größten Reiz seiner Arbeit umschreibt. »Auch der Markt ist von häufigen Änderungen geprägt. Das führt dazu, dass man ständig hinzulernen muss und keine Routine walten lassen kann.«

Lernbereitschaft und Flexibilität sind deshalb auch zwei der Fähigkeiten, die du für eine Karriere in der Versicherungsbranche mitbringen sollst, nicht nur, aber doch mehr als anderswo, wenn du wie Schiszer »neue Versicherungen entwickeln und auf den Markt bringen« willst. Außerdem für deinen Einstieg unabdingbar: Fundierte Kenntnisse über Versicherungsprodukte, im Projektmanagement und schließlich auch in rechtlichen Fragen. Die gesetzliche Rahmenbedingungen spielen in Versicherungen eine weitaus bedeutendere Rolle als in anderen Branchen, in denen Wiwis üblicherweise nach ihrem Abschluss unterkommen. Das gilt vor allem für die Sozialversicherungsbranche, wie Ole betont.
Ole ist bei der Krankenkasse Securvita angestellt und verantwortet dort als Leiter den Bereich Leistungsstrategie und Produktentwicklung.

»Richtig gereizt hat mich die Branche ja gar nicht«, erzählt er augenzwinkernd, wie er ebenfalls eher zufällig zu seiner Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten kam. »Während meiner Ausbildung habe ich festgestellt, dass mir das Ganze sehr viel Spaß macht, was vor allem damit zusammenhängt, dass das Thema Sozialversicherung sehr stark rechtlich geprägt ist.«

Betriebswirtschaftliches Wissen spielt bei Versicherungen, auch bei Krankenkassen, natürlich dennoch eine Rolle

Sie eignete sich Ole in einem Fortbildungsstudium zum Krankenkassenbetriebswirt denn auch  gezielt an. Heute ist es Oles wesentliche Aufgabe »zu schauen, welche Krankenversicherungsleistungen wir sinnvollerweise anbieten können und wie wir uns im Wettbewerb gegenüber den anderen Versicherungen positionieren«. Dass Securvita als sehr junge Krankenkasse das sehr gut kann, davon ist Ole überzeugt. Wie auch davon, dass jeder Wiwi prinzipiell in der Branche unterkommen kann. Mitbringen müssten Bewerber dafür nur das, »was man eigentlich überall mitbringen muss: Einsatz, Spaß an der Arbeit, Genauigkeit und Disziplin. In die Fachthemenmuss man sich natürlich noch einarbeiten«, sagt Ole, »dies ist mit Eigeninitiative und der Unterstützung der Kollegen aber sehr gut machbar.«


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