zerquetschtes Auto an einer Stange

Auf Nummer sicher: Das brauchst du für den Einsteig bei Versicherungen

Versicherungen bieten spannende Jobs für Wirtschaftswissenschaftler. Wir zeigen, was dich erwartet und wie der Einstieg klappt

Wer eine Drohne fliegen lässt, einen Paraglider umschnallt oder in ein Privatflugzeug steigt, sollte gut versichert sein. Auch Airlines sind bei Erstversicherungsgesellschaften versichert. Diese sichern sich wiederum bei Rückversicherern ab. Um solche Kunden und Verträge kümmert sich Jörg Dirks im Bereich Aviation & Space bei der Hannover Rück. Der 28-Jährige verantwortet das sogenannte Underwriting, also die Vertragsanbahnung, -gestaltung und -betreuung für Erstversicherungskunden aus Luft- und Raumfahrt. Er lernte erst Versicherungskaufmann und studierte dann Versicherungswirtschaft in Köln. Seit eineinhalb Jahren bewertet und betreut er Risikoportfolios, erarbeitet kundenspezifische Rückversicherungslösungen, prüft und bewertet neue Anfragen oder reist zu Kunden. »Man sollte Zahlen schon mögen«, sagt Jörg Dirks. Er mag auch den Kundenkontakt und die internationalen Reisen.

Vom Autofahrer bis zum Pokémonspieler: Jeder braucht eine Versicherung

Etwa 550 Versicherungsunternehmen gibt es in Deutschland. Sie bieten eine gewaltige Auswahl an Risikoabsicherungen rund um Altersvorsorge, Gesundheit und Auto, für Reise, Beruf und Freizeit, sowie Haus und Eigentum – für alles gibt es passende Policen. Viele für die breite Masse, andere ziemlich speziell, wie die Versicherung für Fußballerbeine oder Pokémonspieler. Dementsprechend abwechslungsreich sind die Jobs. »Berufe in der Versicherungsbranche sind weder langweilig noch monoton. Vielleicht hält sich das Klischee, weil der Verbraucher nicht hinter die Kulissen schauen kann, aber der Arbeitsalltag ist abwechslungsreich und anspruchsvoll. Lernbereitschaft und Flexibilität sind gefragt«, erklärt Berufsberaterin Marion Schaake von Schaake & Friends. Dafür verdient man ganz passabel. »BWL-Absolventen starten mit einem durchschnittlichen Jahresbruttogehalt von etwa 38.000 Euro«, erklärt Schaake. Mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung könnten Betriebswirte auf bis zu 70.000 Euro im Jahr kommen. Wie hoch die Gehälter genau sind, hänge jedoch stark vom Unternehmen, der Position und dem Aufgabengebiet ab.

Die Versicherungsbranche bietet spezialisierten Wirtschaftswissenschaftler ein breites Arbeitsfeld

Wirtschaftswissenschaftler sind in der Branche begehrt: Insgesamt 14.800 waren 2015 in deutschen Versicherungsunternehmen beschäftigt. Sie werden in fast allen Bereichen gebraucht: im Produktmanagement, Controlling, Rechnungswesen, Personal, Vertrieb oder Marketing. Doch der Wettbewerb unter den Bewerbern ist groß: »In den letzten Jahren haben sich viele spezialisierte Studiengänge in der gesamten Hochschullandschaft gebildet. Die ›klassischen‹ Wirtschaftswissenschaftler konkurrieren mit Bewerbern, die sich bereits im Studium spezialisiert haben«, erklärt Marion Schaake. »Je früher die Spezialisierung stattfindet, umso größere Chancen haben Absolventen, bei Versicherungen unterzukommen.« 95 Prozent der Unternehmen bieten daher Werkstudenten- oder Praktikumsplätze an. »Für viele Wiwi-Studenten ist das Praktikum oder das Verfassen ihrer Abschlussarbeit ein erster Schritt in unser Unternehmen«, erklärt Karin Benning von der HUK-Coburg.

Über den Direkteinstieg oder als Trainee in die Zukunftsbranche Versicherungswesen

Wer erst nach dem Studium die Versicherungsbranche für sich entdeckt, dem bieten die Versicherungsunternehmen neben dem direkten Einstieg auch zahlreiche Einstiegs- oder Trainee-Programme mit versicherungsfachlichen Weiterbildungen. Alleine im Vertrieb der Allianz gibt es über neun Möglichkeiten für den Direkteinstieg und verschiedenste Einstiegsprogramme, vom Vorstandsassistentenprogramm bis zum Expertenprogramm Vertrieb. Zudem lockt die Branche mit sicheren Berufsaussichten: 2015 kletterten die Beitragseinnahmen über alle Sparten hinweg auf 193,8 Milliarden Euro. Mehr als 210.000 Menschen beschäftigt die Versicherungsbranche, die meisten davon in München, dem mit fast 33.000 Beschäftigten größte Versicherungsstandort Deutschlands, gefolgt von Hamburg und Köln. Auf Platz vier liegt Stuttgart.

Dort sitzt auch die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe, eine Mischung aus Bank und Versicherungsunternehmen. Rund 13.000 Menschen arbeiten hier. Eine davon ist Christina M. Stein. Seit Juni 2015 ist sie Organisationsberaterin in der Abteilung Konzernorganisation. Stein studierte Betriebswirtschaftslehre und promovierte im Bereich Internationales Management. »Ich bin Organisationsberaterin für alles, was mit Aufbau- und Prozessorganisation zu tun hat«, berichtet die Diplom-Kauffrau. Dazu gehört beispielsweise die Beratung von Abteilungsleitern, wenn Aufgaben aus unterschiedlichen Bereichen zusammengeführt werden sollen. »Ich berate, welche Möglichkeiten der Umsetzung es gibt und welche Konsequenzen sie haben«, erklärt Stein. Sie prüft auch, wie die Kfz-Schadenbearbeitung läuft und was man verbessern sollte, sei es Papier einsparen, das Glätten von Schnittstellen oder Strategien, wie Kundenanfragen schneller beantwortet werden können.

Weg vom Schema F: Versicherungsunternehmen suchen engagierten Nachwuchs mit ›Stormberg‹-Gen

Behäbige, eingefahrene Abläufe können sich moderne Versicherungsunternehmen nicht leisten. Fach- und abteilungsübergreifend muss eng zusammengearbeitet werden, alles soll effizienter und agiler werden. »Gerade jetzt ist eine spannende Zeit in der Versicherungsbranche – alles ist im Umbruch, die Digitalisierung wirkt mit enormem Druck auf die Unternehmen«, beobachtet Christina M. Stein. Die Digitalisierung treibt die Branche um. Auch bei der Generali Deutschland AG: »Der fortlaufende technologische Fortschritt und das veränderte Kundenverhalten zwingen die Versicherer zum Handeln und zur Anpassung ihrer Geschäftsmodelle«, sagt Unternehmenssprecher Dirk Brandt. Dafür brauchen die Versicherungsunternehmen motivierte Nachwuchskräfte. Alleine die R + V Versicherung will 2016 zwischen 60 und 80 Hochschulabsolventen einstellen.

Wie frischgebackene Wiwi-Absolventen bei der Bewerbung punkten können? Christina M. Stein hat da einen Rat: »Sie sollten wissen, was einen erwartet: eine gute Mischung aus ›Stromberg‹ und massiver Aufbruchstimmung. Und sie müssen hervorstechen, etwa mit ungewöhnlichen Hobbies. Bei mir war das der Motorsport. Im Anschreiben also nicht bloß die Stellenbeschreibung abklappern, sondern sich selbst und seine Motivation ehrlich darstellen. Dann bestehen gute Chancen.« ■


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